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Weniger Insekten in Landwirtschaftsgebieten

Dahmeland-Fläming Weniger Insekten in Landwirtschaftsgebieten

Mitte Oktober wurde eine Studie veröffentlicht, wonach der Insektenbestand seit 1989 um 75 Prozent abgenommen hat. In der Region Dahmeland-Fläming beobachten Naturschützer unterschiedlich starke Ausprägungen von Insekten. Je natürlicher die Fläche, desto vielfältiger die Arten.

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Die besten Voraussetzungen für eine große Artenvielfalt an Insekten sind Wiesen voller Kräuter und Blüten.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Mitte Oktober veröffentlichte das internationale Wissenschaftsmagazin Plos-One alarmierende Daten zu einem Phänomen, das auch Naturschützer in der Region schon lange beobachten: In Deutschland geht der Bestand an Fluginsekten dramatisch zurück – laut einer Studie sind seit 1989 rund 75 Prozent der Insekten verschwunden. Dafür untersuchten Insektenkundler Standorte in drei Bundesländern in Deutschland – darunter auch Brandenburg.

Für das Insektensterben machen Wissenschaftler vor allem die Landwirtschaft verantwortlich. Gerade in der Nähe von Agrarflächen seien noch weniger Insekten zu beobachten als ohnehin schon. Das unterstreichen auch Naturschützer aus Dahmeland-Fläming. Gerade in Teltow-Fläming, mit seinen großen landwirtschaftlich genutzten Flächen, sei die Lage alarmierend. „Wir haben hier ein ganz spezielles Pro-blem – den Spargelanbau“, sagt Peter Koch vom Naturpark Nuthe-Nieplitz. „An der Grenze von Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark ist ja bis Luckenwalde runter immer mehr Fläche verspargelt.“ Das Problem: Diese Flächen liegen die meiste Zeit des Jahres unter Folie, wenn diese entfernt wird, wird gleich mit Insektiziden gegen die sogenannte Spargelfliege gespritzt.

Intensivkulturen gedeihen nur mit Dünger

Spargelfelder sind somit komplett vegetationsfrei. „Das sind ökologisch tote Flächen, sie sind praktisch wie versiegelt“, sagt Koch. „Da haben Insekten ja gar keine Chance.“ Da Spargel eine Sonderkultur ist, gibt es keine Flächenbegrenzungen und die Landwirte müssen keine Ersatzflächen zur Kompensation bereitstellen. Eine Regelung, die Peter Koch scharf kritisiert. „Ich finde das äußert bedenklich“, sagt er.

Insektenschwund in Deutschland

In den vergangenen 27 Jahren haben Forscher vom Entomologischen Verein Krefeld Daten zum Insektenvorkommen in Deutschland gesammelt.

Die Daten stammen von ehrenamtlichen Insektenkundlern, die in insgesamt 63 Gebieten in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Insektenfallen aufgestellt haben, um das Vorkommen zu analysieren.

Mit den sogenannten Malaise-Fallen wurden Fluginsekten in einen Sammelbehälter geleitet und getötet. So haben die Forscher die Gesamtmasse der gefangener Insekten bestimmt. Die meisten Standorte wurden für den Zeitraum von ein bis vier Jahren untersucht.

Ergebnis: Die Insektenzahl ist an vielen Orten erheblich gesunken. Die Gesamtmasse der Fluginsekten in Deutschland ist seit 1989 um 75 Prozent zurückgegangen. Dieses Ergebnis veröffentlichte das Wissenschaftsjournal Plos-One Mitte Oktober.

94 Prozent der untersuchten Standorte waren von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben.

Besonders der Deutsche Bauernverband kritisiert die Studie und fordert weitere Untersuchungen.

Hinzu kommen die Flächen, auf denen Energiepflanzen wie Energiemais oder Sudangras für Biogasanlagen angebaut werden – mit ähnlichen Folgen für Insekten wie auf den Spargelfeldern. Jede dieser Intensivkulturen gedeihe nur mit Dünger und insektentötenden Pflanzenschutzmitteln, sagt Koch. Und solange Pestizide eingesetzt würden, werde das Insektensterben nur weiter zunehmen – aktuell spiele in diesem Zusammenhang besonders das Thema Glyphosat eine große Rolle.

Viele Wildbienen rund um Prieros

Besser sieht es in der Region auf den naturbelassenen Flächen aus. Das beobachtet Gernot Hinnekamp, der als Naturführer in der Region unterwegs ist, zum Beispiel entlang der Dahme. Dort sei noch ein relativ gesundes Biotop zu finden, da das Flussbett gesund und nicht begradigt ist. „Bei meinen Wanderungen in Gebieten mit wenig landwirtschaftlicher Fläche sehe ich eine gewisse Artenvielfalt an Insekten“, sagt er. Immer wieder finde er so auch in Dahme-Spreewald Schmetterlingsarten, die er sonst nicht sieht. Rund um Prieros habe er in diesem Sommer im Dahme-Seengebiet viele Wildbienen entdeckt. „Ich bin immer froh, wenn ich so etwas sehe“, so Hinnekamp.

Die Folgen des Insektensterbens sind dramatisch: „Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette“, erklärt Silvia Schiebert, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes (Nabu) Dahmeland. „Somit hat ihr Verschwinden Auswirkungen auf alles andere, zunächst einmal auf die kleinen Singvögel.“ Auch für Pflanzen ist der Ausfall von Bienen, Wespen und anderen bestäubenden Insekten schlimm. Denn ohne ihre Dienste haben es alle angebauten Obst- und Gemüsesorten, vom Apfel über die Gurken bis zur Zwetschge, schwer. In China bestäuben Menschen schon jetzt Obstplantagen per Hand.

Nicht alle Arten können sich gut anpassen

Insofern ist die Landwirtschaft also auch auf die Arbeit von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Fliegen als Bestäuber angewiesen. Je mehr davon da sind, desto beständiger und häufiger werden die Blüten bestäubt und bilden Früchte aus. Doch gerade Bienen sind vom Insektensterben betroffen. Auf dem Land fehlen Imker, dazu kommt die Varoa-Milbe, die tödliche Viren auf Bienen überträgt und der viele Völker zum Opfer fallen.

Wenn man die Nahrungskette bei den Tieren weiterverfolgt, sind nach den Singvögeln die Elstern und Krähen und später Greifvögel wie Bussarde betroffen. Gernot Hinnekamp ergänzt die Folgen des Insektensterbens: „Im Endeffekt leiden irgendwann auch diejenigen, die in der Nahrungskette weiter oben stehen.“ Selbst das Vordringen von Füchsen oder Elstern und Krähen in die Städte – Arten, die sich alle gut anpassen können – ist auf den Insektenschwund zurückzuführen. „Doch nicht alle Arten können sich so gut anpassen und ihre Nahrung in der Zivilisation finden“, sagt Gernot Hinnekamp.

Die besten Voraussetzungen für eine große Artenvielfalt an Insekten sind Wiesen voller Kräuter und Blüten, Sträucher und kleinen Baumgruppen. Deswegen rät Silvia Schiebert vom Nabu Dahmeland dazu, die Gärten nicht zu sehr aufzuräumen, also auch mal einen Laubhaufen, Brennnesseln und Zweige liegen zu lassen und den Rasen wachsen zu lassen. „Laubsauger und permanent kurz getrimmter Rasen sind wenig insektenfreundlich“, sagt Schiebert. Unterstützen könne man dan Erhalt der Artenvielfalt durch das Aufstellen von Insekten-Nisthilfen im eigenen Garten.

Von Anja Meyer

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