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Wenn Luxuskarossen im Kühltransporter verschwinden

Prozess gegen mutmaßlichen Autoschmuggler Wenn Luxuskarossen im Kühltransporter verschwinden

Er soll Luxusautos im Kühltransporter geschmuggelt haben. Für ein kleines Handgeld sollte er die teuren Autos Richtung Osteuropa bringen. Ein Gerichtsprozess in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) gegen einen 36-jährigen Familienvater zeigte exemplarisch, mit welchen Methoden Auto-Diebesbanden arbeiten.

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Der Angeklagte Giedrius B. mit seinem Verteidiger Hendrik König bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Königs Wusterhausen.

Quelle: Franziska Mohr

Wildau. Wer einen Einblick in das kriminelle Milieu des Verschiebens von gestohlenen Autos gen Osteuropa erhaschen wollte, hatte dazu jetzt vor dem Amtsgericht Königs Wusterhausen Gelegenheit. Dort wurde der Angeklagte Giedrius B., der seit Juni in Untersuchungshaft sitzt, mit gesenktem Kopf von zwei Polizeibeamten in den Gerichtssaal geführt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) warf dem 36-Jährigen versuchte gewerbsmäßige Hehlerei in zwei Fällen vor.

Der Litauer, seit fünf Jahren als selbstständiger Fuhrunternehmer quer durch Europa unterwegs, ging der Polizei erstmals im Mai 2015 ins Netz. Damals wollte er einen zuvor im nordrhein-westfälischen Dormagen gestohlenen Range Rover Sport im Wert von 70.000 Euro nach Litauen transportieren. Richter Michael Uecker zufolge ließen die NRW-Beamten zwar nichts unversucht, um die Strukturen dieser organisierten Banden aufzuklären, nahmen den Angeklagten aber selbst nicht in Haft. Im Juni dieses Jahres wurde er in der Hans-Grade-Allee in Schönefeld ein weiteres Mal erwischt. Er versuchte, einen zuvor in Berlin gestohlenen BMW im Wert von 25.000 Euro in einem Kühltransporter in seine Heimat zu bringen. Diesmal erließ das Amtsgericht Königs Wusterhausen Haftbefehl.

Dem Angeklagten war bewusst, dass er mit Diebesgut zu tun hatte

Der Angeklagte, Vater von zwei Kindern im Alter von fünf und sieben Jahren, hatte bereits bei der Polizei umfangreiche Aussagen gemacht und zeigte sich auch im Gerichtssaal geständig, so dass auf eine umfangreiche Beweisaufnahme mit Zeugenaussagen verzichtet werden konnte. B. zufolge hatte ihn ein russischer Bekannter angesprochen, ob er nicht den Transport der Fahrzeuge übernehmen könne. „Da ich Leerfahrten vermeiden wollte, sagte ich zu“, erklärte der Angeklagte dieses ungewöhnliche Geschäft. Dabei räumt er ein, dass ihm schon aufgrund der nächtlichen Frachtübergabe sowie der fehlenden Autopapiere bewusst war, dass es sich um Diebesgut handeln würde. Als „Lohn“ wurden ihm im ersten Fall 2000 und im zweiten 1000 Euro versprochen. Er sollte die Fahrzeuge bis in seine heimische Garage in Litauen bringen, dort würden sie abgeholt, hieß es. Diese „Transportprämie“ ist nach Angaben seines Verteidigers Hendrik König keinesfalls höher als die sonst üblichen Kosten auf dieser Strecke für einen normalen Transport.

Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten in beiden Fällen die Technik. Bei dem Besitzer des gestohlenen BMW schlug sofort die App auf dem Handy an, nachdem das Fahrzeug von einem Fremden bewegt wurde. Ähnlich verhielt es sich bei dem Range Rover Sport, bei dem der Eigentümer nach dem Bemerken des Diebstahls an seinem Laptop sofort nachvollziehen konnte, wo sich sein Auto gerade befand, so dass der Polizei ein schneller Zugriff gelang.

Gericht setzt Strafe zur Bewährung aus

Der Staatsanwalt plädierte für eine Gesamtstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Er begründete dies vor allem damit, dass sich der Angeklagte einer organisierten Bande angeschlossen hat. Außerdem habe er aus seiner ersten Straftat keine Lehren gezogen.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Richter Uecker begründete die Entscheidung vor allem mit der positiven Sozialprognose des Familienvaters, der zudem in seinem Unternehmen erhebliche Kreditbelastungen für die Fahrzeuge zu tragen hat. Zudem konnten die Autos den rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden und der volkswirtschaftliche Schaden hält sich so in Grenzen. „Sollten Sie allerdings noch einmal im Dunstkreis eines gestohlenen Fahrzeugs auftauchen, führt an einer Haftstrafe kein Weg mehr vorbei“, stellte Richter Uecker klar.

Von Franziska Mohr

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