Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° bedeckt

Navigation:
Wenn der Drucker streikt

Tag des Systemadministrators Wenn der Drucker streikt

In den Verwaltungen von Städten und Kommunen wird mit sehr sensiblen Persönlichkeitsdaten gearbeitet. Datenschutz ist deswegen von großer Bedeutung. Doch die IT-Experten müssen sich um viele Probleme kümmern. Auch wenn nur mal der Drucker streikt.

Voriger Artikel
20-Jähriger stirbt nach Unfall
Nächster Artikel
Stadtmeisterschaft im Fußball angeregt

IT-Experten helfen bei Chaos im Serverschrank.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Manchmal fühlt sich Jörg Böttcher wie ein Seelsorger, denn alle Angestellten der Stadt Jüterbog und der Gemeinde Niederer Fläming kommen mit ihren kleinen und großen Problemen zu ihm. Dabei ist er kein Sozialarbeiter, sondern Verantwortlicher des Sachgebiets Informationstechnologie (IT). Als solcher ist Böttcher für (beinahe) alles zuständig: Vom nicht funktionierenden Drucker bis zum Thema Datenschutz. „Man versucht natürlich, allen zu helfen“, sagt er.

Genau diese Einstellung sollte am Freitag besonders geschätzt werden. Denn es ist der „Tag des Systemadministrators“. Er ist international und findet seit dem 28. Juli 2000 jedes Jahr am letzten Freitag im Juli statt. Er soll dazu dienen, dem Systemadministrator, der seine Aufgaben üblicherweise im Hintergrund erledigt, für seine gute Arbeit zu danken.

Also solchen Kollegen wie Jörg Böttcher. Er kümmert sich um die kleine technischen Hürden und trägt in seinem Job vor allem auch die Verantwortung für einen reibungslosen Arbeitsablauf bei seinen Kollegen. Ein großes Problem: Nicht jede Kommune kann immer auf dem neuesten Stand der Technik sein.„Das ist einfach auch immer eine Frage von Zeit und Geld“, sagt Böttcher. Er selbst sei gerade dabei, die letzten Computer mit Windows XP auszutauschen, einem Microsoft Betriebssystem das 2001 auf den Markt gekommen ist. Trotz diverser Software-Updates arbeiten also einige auf einem technischen Stand von vor fast 15 Jahren.

Jörg Böttcher

Jörg Böttcher

Quelle: Privat

Das Problem der hohen Kosten für moderne Technik trifft kleine, finanzschwache Kommunen. „Gerade große Systeme sind in der Anschaffung sehr kostspielig“, berichtet Siegbert Nimtz (Unabhängige Wähler), Bürgermeister der Gemeinde Heidesee. Hinzu komme, dass diese Software dann „ruck, zuck wieder veraltet ist“ und aktualisiert werden müsse. Für jedes Jahr wird in Heidesee deshalb ein bestimmtes Budget für die anstehenden Anschaffungen eingeplant. Sich wie in Jüterbog und Niederer Fläming einen Systemadministrator zu „teilen“ komme für Nimtz allerdings nicht in Frage, um Kosten zu sparen. „Wir wollen jemanden vor Ort haben, der schnell agieren kann“, sagt er.

Schnell helfen, wenn die Technik mal wieder streikt – das ist seit rund 31 Jahren der Job von Jörg Böttcher in Jüterbog. Damals hatte er das erste Mal einen Computer in der Hand. „Das war nicht viel mehr als ein Bildschirm mit einer Tastatur“, erzählt er. Seit 25 Jahren ist Böttcher verantwortlich für die Technik der rund 70 Angestellten in der Stadtverwaltung Jüterbog. Zudem kümmert sich der 57-Jährige um die Systemadministration der Gemeinde Niederer Fläming. „Das ist historisch so zusammengewachsen und mittlerweile haben beide Verwaltungen ein einheitliches Management“, sagt Böttcher.

Die Probleme sind – trotz der sehr unterschiedlichen Größen der Verwaltungen – doch annähernd die gleichen. Es geht vor allem um Programm-Updates. Sie stellen Menschen – beruflich und privat – immer wieder vor dieselben Her-ausforderungen. „Wenn etwa Programme aufgrund von neuen Gesetzen verändert werden müssen, kommen Fragen zur neuen Handhabung nach den Updates häufig auf“, erklärt er.

Ein größeres Thema sei aber die Datensicherheit. Immerhin arbeiten die Angestellten der Verwaltung mit sehr sensiblen personenbezogenen Daten, wie Adressen, Melde- oder Steuerdaten. Diese zu sichern, ist eine der Hauptaufgaben von Jörg Böttcher.

Dazu nutzt er eine Firewall, die alle Computer vor Angriffen von außen abschirmt. Eine Attacke von einem Hacker habe es noch nie gegeben. Häufiger müsse er gegen Viren ankämpfen, die nach Unachtsamkeiten auf die Rechner geladen werden. „Die Mitarbeiter sind hier die größte Gefahr, weil sie auf irgendwelchen Seiten surfen, auf denen sie nicht surfen sollten oder dubiose Links in E-Mails öffnen“, so Böttcher. Da seien die Maschinen schnell einmal verseucht.

An die Daten kommt jedoch trotzdem keiner heran. Die größere Gefahr besteht eher in ihrem Verlust. Was passiert zum Beispiel wenn der Serverraum brennt? In Jüterbog und Niederer Fläming werden einmal täglich die Daten auf dem Server gesichert und einmal monatlich werden alle Einstellungen und Daten auf einen nicht ans Netz angeschlossenen Server geladen.

Gemeinsam mit IT-Kollegen aus Amts-, Stadt-, Kreis- und Gemeindeverwaltungen hat sich Jörg Böttcher in der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft „Technikunterstützte Informationsverarbeitung“ im Land Brandenburg (TUIV-AG) zusammengeschlossen. Bei Treffen von verschiedenen Arbeits- und Fachkreisen werden alle Themen rund um die IT von Verwaltungen besprochen, wie Vorgangsbearbeitung, Wartung und Pflege oder auch Fach- und Standardsoftware. Nahezu alle Brandenburger Kommunen sind mittlerweile unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ in diesem Austauschforum organisiert.

Mit dem Wissen vieler kann er seinen Kollegen bei den kleinen und großen Probleme bestmöglich aushelfen. Und sei es nur, weil der Drucker mal wieder streikt.

Von Chantal Willers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg