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Wenn der Lenz streikt, zickt der Spargel

Kältester April seit 16 Jahren Wenn der Lenz streikt, zickt der Spargel

Mit nur 7,5 Grad ist der diesjährige April der kälteste seit 16 Jahren, darunter leiden vor allem die Spargelbauern. Sie erzählen, wie sie mit dem Temperaturtief und den damit einhergehenden Ernteeinbußen umgehen.

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Die Spargelernte in der Region Dahmeland-Fläming – hier ein Feld bei Diedersdorf – verläuft bislang eher schleppend.

Quelle: Gudrun Ott

Dahmeland-Fläming. Sobald sich im Frühling die Sonne blicken lässt und die Landschaften von tristem, winterlichen Grau in saftiges Grün gehüllt werden, heißt es wieder: Die Spargelsaison ist eröffnet. Doch dieses Jahr lässt der Frühling auf sich warten. Mit einer Monatsmitteltemperatur von 7,5 Grad war der April der kälteste seit 16 Jahren.

Am stärksten leiden die Spargelbauern unter diesem Temperaturtief. „Spargel muss am Wurzelstock, also am Damm, mindestens zwölf Grad haben, damit die Stange wachsen kann. In den letzten Wochen waren diese Bedingungen nicht gegeben“, sagt Runhild Ehlers, „vor allem nachts gingen die Temperaturen deutlich unter zwölf Grad herunter. Als Ausgleich müsste es wenigstens am Tage deutlich wärmer werden. Aber selbst tagsüber waren es nur zwölf bis 13 Grad.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Roderich Ehlers betreibt sie den Spargelhof Siethen. Ihr Ernteertrag war zu Saisonbeginn im April deutlich geringer als in vorigen Jahren. Auch für diesen Monat sei die Aussicht nicht deutlich besser: „Der Mai scheint relativ kühl zu bleiben, zumindest die ersten beiden Wochen, das bedeutet, dass die Ernte dann geringer ausfallen wird“, sagt auch Rheinhardt Mich vom Gemüsebaubetrieb „Spreewald“.

„Die verfrühten Anlagen sind unsere Rettung“

Aufgrund des langsameren Wachstums würden die Spargelstämme rosten, also braun werden, was weder ansehnlich sei, noch die Qualität verbessere. Auch die Erntehelfer, größtenteils Polen und Rumänen, leiden unter der schlechten Saison. Einerseits ist die Feldarbeit mühsamer, da sie für ein Kilo Spargel deutlich längere Wege zurücklegen müssen. Zum anderen arbeiten die Spargelstecher deutlich weniger Stunden als in einer guten Saison. Das Ehepaar Ehrich vom Spargelhof Siethen sorgt dafür, dass sie trotzdem über die Runden kommen. „Wir geben ihnen dann andere landwirtschaftliche Aufgaben, zum Beispiel Aufräumarbeiten oder sie harken Laub. Man ist ja bemüht, dass sie ihr Geld verdienen, wenn die schon so nett sind, herzukommen und uns bei der schweren Erntearbeit helfen“, Roderich Ehlers. Einige Bauern sahen den Kältesturz schon kommen und zogen mit Hilfsmitteln die Ernte vor. „Die verfrühten Anlagen sind unsere Rettung“, sagt Rheinhard Mich. Bei der sogenannten verfrühten Ernte werden Teile der Spargelfelder mit Hilfe von Doppelt- und Dreifachabdeckungen aus perforierter Folie besser erwärmt, wodurch der Spargel schneller wachsen und bereits zu Beginn der Saison im April geerntet werden kann. „Die lief jetzt auch nicht herausragend, aber zumindest befriedigend“, berichtet Rheinhard Mich. Mit dem Obst hatte der Bauer nicht so viel Glück. „Im April hatten wir noch mal Minusgrade. Da ist uns gleich zwei Mal die Grünspargelernte abgefroren“, sagt er, „auch unsere Süßkirschen- und die Erdbeerenblüten haben unter dem Frost gelitten. Da wissen wir überhaupt noch nicht, wie die Ernte ausfallen wird. Da müssen wir erstmal die nächsten Wochen abwarten.“ Der Bauer erinnert sich, dass es bereits im vergangenen Jahr Ernteausfälle gab. Sie konnten die Früchte erst spät ernten „und dann kam blitzartig diese Riesenhitze“. Zu Glück sei die Ernte dann schon abgeschlossen gewesen.

Wenn das Wetter die Existenz bedroht

Existenzängste haben die berufserfahrenen Bauern wegen einer schlechten Saison jedoch größtenteils noch nicht. „Wer jahrzehntelang in der Landwirtschaft tätig ist, der weiß, dass es normal ist, dass es auch mal schlechtes Wetter gibt“, sagt Roderich Ehlers, „das empfindet man dann auch nicht als bedrohlich. Man nimmt es eben so hin und bleibt dabei gelassen.“ Doch nicht alle Bauern bleiben so gelassen wie er. Der Besitzer des Spargelhofs Bardenitz, Andreas Wittmann, sieht die Zukunft für den Spargelanbau allgemein eher düster. „Die Preise sind im Keller, ich schaue mir das in diesem und im kommenden Jahr noch an – dann entscheide ich über einen Weiterbetrieb.“ Der Landwirt nimmt an, dass bereits im nächsten Jahr die ersten Betriebe wegen der steigenden Kosten schließen werden: „Allein die Personalkosten haben sich seit Einführung des Mindestlohns fast verdoppelt, aber die Verkaufspreise sinken. Die Schere geht immer weiter auseinander.“ Den Erdbeeranbau hat er bereits aufgegeben, da er sich nicht rentiert hat. Roderich Ehlers erklärt die schwankenden Preise: „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wenn der Spargel knapp ist, brauchen die Erntehelfer viel mehr Zeit, da sie längere Wege zurücklegen müssen, um ein Kilo Spargel zu ernten. Dann ist der Verkaufspreis natürlich höher, als wenn bei sommerlichem Wetter auf jeden Meter ein Kilo zusammenkommt.“

Für die Spargelbauern war es ein schwieriger Saisonstart, doch nicht alle Landwirte müssen um ihre Ernte bangen „Also für die Feldfrüchte, die jetzt auf dem Feld stehen und alle gedeihen, war das Wetter nicht so schlecht“, sagt Silvia Fuchs, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Teltow-Fläming und fügt hinzu: „Ein schöner Landregen wäre angebracht und dann kann es langsam wärmer werden, da besteht noch keine Gefahr.“

Von Josefine Kühnel

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