Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Wenn der Panther mit dem Dorn spritzt

Schönefeld Wenn der Panther mit dem Dorn spritzt

Die Flughafenfeuerwehr trainiert regelmäßig im Ausbildungszentrum die Brandbekämpfung. Auffälliger Mittelpunkt der Übungen ist die schwarze ausgebrannte Flugzeugattrappe eines Airbus A 318.

Voriger Artikel
Auto steht auf A10 still – Karambolage mit Verletzten
Nächster Artikel
Wird Dahme-Spreewald das Saudi-Arabien des Ostens?

Das Flammenmeer an der Airbus-Attrappe ist bis zu 600 Grad Celsius heiß.

Quelle: Uta Schmidt

Schönefeld. Regelmäßig bekommen ahnungslose Passagiere und Flughafenanwohner einen gehörigen Schreck, fällt ihr Blick auf das Flammenmeer in der Nähe der nördlichen Start- und Landebahn am Flughafen Schönefeld. Auch wenn das Feuer meterhoch züngelt und eine Temperatur von bis zu 600 Grad entwickelt, Gefahr besteht nicht. Es dient den Feuerwehrleuten im Feuerwehrtraining- und Ausbildungszentrum (FTAZ) an der Feuerwache Nord zur Aus- und Fortbildung. Floriansjünger – nicht nur aus der Region - trainieren hier „Fuel-Spill“, den Angriff bei der Flugzeugbrandbekämpfung.

„Dabei ist ein taktisches Vorgehen wichtig, das mit der Kühlung des Flugzeugrumpfes beginnt, um die Passagiere zu retten. Diese müssen binnen 90 Sekunden die Kabine verlassen, bevor das Feuer übergreift und eine Durchzündung erfolgen könnte“, erklärt Gruppenführer Lars Voss. Da müsse jeder Handgriff bei den Feuerwehrleuten genau sitzen, die gesamte Technik voll funktionstüchtig sein und viele Details wie die Windrichtung beachtet werden, erklärt Voss im Leitstand der computergesteuerten FTAZ-Anlage.

Schwarze Flugzeugattrappe

Auffälliger Dreh- und Angelpunkt ist hier die schwarze Flugzeugattrappe eines Airbus A 318. Futuristisch und bizarr mutet das Ungetüm auf ausgeglühtem Basaltgrund an. Doch was wie ein ausgebranntes Flugzeugwrack mit abgerissener Tragfläche aussieht, ist ein Hightech-Simulator, mit dem Feuerwehrleute aus ganz Deutschland das Löschen von rund 30 unterschiedlichen Bränden trainieren können. Drei Millionen Euro investierten die Berliner Flughäfen in dieses nützliche Ausbildungsgerät, das gemäß den internationalen Richtlinien für die „Heißausbildung“ für Mitarbeiter im Feuerschutz und Rettungswesen auf Flughäfen angeschafft wurde. Im September 2003 in Betrieb genommen, dient der Simulator zudem dem Training zur Bekämpfung von Fahrwerk- und Triebwerkbränden sowie von Objektbränden. In einem „Brandhaus“ mit Küche, Werkstatt, Schlafzimmer und Treppenhaus auf zwei Etagen können auch die Mitglieder von Freiweilligen Feuerwehren der Region unter authentischen Bedingungen das Löschen von Bränden und die Personenrettung üben. Die Regelung erfolgt per Knopfdruck am Computer im Leitstand. Dadurch ist es möglich, die Flammen an der Airbus-Attrappe, im Brandhaus und am Fahrwerk-Triebwerk bis zu 30 Metern nach oben schießen und langsam wieder ersterben zu lassen. Vor jeder Zündung werde der Tower und die Rettungsleitstelle Lausitz über die Übung informiert, so Voss. Die Angehörigen der Flughafenfeuerwehr trainierten mehrmals im Jahr in dieser Anlage „heiß“ – wie es in der Fachsprache heißt. „Dieser Alarm wird unseren Mitarbeitern vorher nicht angekündigt. Das sekundenschnelle Ausrücken und der Einsatz der Technik wird wie im Ernstfall trainiert“.

Panther rollt an

Zum Simulator, der sich nur wenige Meter entfernt von der Feuerwache Nord entfernt befindet, rollt dann das moderne Großlöschfahrzeug „Panther 7“. Das Fahrzeug hat 12500 Liter Wasser sowie zweimal 750 Liter Schaum an Bord. Erst das Gemisch aus Schaumbildnern, Luft und Wasser erzeugt bei Bedarf den alkoholbeständigen Löschschaum, der bei einem möglichen Kerosinbrand zum Einsatz kommt. Mit Hilfe seines „Dorns“ kann der „Panther“ den Löschschaum direkt unter die Flugzeughülle spritzen. „Die komplette Wasserfüllung von 12500 Litern wird im Einsatz in 150 Sekunden ausgeworfen. Im Falle eines realen Flugzeugbrands sind wir mit mehreren Löschfahrzeuge am Unfallort“, so Voss. Vorgabe sei: drei Minuten nach Alarmauslösung vor Ort zu sein und nach weiteren drei Minuten das Feuer gelöscht zu haben.

Über 130 Mitarbeiter sind rund um die Uhr in der Flughafen-Feuerwache im Einsatz. Auch wenn die dank eines ausgeklügelten Brandschutzsystems immer seltener zur aktiven Brandbekämpfung ausrücken müssen, für den „Fall des Falles“ sind die Feuerwehrleute Wache rund um die Uhr gewappnet. „Wir arbeiten in drei Schichten.31 Kollegen gehören zu einer Schicht. Hier wird auch geruht“, erklärt Schichtleiter und Hauptbrandmeister Thomas Heise. Egal, ob im Terminalrestaurant der Rauchmelder anspringt oder eine glimmende Zigarette in einem Papierkorb vor sich hin qualmt, in Sekundenschnelle ist der Löschzug besetzt. „Wir sind nicht nur für den Brandfall in Gebäuden, auf den Rollbahnen und den Flugzeugen da, sondern auch für Unfälle in Parkhäusern und bei der Personenrettung zur Einleitung von Erstmaßnamen“, so Heise. Dank dieses Aufgabenspektrums sind die Feuerwehrleute auf dem Flughafen Löschexperten, Sanitäter, Retter und Handwerker gleichermaßen.

Von Uta Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg