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Wer profitiert von der Hitze, wer leidet?

Volle Freibäder, leere Cafés? Wer profitiert von der Hitze, wer leidet?

Man könnte meinen, die Eisdielen der Region Dhameland-Fläming verbuchen bei den derzeitigen Rekord-Temperaturen auch die passenden Rekord-Umsätze. Doch die Menschen essen viel lieber Eis, wenn es zehn Grad kälter sind, erläutern die Eisdielen-Besitzer. Die MAZ hat sich umgehört, wer bei der Hitze leidet und wer von ihr profitiert.

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Die Sonne kann auch ein Umsatzbringer sein.

Quelle: Foto: DPA

Dahmeland-Fläming. Viele stöhnen über die tropischen Temperaturen, andere freuen sich über gut gelaunte Kundschaft und volle Kassen. Die MAZ hat sich umgehört, wer zu den Profiteuren und wer zu den Verlierern der aktuellen Hitzewelle gehört.

Rund 400 bis 500 Gäste, am Wochenende sogar bis zu 1000 Besucher: Karola Werner, Leiterin des Strandbads „Neue Mühle“ in Königs Wusterhausen, freut sich über den Andrang. „Wir haben recht viel Glück gehabt mit dem Wetter, im Moment profitieren wir zusätzlich von den Hortgruppen, die hier ihre Ferien verbringen“, sagt die 39-Jährige. Deutlich wird der Andrang auch bei dem kleinen Imbiss am See. „Da bildet sich schon mal eine Schlange beim Eis“, erzählt Werner.

Auch im Freibad Oehna bei Jüterbog ist es in diesen Tagen „rappelvoll“, sagt Ulrich Schenk. Am Wochenende sei besonders viel los, doch das Freibad profitiert auch davon, dass die Kinder jetzt Ferien haben – und diese verbringen sie bei den hohen Temperaturen am liebsten den ganzen Tag im Schwimmbad. „Gleich morgens kommen die Schüler oder Großeltern mit ihren Kindern“, sagt der Schwimmmeister.

Von der Hitze profitieren natürlich auch die Eisdielen – allerdings nur bedingt. „Am liebsten essen die Leute Eis bei Temperaturen um die 25 Grad“, sagt Kathrin Schmid, die mit ihrem Mann seit einigen Jahren das „Eiscafé 21“ in Luckenwalde betreibt. „Wenn es so heiß ist, fahren die Leute lieber an den See“, fügt sie hinzu. Der Renner seien jetzt Fruchteissorten – diese erfrischen besonders.

Auch Fuki A., Inhaber des Eiscafés Villa Romana in Königs Wusterhausen, sagt: „Wenn es zu heiß ist, ist es auch nicht gut.“ Reger Betrieb herrsche dennoch in den Nachmittagsstunden. „Wir können uns nicht beschweren“, sagt er. Dennoch hat Fuki A. in diesem Jahr nicht mehr Umsatz gemacht als im vergangenen. „Wir hatten ja auch viele Regentage“, sagt er.

Ähnliches hört man von den Gastronomen der Region: „Am liebsten sitzen die Leute bei 25, 26 Grad im Biergarten“, sagt Fredi Spahn, Geschäftsführerin des Gasthauses „Alter Dorfkrug“ in Luckenwalde. Dennoch wird es am Wochenende im „Alten Dorfkrug“ bei den hohen Temperaturen abends voll. „Da sitzen die Besucher dann bis spät in die Nacht und genießen ihren Salat oder eine Berliner Weiße“, sagt Spahn.

Man könnte meinen, dass die Fleischereien der Region bei Rekordhitze auch einen Rekordumsatz verbuchen müssten. Sommerzeit ist schließlich Grillzeit! Doch vielen Leuten vergeht bei der Wärme der Appetit. „Klar, am liebsten grillen die Leute im Sommer, im Juni, Juli und August“, weiß Beatrice Flanz von der Landfleischerei Apel in Dahme/Mark. „Aber aufgrund der Wärme kaufen die Leute zum Beispiel weniger Wurst“, sagt die Filialverantwortliche. Deshalb habe das Unternehmen die Produktion schon seit einigen Wochen an die geringere Nachfrage angepasst. Und Jens Größler von der gleichnamigen Metzgerei in Zeuthen sagt sogar: „Von der Hitze profitiere ich gar nicht. Weil keiner Hunger hat, kauft auch keiner.“

Die Kommunen haben zurzeit jede Menge zu tun, denn die Bäume und Sträucher der Region lechzen nach Wasser. „Wir haben ein Tankfahrzeug mit einer Kapazität von 1500 Litern. Im Moment werden damit bis zu 22 000 Liter Wasser pro Tag ausgefahren“, sagt Katrin Dewart-Weschke von der Stadt Königs Wusterhausen. „Bei der Hitze wäre es schön, wenn die Bevölkerung uns dabei unterstützt. So ein Baum benötigt 50 bis 100 Liter Wasser pro Tag.“ Die Stadt freue sich über jeden Bewohner, der beispielsweise die Bäume vor seinem Grundstück wässert. Auch auf den Friedhöfen benötigen die Grünpflanzen zurzeit mehr Pflege.

Das gleiche Bild ergibt sich in Ludwigsfelde: „Der Kommunalservice ist jetzt im Dauereinsatz, um vor allem die jungen Bäume zu wässern“, berichtet Angelika Laag von der Stadtverwaltung. Auch dort setzt man auf die Mithilfe der Einwohner.

Klarer Profiteur von der Hitze sind dagegen die Autohäuser: „Das ist jedes Jahr so, dass die Leute, sobald es wärmer wird, merken, dass ihre Klimaanlage nicht mehr funktioniert“, sagt Thomas Bredow, Inhaber eines Autohauses in Königs Wusterhausen. „Davon profitieren wir dann auf jeden Fall.“ Noch etwas kommt dem Unternehmer in den Sommermonaten nach eigenem Bekunden zugute: „Jetzt kommen auch viele und lassen ihre Autos für die Urlaubsreise durchchecken.“

Hitzebedingte Notfälle halten sich im Achenbach-Klinikum in Königs Wusterhausen in Grenzen, wie Oberärztin und Internistin Katrin Müller-Schmehl der MAZ sagte. Die meisten Patienten, die jetzt zur Notaufnahme kommen, haben vergessen, genug zu trinken. Zurzeit registriert das Krankenhaus im Schnitt fünf bis sechs hitzebedingte Fälle in der Notfallambulanz. Pressesprecherin Ragnhild Münch warnt vor allem vor Badeunfällen in Zusammenhang mit der Hitze. Die meisten Menschen sterben bei einem Badeunfall nicht an einem Herz-Kreislauf-Problem, sondern weil sie aufgrund einer Ohnmacht ertrinken. Deshalb raten Ärzte des Klinikums, nicht übereilt ins Wasser zu gehen, sondern den Körper langsam an die Abkühlung zu gewöhnen.

Von Anne-Kathrin Fischer

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