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Dahme-Spreewald Pflegeheim setzt auf rumänische Fachkräfte
Lokales Dahme-Spreewald Pflegeheim setzt auf rumänische Fachkräfte
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01:15 14.07.2018
20 Rumänische Pflegekräfte sollen bei der Seniorenheim Wildau GmbH anfangen. Quelle: Matthias Zomer
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Wildau

Als Andreas Beckmann unlängst durch ein Fachmagazin für Pflege blätterte, stieß er auf einen Artikel, der ihm Hoffnung machte. Es ging um rumänische Krankenpflegerinnen, die in Deutschland arbeiten wollen und um einen Unternehmer, der sie für den deutschen Markt fit machen will. Es klang, als könne das die Lösung vieler Sorgen sein. Andreas Beckmann griff sofort zum Telefon.

Beckmann ist Geschäftsführer der Seniorenheim Wildau GmbH und braucht dringend Pflegekräfte. Seine Gesellschaft, eine Tochter der Arbeiterwohlfahrt, betreibt vier Häuser in Wildau und Königs Wuserhausen und ist damit vergleichsweise groß. Es gibt 480 Plätze insgesamt, die Einrichtungen sind voll belegt mit pflegebedürftigen Senioren. Dafür werden es viele Pfleger benötigt, die sind nicht erst seit gestern eine Rarität auf dem Arbeitsmarkt.

Jedes Jahr 15 bis 20 Azubis

Seit Jahren lege die Seniorenheim Wildau GmbH deshalb großen Wert auf Ausbildung, sagt Beckmann. Zwischen 15 und 20 Jugendliche fangen dort jedes Jahr die Ausbildung an, die meisten davon halten auch durch. Mehr könne man nicht ausbilden. Trotzdem sagt Andreas Beckmann: „Es reicht nicht.“ Mit den Azubis könne man gerade die natürliche Fluktuation abdecken, aber nicht die zusätzlichen Anforderungen, die von der Politik beschlossen werden.

Das neue Pflegegesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) etwa soll 13.000 zusätzliche Stellen in der Pflege schaffen, in dem der Personalschlüssel angehoben wird. Das sei auch zu begrüßen, sagt Beckmann. Als Geschäftsführer muss er damit aber entweder zusätzliches Personal einstellen oder die Kapazität verringern. „Wir brauchen ab Januar zehn bis 14 zusätzliche Pflegekräfte. Das bekomme ich nicht ohne Neueinstellungen hin, und der Markt gibt keine Fachkräfte her“, sagt Beckmann.

Fast alle leiden an Personalmangel

Ein Problem, das fast alle Heime haben. „Es gibt kaum eine Einrichtung, die nicht über Personalmangel klagt. Mit deutschen Fachkräften allein lässt sich der Bedarf nicht decken“, sagt etwa Ina Künzel-Langklotz, Chefin des „Fontanehof“-Pflegeheims in Ludwigsfelde, das zur Casa-Reha-Gruppe gehört.

Die Casa-Reha-Gruppe stellt deshalb schon länger ausländische Pflegekräfte ein, in Ludwigsfelde waren unter anderem Spanier eingesetzt. Das Deutsche Rote Kreuz, das ebenfalls mehrer Heime in der Region betreibt, setzt derzeit eher auf albanische Fachkräfte, von denen eine Hand voll in den DRK-Häusern in Mahlow und Großbeeren arbeiten.

Andreas Beckmann wird es jetzt mit Rumäninnen versuchen, und zwar gleich mit 20. Wenn, dann richtig.

Keine berufliche Perspektive in Rumänien

Vermittelt wurden ihm die Fachkräfte von Hans-Gerd Spellecken. Dessen Firma ist seit Jahren in Lateinamerika, Rumänien und Moldawien unterwegs, wo sie alle möglichen Fachkräfte für Unternehmen rekrutiert, die vor Ort investieren wollten. Dabei sei ihm aufgefallen, dass Rumänien anders als Deutschland zu viele Krankenpfleger hat, erzählt er. Diese seien gut ausgebildet, meistens hätten sie sogar studiert. Ihnen fehle aber die berufliche Perspektive in ihrer Heimat. Eine gute Ausgangsposition für eine Vermittlung, fand Spellecken.

Als EU-Bürger können Rumänen grundsätzlich auch in Deutschland arbeiten. Für einen Job in der Pflege müssen sie allerdings Deutsch auf B2-Niveau sprechen. Spelleckens Angebot: Er besorgt die Arbeitskräfte und die Deutsch-Ausbildung. Die fachliche Einarbeitung übernehmen die Pflegeheime selbst.

Andreas Beckmann überzeugte dieser Ansatz. Der Unternehmer und der Geschäftsführer klärten rasch die Modalitäten. Bereits ab der kommenden Woche sollen 20 rumänische Pflegerinnen bei der Seniorenheim Wildau GmbH anfangen und zu Altenpflegern umgeschult werden.

Gastfamilien gesucht

Am problematischsten scheint dabei die Sprache zu sein. Denn Spelleckens Konzept sieht vor, dass die Pflegekräfte in Gastfamilien wohnen. „Wir wollen nach dem Prinzip der Immersion vorgehen. Dabei drängt man die Muttersprache zugunsten der neuen Sprache zurück – aber das funktioniert nur, wenn man zwei Monate lang nur von der Sprache umgeben ist, die man lernen will“, sagt Spellecken.

Allein: Die Pflegefamilien gibt es noch nicht. Der Unternehmer hofft nun auf Familien, die kurzentschlossen etwas für die Pflegebranche tun wollen. Spellecken: „Wir suchen Leute, die ein Zimmer frei haben und Pflegekräften gegenüber eine Art Willkommenskultur zeigen.“

Bei Erfolg würde ein Großteil der Pflegekräfte auch dauerhaft in der Region bleiben und arbeiten, glaubt Spellecken. Ob das tatsächlich gelingt, muss sich zeigen. Andreas Beckmann ist verhalten optimistisch. „Es ist ein Projekt, das man realistisch einschätzen muss“, sagt er. Eine Herausforderung sei der Umgang mit Fachkräften, die die deutsche Sprache nicht hinreichend beherrschen, allemal. „Aber da ich die besten Mitarbeiter der Welt habe, werden wir das hinbekommen.“

Von Oliver Fischer

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