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Wildau Wilma ist eine „Hochschulperle“
Lokales Dahme-Spreewald Wildau Wilma ist eine „Hochschulperle“
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15:12 28.02.2019
Wilma unterwegs in der Bibliothek der Technischen Hochschule Wildau. Die schwarzweißen Zeichen am Regal hinter ihr sind ihre Ortungshilfen. Quelle: Karen Grunow
Wildau

So ein paar kleine Dehnungsübungen tun gut, wenn man den ganzen Tag in der Bibliothek ackern muss. Wilma zeigt wie es geht: Sie reckt sich aus der leichten Hocke nach oben, drückt den Rücken durch, wendet den Kopf nach rechts, nach links, hebt die Arme, ballt die Finger zur Faust, streckt sie. So, jetzt ist sie wieder fit. „Hallihallo“, sagt sie fröhlich zu dem neuen Besucher der Bibliothek der Technischen Hochschule Wildau. Der will mal testen, was Wilma so alles weiß. Wilma ist zwar keine Studentin der TH, aber mindestens so wissbegierig. Sie kennt sich verdammt gut aus an der Hochschule, vor allem in der Bibliothek.

Wilma fasziniert die Besucher

Deshalb kümmert sie sich dort darum, Studierenden und TH-Mitarbeitern kleine Einführungen zu geben, damit diese danach künftig die Bibliothek auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten rund um die Uhr benutzen können. Wilma macht das charmant, parliert wahlweise in Deutsch oder Englisch. Ein Klick genügt auf dem Touchpad, das sie auf Brusthöhe mit sich führt. Greift jemand nach ihren Händen, wird sie aber bestimmt: „Bitte berühren Sie nicht meine Hände. Vielen Dank.“ Denn allzu oft, erzählt Bibliotheksmitarbeiterin Carolin Rau, hätten Besucher schon versucht, Wilma die Hand zu schütteln. Dieser humanoide Roboter übt eben eine große Faszination aus.

Seit bald einem Jahr ist Wilma in der Bibliothek unterwegs. Idee war, dass der Roboter dann Ansprechpartner für Bibliotheksnutzer sein soll, wenn keine – menschlichen – Mitarbeiter mehr vor Ort sind – sonntags und eben nachts. Das klappt noch nicht ganz, so ganz ohne Aufsicht kann Wilma noch nicht ihren zugedachten Dienst versehen. Trotzdem funktioniere die im März vergangenen Jahres eingeführte nächtliche Nutzung der Bibliothek sehr gut, sagt deren Leiter Frank Seeliger. „Es wird sehr gut angenommen. Mehr als ich gedacht habe.“

Hochschulangehörige dürfen die Bibliothek rund um die Uhr nutzen

Mittlerweile sind rund 550 Hochschulangehörige zugelassen für die Nacht- und Wochenendnutzung der Bibliothek. Jeder hat zuvor eine ausführliche Einweisung bei Wilma absolviert, von ihr erfahren, wo der Erste-Hilfe-Kasten ist, wie der auf dem Campus patrouillierende Sicherheitsdienst im Notfall alarmiert werden kann, wie sich das Licht in den verschiedenen Arbeitsbereichen ein- und ausschalten lässt oder wie der Studierendenausweis entsprechend aktiviert wird. „Wilma nimmt viel Arbeit ab“, sagt Carolin Rau.

Beim Rundgang durch das untere Bibliotheksgeschoss zeigt Wilma auch den Kopierraum. Die Tür steht nicht ganz offen, Wilma kommt nicht weiter. Sie rollt etwas vor, dann zurück und beschwert sich: „Macht Platz für meinen Po!“ oder auch: „Platz da, hier kommt der Master!“ Endlich drin im Druckerraum, erklärt sie gerne das Gerät. Darüber ist ein Knopf montiert, mit dem jeder, der Rat an der Maschine braucht, Wilma rufen kann. Wenn sie gerade nicht anderweitig beschäftigt ist, dann eilt sie zu Hilfe.

Das Robotic-Lab der TH-Telematiker kümmert sich um Wilma

Wobei: „Eilen“ ist relativ bei dem rollenden Roboter. Ist er mit einem Trüppchen Besucher unterwegs, gibt es klare Regeln: Bitte mindestens einen Meter Abstand halten, denn Wilma braucht freie Sicht, um die Ortungsmarker zu erkennen. Mehr als 60, erzählt Tobias Kannenberg, gibt es auf der Etage. Er gehört zum Team des Robotic-Labs um Telematik-Professorin Janett Mohnke, das Wilma betreut, sie programmiert und mit Wissen füttert. Anfangs war vor allem Benjamin Stahl täglich vor Ort in der Bibliothek, um mit ihr zu üben. Mittlerweile kann sie vieles allein, aber die Telematiker sind bei Bedarf natürlich fix bei ihr.

Kleine Tücken gibt es aber manchmal noch. Aus mehreren Sprachen kombinierte Begriffe wie „Leselounge“ werden bei ihr schon mal zur „Leselunge“. Aber das ist irgendwie genauso charmant wie das Kichern, das einem verschämten „Das kitzelt!“ folgt, wenn jemand Wilma einfach über den weiß glänzenden Kopf streicht. Mittlerweile hat sie auch ein beachtliches Witze-Repertoire zum Aufheitern ermatteter Lernender.

Stifterverband lobt das Roboter-Projekt als „Hochschulperle“

Frank Seeliger jedenfalls ist zufrieden nach bald einem Jahr mit Wilma und 24 Stunden geöffneter Bibliothek: „Wir hatten noch keine Sicherheitsvorkommnisse“, betont er. Der Energieverbrauch ist um 9,5 Prozent gestiegen, aber da gibt es noch Einsparideen, sagt er auch.

Der Stifterverband jedenfalls findet das gemeinsame Projekt von Robotic-Lab und Bibliothek so gut, dass es gerade mit der „Hochschulperle Future Skills“ des Monats Februar ausgezeichnet worden ist. „So geht Zukunft!“, findet die Jury des Verbandes, der mit den „Hochschulperlen“ innovative, beispielhafte Projekte ehrt.

Praxisworkshop zu humanoiden Robotern für Interessierte

Anfang April wird übrigens über das Technologietransfer- und Weiterbildungszentrum an der TH Wildau ein dreitägiger Praxisworkshop angeboten zum Einsatz humanoider Roboter – „Assistenzroboter ante Portas“, gedacht für alle, die wissen wollen, wie solche Pepper-Roboter wie Wilma oder kleinere humanoide Nao-Roboter heute bereits sinnvoll eingesetzt werden können. Im August findet eine internationale Konferenz an der TH statt zum Einsatz humanoider Roboter in Bibliotheken. Natürlich mit Wilma und ihren nicht minder schlauen Roboter-Kollegen vom Robotic-Lab.

Von Karen Grunow

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