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Wildauer Drohne fliegt in Aschewolken

Drohnen-Spezialisten der TH Wildau Wildauer Drohne fliegt in Aschewolken

Kürzlich war das Team um Wolfgang Rüther-Kindel, Luftfahrttechnik-Professor an der Technischen Hochschule Wildau, mit selbst gebauten Renn-Drohnen erfolgreich beim Dronemasters. Das war aber eher ein zusätzliches, das Praktisch-Handwerkliche schulendes Vergnügen für die Studierenden. Denn der Schwerpunkt der Forschung liegt derzeit im Katastrophenschutz.

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David Rieck (l.) und Julius Gäde mit ihren schnellen und erfolgreichen Flugobjekten.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Als preschten Formel-Eins-Rennwagen um eine enge Kurve, beinahe so klingt es, wenn die kleinen fliegenden Flitzer durch die Lüfte sausen: Bis zu 140 km/h schnell können solche Drohnen sein, die Studierende der Luftfahrttechnik der Technischen Hochschule Wildau gebaut haben. Erfolgreich nahmen sie damit kürzlich auf der Cebit in Hannover an den „Dronemasters“ teil, Julius Gäde schaffte es sogar bis ins Halbfinale des international besetzten Drohnen-Rennens. Für ihn und die anderen Mitstreiter des TH-Teams „Blue Hornets Wildau“ ist die Arbeit mit den Renn-Drohnen ein sehr neues und zusätzliches Vergnügen zu ihrer Arbeit in den Drohnen-Forschungsprojekten der Hochschule. 2000 Zuschauer waren bei dem Drohnen-Wettstreit in Hannover dabei, sowieso erregten die Wil­dauer Drohnen-Spezialisten an den Messetagen viel Aufmerksamkeit mit ihren kleinen Flugobjekten. Was für manchen wie eine Spielerei wirken mag, erwies sich für Gäde als ideal, „um Werbung für unseren Studiengang an der Hochschule zu machen“.

Wettbewerb soll Ledienschaft für Technik wecken

Das betont auch Wolfgang Rüther-Kindel, Professor für Luftfahrttechnik an der TH. „Die Dronemasters können die Leidenschaft wecken, sich mit der Technik zu befassen.“ Zwar wurden die fünf für das Rennen angemeldeten TH-Piloten instruiert wie die sogenannten Copter gebaut werden können. Doch welche Komponenten sie letztlich auswählen, worauf bei der erforderlichen Akkuleistung geachtet werden muss, welche Propeller geeignet sind und welche Art der Steuerung, mussten die Teilnehmer selbst austüfteln. In den an der TH gebastelten Geräten sitzen Kameras. „Bis zu 600 Meter weit werden die Kamerabilder übertragen“, erklärt Konrad Oeckel, wie Gäde einer der studentischen Mitarbeiter von Wolfgang Rüther-Kindel. Über eine Videobrille und mittels Steuerelement kann der Pilot genau die Route seiner Drohne bestimmen. Das erfordert Übung. Täglich haben die TH-Piloten in den Wochen vor dem Rennen trainiert.

„Dafür braucht man Aufstiegsgenehmigungen der Grundstückseigner und eine entsprechende Versicherung“, erklärt Oeckel. Außerdem die Zustimmung der zuständigen Luftfahrtbehörde. Mit unbemannte Flugobjekte bis zu fünf Kilo Gesamtgewicht dürfen die TH-Piloten theoretisch im gesamten Land Brandenburg fliegen. „Wir entwickeln gerade eine neue Drohnenfamilie, die unter fünf Kilo bleibt“, erzählt Wolfgang Rüther-Kindel. Das ist eines der eigentlichen Forschungsprojekte von seinem Team. Ihm ist es wichtig, stets auch die Studierenden einzubinden. So wurde zum Beispiel die Drohne ATISS, das Prestigeprojekt seiner Forschungsgruppe, von Christoph Danders 2007 im Rahmen einer Bachelor-Arbeit entwickelt. Er wurde danach Laboringenieur und realisierte als Master-Thema die Flugerprobung der Drohne, ein anderer entwarf nach aufwendigen Tests die geeigneten Propeller. Das Besondere an ATISS: Der Nutzbehälter, in den spezielle Kameras und Vermessungstechnik integriert werden können, lässt sich ganz leicht vom Drohnenkörper lösen. Von der eigentlichen Drohnentechnik ist nichts in diesen Behälter integriert, sie ist auch ohne flugfähig. Das, erklärt Rüther-Kindel, sei praktisch, um schnell die Kameratechnik auswechseln zu können. Derzeit wird ATISS weiterentwickelt, um unter so extremen Bedingungen wie nach einem Vulkanausbruch Messungen durchführen zu können.

Das ATISS soll in Vulkanasche-Wolken fliegen

Das ATISS soll in Vulkanasche-Wolken fliegen

Quelle: Karen Grunow

Binnen weniger Jahre habe sich die Technik rasant entwickelt, erklärt Rüther-Kindel. „Elektromotoren sind inzwischen leistungsfähiger als Verbrennungsmotoren“, sagt er. Da Elektromotoren wie beim ATISS keinen Sauerstoff benötigen, sei dieser Motorsegler für die geplanten Flüge durch Vulkanaschewolken geeignet. In 5000 Meter Höhe sollen Testflüge stattfinden. „Ein Student ist mit seiner Master-Arbeit dabei, den ATISS höhentauglich zu machen“, so Wolfgang Rüther-Kindel, der selbst über die jugendliche Begeisterung für den Flugmodellbau zum Luft- und Raumfahrttechnik-Studium an der Technischen Universität Braunschweig kam, danach dort und an der TU Berlin und dann in der Flugzeugentwicklung bei der Stemme AG in Strausberg, mit der die TH Wildau bis heute eng kooperiert, gearbeitet hat.

Schwerpunkt Entwurf und Bau von Drohnen-Nutzlasten

Seit 2004 hat Rüther-Kindel seine Professur in Wildau inne, das Thema Drohnen integrierte er schnell, ein damals noch gekauftes Mini-Flugzeug wurde für landwirtschaftliche Messungen umgebaut. Längst gibt es entsprechende Technik, um Objekte wie den ATISS selbst zu konstruieren, einzig die elektronischen Komponenten werden nicht an der TH entwickelt. „Unser Schwerpunkt liegt im Entwurf und Bau und der Integration von Nutzlasten und Erprobung“, erklärt er. Vieles wird im Rahmen von Drittmittelprojekten realisiert, die Anfänge des derzeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten ATISS-Projektes wurden von der Hochschule selbst unterstützt.

David Rieck ist einer der sechs Studenten in Rüther-Kindels Team, auch er beschäftigt sich mit dem ATISS. Nebenbei gehört er auch zu den „Blue Hornets“, die sich beim Dronemasters den dritten Platz in der Mannschaftswertung sicherten.

Von Karen Grunow

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