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Wildauer Kirchengemeinde weiter im Streit

Zukunft des Gemeindehauses Wildauer Kirchengemeinde weiter im Streit

Eine Konfliktlösung im Streit um die Zukunft des Gemeindehauses an der Wildauer Friedenskirche ist nicht in Sicht. Eine Gemeindeversammlung brachte keine Entspannung. Der Bevollmächtigten-Ausschuss verweist auf die Erhaltungskosten und hält an der Vergabe in Erbbaupacht fest.

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Die Friedenskirche mit dem Gemeindehaus steht als Bauensemble unter Denkmalschutz. Letzteres bietet auf 350 Quadratmetern Raum für Amts- und Gemeindezimmer sowie eine Wohnung im Obergeschoss.

Quelle: Uta Schmidt

Wildau. Die Erwartungen waren hoch am Sonntag in der Wildauer Friedenskirche. Der Bevollmächtigten-Ausschuss, der seit mehreren Monaten die Arbeit des Gemeindekirchenrates fortführt, hatte nach dem Gottesdienst zu einer Versammlung eingeladen. Neben den Berichten über die Arbeit in der Kirchengemeinde und deren Finanzsituation erhofften sich die Zuhörer mehr Informationen über die Zukunft des Pfarr- und Gemeindehauses. Nach einem Beschluss aus dem Jahre 2015 soll das aus Kostengründen im Erbbaurecht an einen Interessenten veräußert werden (MAZ berichtete).

Ein Thema, das nicht nur die Wildauer Christen umtreibt. „Ich wohne seit fast 60 Jahren in der Stadt und habe Veranstaltungen im Gemeindehaus miterlebt. Ich möchte mehr darüber erfahren, warum das jetzt zum Streitobjekt geworden ist“, sagte Waltraud Krzyzan. Eine Kommune mit 10 000 Einwohnern könne eine solche Einrichtung gut gebrauchen. Auch Rolf Hoffman zog es am Sonn- und Feiertagmittag als Zuhörer in die Versammlung. „Für mich hat der Streit schon bizarre Züge angenommen. Ich vermisse tragfähige Konzepte von allen Seiten. Für mich gehören aber Kirche und Pfarrhaus unbedingt zusammen“, so der Wildauer. Es wäre schade, wenn es veräußert würde.

Gemeindemitglieder müssten Unterhaltung schultern

Dass die Spielräume für dessen Erhaltung eng – wenn nicht unmöglich – sind, begründete Verena Zühlke vom Bevollmächtigten-Ausschuss und schilderte detailliert die klamme Finanzsituation der Kirchengemeinde. Die 876 Mitglieder müssten neben der Finanzierung der Gemeindearbeit auch die Unterhaltung und Sanierung der beiden Gebäude schultern. Der Finanzbedarf für das Gemeindehaus sei schon 2010 mit 350 000 Euro beziffert worden, so Zühlke. Bei einer Kreditaufnahme stehen monatliche Belastungen in Höhe von 2338 Euro an, die durch Mieteinnahmen gedeckt werden müssten. „Außerdem sind wir nach dem Haushaltsrecht verpflichtet, 22 000 Euro pro Jahr an Rücklagen zu bilden“. Zühlke rechnete vor, dass durch die Vergabe des Gebäudes in Erbbaupacht 6615 Euro Zinsen zufließen könnten. Als Ersatz sei ein Neubau mit Gemeinderaum, Küche, Büro und Sanitärräumen auf 150 Quadratmetern denkbar. Alternativ könnte man das unter Bestands- und Denkmalschutz stehende Gebäude laut Gemeindemitglied Mark Scheiner aber auch schrittweise sanieren, um Kosten zu sparen.

Vertreter der Kirchengemeinde und des Fördervereins für den Erhalt des evangelischen Pfarr- und Gemeindehauses setzten sich vehement für die Nutzung der Pfarrwohnung im Obergeschoss und die Vermietung von Räumen auf 350 Quadratmetern im Erdgeschoss ein, womit die Sanierungs- und Betriebskosten gedeckt werden könnten. Der noch bis Dezember im Amt befindliche Bevollmächtigten-Ausschuss forderte den Förderverein auf, bis Ende Mai ein belastbares Finanzkonzept vorzustellen. „Wir wollen uns engagieren, um das Haus zu erhalten“, so Mark Scheiner. 1185 Unterzeichner haben sich bisher auf einer Liste für den Erhalt des Wildauer Pfarrhauses für die Gemeindearbeit eingesetzt. Ziel ist die Erhaltung als „offenes Gebäude“ für die Kirchengemeinde sowie die Bürger der Stadt Wildau und die benachbarten Orte.

Dreistündige Debatte ohne Ergebnis

Der erste Schritt in diese Richtung wurde im August 2015 getan, als Räume im Erdgeschoss an die Trainerin Jacqueline Neuendorf vermietet wurden. Sie bietet seitdem unter dem Motto „Fit im alten Pfarrhaus“ Sport- und Tanzkurse für Kinder und Erwachsene an. Jetzt wurde ihr überraschend die Kündigung ihres Mietvertrages angekündigt. „Ich habe aber bereits mehr als 5000 Euro investiert. Das hätte ich mir gespart, wenn ich von Anfang an gewusst hätte, dass ich den Raum nur für eine kurze Zeit nutzen kann“, sagte sie. Durch die Dauerdebatte um das Haus würden inzwischen auch die Teilnehmer wegbleiben.

Manfred Schaebbicke, der Vorsitzende des Bevollmächtigten-Ausschusses, sah dennoch keine Möglichkeit, den bereits gefassten Beschluss zur geplanten Veräußerung des Gebäudes wieder zurückzuziehen. Mitglieder der Kirchengemeinde hatten bereits zu Versammlungsbeginn die Einsetzung des Gremiums angezweifelt und juristische Schritte erwogen.

Nach dreistündiger emotional geführter Debatte im Gotteshaus scheint die Kirchengemeinde der Konfliktlösung keinen wichtigen Schritt näher zu sein.

Von Uta Schmidt

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