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Dahme-Spreewald Wildauer Start-up trainiert das Lesen
Lokales Dahme-Spreewald Wildauer Start-up trainiert das Lesen
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00:18 03.04.2016
Emoree-Mitbegründerin Maja Knezovic (r.) wertet den Lesetest von Inessa Motz aus. Quelle: Melanie Höhn
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Wildau

Wie hypnotisiert verfolgen Inessa Motz und ich den winzigen Punkt, der wie ein kleiner Floh über den Bildschirm des Laptops flattert und Zeile um Zeile des Textes „Vom Kriege“ von Carl von Clausewitz einfängt. Ich kann es kaum glauben, wie schnell sich die Augen der Schüler des Kopernikus-Gymnasiums in Blankenfelde-Mahlow, Beta-Tester des Start-ups Emoree, durch dieses komplizierte Werk kämpften: 660 Wörter pro Minute schafften sie.

Emoree-Mitbegründerin Maja Knezovic zeigt mir damit die Lese-Durchschnittsgeschwindigkeit der Elftklässler, nachdem sie das erst Ende März auf den Markt gebrachte Programm durchlaufen haben. Die Schüler erlernten Techniken zum schnelleren Lesen, besseren Verständnis von Texten und steigerten ihre Merkfähigkeit. Innerhalb mehrerer Wochen absolvierten sie zehn Module, 23 Übungen und acht Tests, danach konnten sie 75 Prozent der Fragen über den Text richtig beantworten und erinnerten sich gut an Zusammenhänge und Details.

Man muss für Veränderungen bereit sein

Heute will ich den Status Quo meiner Lesekompetenz ermitteln: Schaffe ich die 75 Prozent auch ohne das Trainingsprogramm von Emoree? Oder sind meine Lesegeschwindigkeit und Merkfähigkeit auch verbesserungsbedürftig? Ich ahne nichts Gutes, als ich auf die Schrift aus dem Jahr 1832 schiele.

Neue Lesetechniken entdecken

Die Gründer von Emoree, Maja Knezovic und Klaus Gruchmann, wollten einen fairen Service entwickeln, mit dem das Leseverhalten verbessert werden kann. Mitte 2014 setzten sie ihre Idee dann in die Tat um. Mitbegründer Anwesh Kotta kümmert sich um die Programmierung.

Fast 40 Prozent der Deutschen lesen mehr als zweieinhalb Stunden pro Tag. Das sind pro Monat 75 Stunden, umgerechnet also mehr als drei Tage.

Über eine Online-Plattform, die von Trainern betreut wird, kann jeder lernen, effizienter zu lesen und die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Und das mit dem Programm quasi im eigenen Wohnzimmer.

Auf der mobilen

Plattform unter www.emoree.de kann man sich für die Online-Seminare anmelden. Module können individuell gestartet und gestoppt werden, man kann außerdem den Lernfortschritt beobachten.

Das Start-up Emoree wird mit dem Exist-Gründerstipendium der TH Wildau finanziert. Damit werden Studierende, Absolventen und Wissenschaftler aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt, die ihre Gründungsidee realisieren und einen Businessplan umsetzen möchten.

Bevor ich an der Reihe bin, kämpfen sich drei Hochschulmitarbeiterinnen durch den Text. Alle sind sich nach den zehn Minuten einig, dass sie ihr Leseverhalten verändern wollen. „Ich denke, wenn ich regelmäßig übe, werde ich besser. Man muss dafür aber bereit sein“, sagt die 35-jährige Katja Wenger, die sich am Feldversuch beteiligt hat. Ich stimme ihr zu und hake innerlich ein gutes Ergebnis schon ab. „Lies ihn so, wie du normalerweise Texte liest“, ermuntert mich Maja Knezovic.

Osamas Stirnfalten graben sich immer mehr ein

Zehn Minuten habe ich Zeit für die acht Buchseiten, dann muss ich Maja Knezovic die Stelle im Text zeigen, bis zu der ich gekommen bin. Notizen sind nicht erlaubt. Meine Augen umkreisen schon die erste Überschrift „Mögliche Gefechte sind der Folgen wegen als wirkliche zu betrachten“, und ich versuche, mich darauf einzustellen, was nun kommen wird.

Links neben mir sitzt Osama Alamodi, 25 Jahre alt und Maschinenbau-Student. Nach einer Minute schauen wir uns ungläubig an. Aufgeben? Auf keinen Fall. Osama erzählt mir später, dass er kein Muttersprachler ist und für ihn der Text noch eine größere Hürde war als für mich. Während des Lesens graben sich seine Stirnfalten immer mehr ein, auch ich bemerke eine leichte Unruhe in mir. Der Nebenraum der Bibliothek der TH Wildau fühlt sich noch kleiner an.

Mein Kopf versucht, Details in Erinnerung zu rufen

Nach sieben Minuten wird es nicht besser. Elf Zeilen lange Sätze und Wortgruppen wie „die moralischen Hauptpotenzen“ oder „die Winkel der Operationslinien“ sind die harte Realität und machen das Lesen zu einer Qual. Bis zum Ende des Textes schaffe ich es nicht, doch es fehlt nicht mehr viel.

Als ich die Blätter weglege und bereit bin für die kommenden Aufgaben, versucht mein Kopf, alles zu verarbeiten und ich möchte mich krampfhaft an Details erinnern. Doch es klappt nicht. Alles verschwimmt zu einer großen Masse und ich frage mich, was genau ich eigentlich gelesen habe. Ich bin froh, dass ich mich etwa entsinne, dass Napoleon Bonaparte 1814 die Hauptstadt Paris eingenommen hat.

Sakkaden müssen verkürzt werden

Bei der Auswertung meines Tests erklärt mir Maja Knezovic, dass ich 193 Wörter pro Minute geschafft habe, meine Merkfähigkeit beträgt 30 Prozent. Im ersten Moment bin ich enttäuscht, doch der Durchschnitt der 94 Getesteten an diesem Tag lag bei 21 Prozent.

„Es ist ein Fachbuch und Altdeutsch. Natürlich fällt das Lesen bei einem solch abstrakten Text nicht leicht“, sagt Maja Knezovic. Um Bücher schneller erfassen zu können und trotzdem die Merkfähigkeit zu verbessern, sollten die Sakkaden, also die Wortgruppen, die das Auge beim Lesen einfängt, verkürzt werden, erklärt sie. Durch lange Sakkaden mache das Gehirn Pausen und schweife schneller ab vom Text. Das werde ich demnächst noch einmal ausprobieren.

Von Melanie Höhn

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