Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Wildauer Studenten entwickeln kluge Heizung

20 Prozent Energieersparnis Wildauer Studenten entwickeln kluge Heizung

Studenten der Hochschule Wildau haben eine intelligente Heizung entwickelt. Sie merkt sich den Alltag ihrer Nutzer und erstellt Heizprofile: Ist die Wohnung leer, wird die Temperatur runtergefahren. Kommt jemand nach Hause, springt die Heizung an. So können 20 Prozent an Energiekosten gespart werden.

Voriger Artikel
Bahnhofseröffnung in Wildau verzögert sich
Nächster Artikel
Erst das Auto, dann der Kleiderschrank

Seit wenigen Tagen werden an dieser neuen Fertigungslinie im Mittenwalder Werk von Kieback & Peter die gemeinsam mit der Wildauer Hochschule entwickelten Raumsensoren und Thermostate gefertigt.

Quelle: Asbach

Wildau. Selbst die Hartgesottensten dürften jetzt Anfang November ihre Heizung angeschaltet haben. Damit beginnt in vielen Haushalten zugleich das Nachdenken darüber, was die Heizperiode wohl diesmal kosten wird? Eines ist klar: Billiger wird es nicht! Oder vielleicht doch?

Diese Meckertaste kann man immer dann drücken, wenn es sofort wieder warm werden soll.

Quelle: Franziska Mohr

Die Möglichkeit dazu eröffnet eine bis zur Markteinführung Ende Oktober von Telematikern der Wildauer Hochschule gemeinsam mit dem Mittenwalder Unternehmen Kieback & Peter entwickelte Steuerung für Heizungen, die den Namen en:key (Energieschlüssel) trägt. Dieses System erkennt wie von Geisterhand gesteuert selbstständig, ob Räume tatsächlich benutzt und damit auch geheizt werden müssen. Bereits auf der Cebit in Hannover sowie der Funkausstellung in Berlin wurde die Steuerung vorgestellt.

Ein einjähriger bundesweiter Feldtest mit 1000 Systemen in Potsdam, Hennigsdorf, Solingen, Hamburg und auch zwölf Wohnungen in der Wildauer Teichstraße ergab, dass mit dieser „Intelligenz-Heizung“ mindestens 20 Prozent Heizenergie eingespart werden. Das entlastet Geldbeutel und Umwelt.

Die Idee dafür kam der Wildauer Telematik-Professorin Birgit Wilkes vor mehr als zwei Jahren, nachdem sie 2010 im Auftrag des Mieterbundes eine Studie zu „Intelligenten Heizungs-Regelungssystemen“ erarbeitet hatte. Das Fazit war ernüchternd: Fast 90 Prozent der beteiligten Mieter kamen damit nicht zurecht oder trauten sich erst gar nicht an die Heiztechnik heran. „Benötigt wurde also ein System, das sich selbst steuert“, sagt Wilkes.

Über das Potsdamer Netzwerk Mobcom fand sich mit Kieback & Peter, einem 1927 in Berlin gegründeten führenden Anbieter im Heizungs- und Lüftungsbereich, schnell ein Unternehmen, das sich für diese Idee begeisterte. Im Unterschied zu en:key müssen die bisher am Markt erhältlichen Systeme vom Bewohner selbst programmiert werden. Er muss eingeben, wann der Raum warm sein soll und wann nicht. Das von Wilkes, den Master-Studenten Dennis Dornbusch und Gregor Molwitz sowie den Experten von Kieback & Peter entwickelte System ist hingegen selbstlernend und kommt komplett ohne Eingriffe der Bewohner aus. Letzterer muss nur seine Wohlfühl-Temperatur angeben, alles andere übernimmt die Technik. Und das Schönste daran: Benötigt werden nur ein Raumsensor und ein spezielles Thermostat. Letzteres kann jeder Laie problemlos an seinen Heizkörper anschrauben, ohne komplizierte Montage und ohne die Hilfe eines Heizungsmonteurs.

Der Raumsensor mit Bewegungsmelder – etwas größer als ein Smartphone – „merkt“ sich, zu welchen Zeiten jemand da ist und geheizt werden muss oder wann die Temperatur abgesenkt werden kann. Per Funk steuert der Sensor das Ventil am Heizkörper, das von einem eingebauten Motor verstellt wird und die Temperatur um maximal vier Grad Celsius reduziert. „Das ist energieoptimal und verhindert Schimmel in Wohnräumen“, sagt Wilkes.

Nach drei Wochen ist ein Profil für das Heizungssystem für jeden Wochentag erstellt. En:key „weiß“ dann, dass der Bewohner donnerstags im Unterschied zu allen anderen Tagen erst um 20 Uhr nach Hause kommt. Daher stellt es die Heizung erst um 19.15 Uhr an, sodass es bei der Heimkehr schon angenehm warm ist. Bewegt sich drei Tage nichts im Raum, erkennt das System: Aha, der Bewohner hat Urlaub, die Wohlfühltemperatur wird kontinuierlich abgesenkt. Hat der Mieter frei oder ist krank, bietet der Raumsensor als einzige Taste noch den Meckerknopf. Wird er gedrückt, wird sofort zwei Stunden lang aufgeheizt. „Allerdings“, so Wilkes, „würde das System die Abweichung vom Heizprofil – die Anwesenheit des Bewohners – nach spätestens 30 Minuten ohnehin erkennen.“

Die „Intelligenz-Heizung“ kommt über Solarmodule beziehungsweise durch das Ausnutzen von Temperaturunterschieden ohne Batterien aus. Kein Nachladen ist erforderlich, der Mieter muss sich um nichts kümmern. Selbst mit Haustieren wurde das System getestet. „Anfangs glaubten wir, dass es Hunde oder Katzen stören würden. Aber sie bilden kein Problem, weil sie bei Abwesenheit ihrer Herrchen Ruhephasen einlegen. Kritisch sind nur frei fliegende Vögel“, sagt Wilkes. Auch den Knackpunkt Schichtarbeit lösten die Telematiker. Hier passt sich en:key an. Geeignet ist das System auch für große Wohnräume in Eigenheimen, weil ein Sensor bis zu vier Thermostate steuern kann.

Die ersten Endgeräte dieses vom Land Brandenburg geförderten Projektes sind bereits ausgeliefert worden. Zur Markteinführung wurden in Mittenwalde nach Angaben von Uwe Asbach, Leiter Geschäftsfeld Wohnungswirtschaft bei Kieback & Peter, vier neue Mitarbeiter eingestellt. Sollte sich der Absatz für en:key wie erwartet entwickeln, werde auf Mehrschichtbetrieb mit weiteren Mitarbeitern umgestellt. Der Preis für ein Raumset mit Raumsensor und Thermos-tat liegt in dem im Oktober eröffneten Online-Shop für Privatpersonen unter 250 Euro.

Von Franziska Mohr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg