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Wildauer Verein betreut straffällige Jugendliche

Projekt „(Be)Denkzeit“ Wildauer Verein betreut straffällige Jugendliche

Neben der allgemeinen Jugendarbeit kümmert sich der Wildauer Verein KJV auch um straffällig gewordene Jugendliche. Für das Projekt „(Be)Denkzeit“ sind die Sozialarbeiter Anja Pokorný und Florian Fliegel im Einsatz. 15 jungen Männern haben sie mit ihrer Arbeit bereits geholfen.

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Anja Pokorný und Florian Fliegel sind die beiden Sozialarbeiter des Projektes „(Be)Denkzeit“.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Seit gut einem Jahr sind Anja Pokorný und Florian Fliegel als Sozialarbeiter für das Jugend-Projekt „(Be)Denkzeit“ des Wildauer Vereins KJV in der Region im Einsatz. Sie kümmern sich um straffällig gewordene Jugendliche, denen die Unterstützung durch die beiden Fachleute gerichtlich auferlegt wurde oder die im Vorfeld eines Prozesses selbst Hilfe suchen. „Die Jugendlichen müssen die Motivation entwickeln, sich einzubringen“, sagt Pokorný. Für gewöhnlich gelinge es auch, sie zu motivieren.

15 junge Männer im Alter von 15 bis 20 Jahren haben die beiden bislang betreut. „Das ist schon ein sehr intensives Eingreifen in das Leben der Jugendlichen“, erzählt sie. Werden die jungen Leute als Einzelfall betreut, dann werden sie in ihrem Alltag begleitet, aber auch Zuhause, in der Schule und mal ins Jobcenter. „Das ist für viele eine große Hilfe, die auch angenommen wird“, sagt Florian Fliegel. Strafaufarbeitung, Zukunftsperspektiven, aber auch Gewalt, Drogenproblematik, Schwierigkeiten im häuslichen Umfeld – das sind die Themen, mit denen beide konfrontiert werden.

Richterin unterstützt das Projekt

Pokorný ist auch ehrenamtlich Schöffin am Jugendgericht. Mit ihrer Erfahrung aus der mobilen Jugendarbeit beim KJV und am Gericht entwickelte sie das Konzept für das vom Landkreis finanzierte Projekt. Vor allem aber setzte sich die zuständige Richterin am Amtsgericht in Wildau dafür ein, dass es so etwas wie „(Be)Denkzeit“ gibt. Bis 2013 gab es in der Region ein anderes, aus EU-Mitteln gefördertes Projekt, dessen Ende eine spürbare Lücke hinterließ. Der Bedarf war da. Trotzdem: Nicht alle Richter sind von diesem Weg überzeugt, manche bevorzugen, den Jugendlichen Arbeitsstunden aufzubrummen oder verhängen Arrest. „Unser Projekt ist nachhaltig. Es ist eine pädagogische Begleitung“, sagt Frank Vulpius, der Geschäftsführer des Vereins KJV.

Vor allem im nördlichen Teil des Landkreises sind Pokorný und Fliegel unterwegs. Manchmal wird den Jugendlichen gerichtlich auch ein Gruppentraining verordnet. Einmal fand so etwas bislang statt, maximal acht Jugendliche erhalten dann ein soziales Kompetenztraining mit gemeinsamer Fahrt zum Kennenlernen.

Intensive Betreuung dauert ein halbes Jahr

„Zu uns kommen für gewöhnlich keine Ersttäter“, erzählt Anja Pokorný. Ein halbes Jahr dauert die intensive Einzelfallbetreuung für gewöhnlich. Wer weiterhin Hilfe möchte, bekommt auch die. Im Herbst bat eine Familie mit zwei Heranwachsenden darum, es drohte Wohnungslosigkeit, die Familie hatte Schulden. Ein Jugendlicher aus dem südlichen Teil des Kreises hat sich freiwillig für einen Trainingskurs gemeldet. So lässt sich am Ende auch eine drohende Strafe mildern.

Nicht jeder lässt sich jedoch auffangen. Die beiden Sozialarbeiter, die jeweils mit einer halben Stelle für das Projekt eingesetzt sind, überlegen, was Erfolge für sie sind. Es seien oft punktuelle Sachen, kleine Erfolge. Die Jugendlichen, sagt Pokorný, leben eben oft schon lange in ihrem eigenen System, da ist ein halbes Jahr Training ein vergleichsweise kurzer Zeitraum. Aber die Sozialarbeiter erleben es, dass jemand eine Ausbildung beginnt, auch dadurch einen festen, strukturierten Tagesablauf findet. „Die Wiederholung und die verlässliche Beziehung sind wichtig“, betont sie. Und: „Dass die Jugendlichen feststellen, dass da jemand ist, bei dem ich auch scheitern darf und der mich dann nicht fallen lässt.“ Auch das gerichtliche Verfahren selbst hinterlasse oft starke Eindrücke bei den Delinquenten. „Sie haben fast durchgängig schwierige Biografien“, wissen die beiden aus ihren Erfahrungen.

Schon an Grundschulen könnte man ansetzen

Oft zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten schon sehr früh. Noch aber ist es eher selten, dass es schon an Grundschulen zusätzlich zu den Klassenlehrern als Ansprechpartner auch einen Sozialarbeiter gibt. „Da würden wir ganz viel schon präventiv machen können“, sagt Frank Vulpius. An der Wildauer Grundschule gibt es seit Februar 2014 eine entsprechende Stelle, der damalige Direktor setzte sich dafür ein, die Stadt erkannte den Bedarf. Sozialarbeit an Grundschulen müssen derzeit noch die Kommunen selbst finanzieren. An Oberschulen dagegen springt der Landkreis ein.

An der Wildauer Grundschule ist die Nachfrage jedenfalls sehr groß. „Der Erfolg ist einfach, da man die Kinder so früh trifft“, sagt Vulpius. Wieder ist sein Stichwort die Nachhaltigkeit. Das gilt hier genauso wie bei dem besonderen Projekt mit den straffällig gewordenen Jugendlichen.

Von Karen Grunow

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