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Wildaus Feuerwehr-Chef Olaf Zdrankowski geht in Rente

Mit einem Krach im Rathaus fing alles an Wildaus Feuerwehr-Chef Olaf Zdrankowski geht in Rente

Olaf Zdrankowski über seine Zeit als Wildauer Feuerwehr-Chef und seinen Abschied in den Ruhestand

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22 Jahre lang streifte sich Olaf Zdrankowski die Einsatzkleidung über.

Quelle: Franziska Mohr

MAZ: Sie sind seit 22 Jahren Gemeinde-, pardon, jetzt Stadtbrandmeister. Mal ehrlich, ist Ihnen da nicht ein bisschen flau im Magen, wenn Sie an heute Abend denken?
 Olaf Zdrankowski: Nein. Ich bin 65 Jahre alt. Da muss Schluss sein. Ich bin mir sicher, dass die Wehrführung in Wildau auch künftig in guten Händen liegt. Schließlich bleibt sie mit meinem Schwiegersohn Rene Sperling in der Familie. Da mache ich mir keine Sorgen.

Sie sind gerade vom Hochwasser-Einsatz in Mühlberg zurück. Bekommt man auch da wieder einen anderen Blick für das Wesentliche im Leben?
 Zdrankowski: Das kann man wohl sagen. Zugleich hat mich aber ungeheuer gefreut, welche Hilfsbereitschaft und Kameradschaft ich dort spürte. Und das längst nicht nur bei den offiziell Abkommandierten. Hier haben wildfremde junge Menschen zugepackt, was das Zeug hält. Hut ab! Sie organisierten sich blitzschnell über das Netz. Das macht mir altem Knochen Mut für die Zukunft.
 
 Sie sind schon so lange dabei, dass man sich gar nicht traut zu fragen, wie Sie zur Feuerwehr gekommen sind?
 Zdrankowski: Das ist wirklich schon ewig her – 30 Jahre, eine ganze Generation. Damals hat mich die Wildauer Wehrleiterin Edda Behrends gefragt, ob ich nicht bei der Feuerwehr mitmachen will. Mit dem Dachdecker Ulrich Böhm und dem Glasermeister Jürgen Bolduan waren wir zu Dritt im Bunde. Wir schauten uns die Übungsstunden am Donnerstagabend an und blieben dabei. An diesem Wochentag sind sie übrigens jetzt noch. Beruflich arbeitete ich in der Drogerie meiner Frau in der Birkenallee.
 
 Damals bestand noch eine Betriebsfeuerwehr im Schwermaschinenbau. Hatten Sie mit den dortigen Kameraden viel zu tun?
 Zdrankowski: Da gab es kaum Kontakte. Ohnehin rückte die Freiwillige Feuerwehr Wildau damals jährlich nur etwa fünf bis sechsmal aus. Mehr nicht. Eigentlich waren wir nur die Handlanger der hauptamtlichen Feuerwehrleute in Königs Wustehausen. Umgezogen haben wir uns übrigens in zwei alten Garagen, die auf dem Gelände des heutigen Technologiezentrums unweit vom jetzigen Eingang zu den Schmiedewerken standen. Sie waren unbeheizt, so dass die Klamotten im Winter schimmelten. Die Zustände waren so unhaltbar, dass die Gemeinde kurz vor der Wende ein neues Gerätehaus neben dem heutigen Sitz der Wohnungsbaugesellschaft in der Friedrich-Engels-Straße bauen ließ. Es wurde noch im Frühjahr 1989 eröffnet.
 
 Und wie ging es nach der Wende weiter? Bürgermeister Gerd Richter soll anfangs mit der Feuerwehr überhaupt nichts im Sinn gehabt haben. Stimmt das?
 Zdrankowski: Mein Freund Gerd Richter möge es mir verzeihen, aber es war tatsächlich so. Bis Reinhard Albrecht, Detlef Adam, Jürgen Bolduan und ich den Kanal voll hatten. Wir sind ins Rathaus gezogen und haben ihm unsere Feuerwehr-Ausweise mit dem Kommentar „Dann machen Sie sich gefälligst Ihren Mist alleine!“ auf den Schreibtisch gedonnert. Fortan hatte er begriffen, dass das eine Pflichtaufgabe der Kommune ist. Wann immer er konnte, ließ er sich am Donnerstagabend bei uns sehen. Wir konnten uns nie wieder beklagen.
 
 Wie war das eigentlich mit der Übernahme der Feuerwache vom Werk?
 Zdrankowski: Die Gemeinde sollte auch alle hauptberuflichen Feuerwehrleute vom Werk übernehmen. Das aber lehnten wir ab. Die Kommune kaufte nur ihr ehemaliges, fast 100 Jahre altes Domizil an der Witthöftstraße. Die Abgeordneten ernannten mich zum Gemeindebrandmeister.
 
 In all den Jahren – was war der schönste Moment?
 Zdrankowski: Da muss ich nicht überlegen. Als wir 2010 die neue Feuerwache eröffneten, war ich der glücklichste Mensch unter dieser Sonne. All die Mühe, all die Absprachen zwischen den Kameraden, der Gemeinde, den Architekten und den Bauleuten hatten sich gelohnt. Hier war etwas entstanden, das für alle greifbar war. Endlich gab es auch Räume für die Kinder- und Jugendfeuerwehr, die wir bisher aus Platzgründen sträflich vernachlässigt hatten. Jetzt haben wir 25 Mädchen und Jungen in der Kids- und über 30 in der Jugendfeuerwehr. Schon das allein hat den Neubau gelohnt.
 
 Aber leider gehören zum Leben eines Feuerwehrmanns nicht nur schöne Stunden. Was waren die Schwersten?
 Zdrankowski: Das Busunglück 2010 in Schönefeld, bei dem 14 Menschen starben. Als einer der Ersten vor Ort kümmerten wir uns um die Verletzten. Die Toten lagen auf der Straße. Oft denkt man als alter Feuerwehrmann man habe schon alles erlebt, aber dieses Unglück übertraf alles. Schlimm war aber auch, als Heiligabend ein Jugendlicher von einem Zug überrollt wurde.
 
 Sie haben in Ihrer Freizeit schon unendlich viele Brände gelöscht, Menschen geholfen. Sagte da eigentlich außer Bürgermeistern oder Landräten schon mal jemand Danke?
 Zdrankowski: Für viele ist das alles selbstverständlich. Ich kann mich nur an einen Bürger aus Eichwalde erinnern, bei dem Silvester eine Rakete ins Haus geflogen war. Da rückten wir mit der Drehleiter an. Er kam am nächsten Tag mit einem Präsentkorb und bedankte sich, dass wir ihm sein Haus gerettet haben. Das kommt aber sehr selten vor. Maßlos geärgert habe ich mich, dass die Gemeinde beim Großbrand in der Schwermechanik sogar noch das Löschwasser von über 1100 Euro bezahlen musste. Da stehen einem die Haare zu Berge.
 
 Und jetzt, geben Sie tatsächlich die Schlüssel für das Gerätehaus ab?
 Zdrankowski: Glücklicherweise nicht. Ich erledige künftig auf 450- Euro-Basis noch den Schriftkram der Feuerwehr. Meine in all den Jahren sehr lieb gewordenen Kameraden bleiben mir also erhalten. Vorausgesetzt, ich bleibe gesund. (Interview: Franziska Mohr)

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