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Willkommen im Pink State

Aquamediale 11 Willkommen im Pink State

Die Aquamediale 11 ist im Fluss. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Der dänische Künstler Marco Evarissti hat nicht nur das Wasser des Springbrunnens auf dem Lübbener Marktplatz eingefärbt, jetzt steht seine Installation „The Pink Wall Memorial“ am Schloss. Und das hat er in einer ganz bestimmten Farbe getan – Kunst eben.

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Künstler Marco Evaristti bei der Arbeit am „Pink Wall Memorial“ in Lübben.

Quelle: Hoberg

Lübben. Sein erstes Projekt auf der Aquamediale war schon ein echter Evaristti: Auf dem Marktplatz von Lübben sprudelt das Brunnenwasser seit einiger Zeit pink. Gut möglich, dass einige Passanten einen Marketing-Gag der Stadt wittern. Für Evaristti aber ist das keineswegs ein Witz. Für ihn ist das Kunst. Er färbt in jüngster Zeit alles pink. Er hat Pink zur Staatsfarbe erklärt.

Ein Newtopia in der realen Welt

Marco Evaristti, dänischer Künstler mit chilenischen Wurzeln, gilt in der Kunstszene als Enfant Terrible, seit er vor einigen Jahren mit seiner Installation „Helena“ Ausstellungsbesucher und Tierschützer in Kopenhagen und Wien verschreckte. Damals ließ er Goldfische in zehn Standmixern schwimmen und forderte die Besucher auf, die Mixer einzuschalten. Zumindest einer tat es wirklich. In Wien handelte er sich damit sogar eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein – obwohl Tierschützer die Installation dort zerstört und die Goldfische mitgenommen hatten. Abseits davon hat Evaristti aber vor allem mit Farben Schlagzeilen gemacht – meistens war es rot, oder eben pink. In Grönland färbte er 2004 die Spitze eines Eisberges mit 3000 Litern Farbe blutrot. In der Schweiz bedeckte er die Spitze des Mont Blanc 2008 mit rotem Stoff. In Island sorgte er jüngst für öffentliches Ärgernis, als er ohne Genehmigung der Grundstückseigentümer pinkfarbene Obstfarbe in den Geysir „Strokkur“ kippte, der anschließend einige Stunden lang pinkfarbene Fontänen spie.

Das alles gehört zu seinem Projekt „Pink State“ – eine utopische Staatsgründung mit eigener Verfassung und Unabhängigkeitserklärung – mit der er jetzt auch, dank des Springbrunnens, auf der Aquamediale Frieden, Gerechtigkeit, Liebe und Brüderlichkeit proklamiert, wie er sagt. Nach der Einfärbung des Brunnens hat Evaristti in der vergangenen Woche seine zweite Aquamediale-Aktion umgesetzt. Am Schlossparkplatz erinnert er mit seinem „Pink Wall Memorial“ an ein dramatisches Kapitel in der Geschichte dieses Ortes.

In der Ziegelwand sind noch Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen – das beeindruckte den Künstler bei seinem ersten Stadtrundgang im Februar dermaßen, dass er die Löcher in seine „Pink State“-Installation einband. Bei den Kampfhandlungen am Kriegsende wurden in der Stadt viele Menschen getötet. Evaristti hat jetzt an der Wand und auf dem Marktplatz Schilder mit kurzen Texten zur Erläuterung angebracht. Er markiere und verwandele damit die in der Gegenwart wenig beachtete Wand in ein blühendes Erinnerungszeichen und mache sie durch diese Metamorphose sichtbar, erklärt die Aquamediale-Kuratorin Petra Schröck. Auch der dritte Teil der Arbeit des international tätigen Künstlers ist in Vorbereitung. Die Wolle der Schafe, die auf der Liebesinsel weiden, wird pink eingefärbt. Die Kuratorin versichert, dass es sich um Lebensmittelfarbe handelt, die sich wieder auswäscht. Auch diese Aktion gehört zu seinem Pink State, der laut Evaristti für drei Grundgedanken steht: gut sein zu sich selbst, gut zu anderen und zur Natur. Mit Spontanität ist auch bei diesem Projekt wieder zu rechnen. Die Blumen und anderen Objektteile für die Wandgestaltung hatte Evaristti beispielsweise in einem Lübbener Baumarkt kurz vorher gekauft.

Marco Evarissti arbeitet inzwischen an einem weiteren großen Projekt. Er ist an der Inszenierung der Oper „Rienzi“ von Richard Wagner in Kopenhagen beteiligt. Die soll im April 2016 aufgeführt werden. Als Aufführungsort werde auch ein Pavillon im Kopenhagener Tivoli in Betracht gezogen, so Evaristti.

Von Ingrid Hoberg

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