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Windräder sorgen für Ärger

Protest in Uckley Windräder sorgen für Ärger

Viele Bürger in Wernsdorf und Uckley sind wütend, fühlen sich von Windkraftlobby und Politik ausgetrickst. Der Grund: Die Lkw für den Bau von zehn Windkraftanlagen im dortigen Waldgebiet rollen bereits, aber die Genehmigungsunterlagen für dieses heftig umstrittene Projekt sind noch immer nicht veröffentlicht. Über 100 Bedenken wurden dagegen im Sommer vorgebracht.

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Breite Schneisen werden für den Bau der zehn, jeweils fast 200 Meter hohen Windräder in das Waldgebiet in Uckley geschlagen.

Quelle: Karin Schwitalla

Uckley. Bei vielen Bürgern in Uckley und Wernsdorf herrscht blankes Entsetzen. „Ohnmächtig müssen wir zuschauen, wie das Unternehmen Abo Wind riesige Schneisen in den Wald schlagen lässt und mit großen Maschinen und Lkw die herrliche, über Jahrhunderte gewachsene Flora und Fauna zerstört“, erklärt die Uckleyerin Karin Schwitalla. „Wir fühlen uns von der Windkraftlobby und der Politik betrogen, getäuscht und ausgetrickst“, stellt Joachim Schulz von der Bürgerinitiative Wernsdorf erbost fest.

Was ist geschehen? Trotz fast 150 Einwendungen von Bürgern und Verbänden hat das Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) am 22. Januar für dieses insgesamt etwa 450 Hektar umfassende Areal den Bau von zehn der ehemals 13 beantragten Windkraftanlagen mit Höhen von jeweils knapp 200 Metern genehmigt. Und dies, obwohl Naturschützer dieses Gelände teilweise als Mooreinzugsgebiet einstufen und dort 14 Fledermausarten, diverse Greifvögel sowie der BI zufolge knapp 40 Biotope entdeckten. Die Bagger rollen bereits.

„Hier werden auch angesichts des Volksbegehrens gegen Windkraftanlagen Fakten geschaffen, ohne dass die Bürger eine reale Chance haben, dagegen vorzugehen“, sagt Schwitalla. Für Unmut sorgt vor allem, dass die Genehmigungsunterlagen, die 102 Seiten umfassen, erst im Nachhinein am 24. Februar im Amtsblatt des Landes Brandenburg öffentlich bekannt gemacht werden. Bis heute vermögen die Bürger daher nicht zu sagen, ob die fast zehnstündige Abwägung ihrer Bedenken im Mai 2015 nur eine Alibiveranstaltung war oder nicht. „Bis dato haben wir keine Ahnung, ob und in welcher Form unsere Bedenken berücksichtigt wurden“, sagt Schulz resigniert. Der Naturschützer Alex Mieritz vom Regionalverband Dahmeland spricht angesichts der fehlenden Transparenz von einem „Aushebeln der Demokratie“.

Das Landesamt bewertet diese nachträgliche Veröffentlichung aber als völlig rechtens. Schriftlich heißt es: „Der Gesetzgeber hat die Bekanntmachung der Entscheidung und den Ablauf der Widerspruchsfrist von der Umsetzung der erteilten Genehmigung entkoppelt. Daher kann die Firma Abo Wind AG im Vertrauen auf eine gerichtsfeste Genehmigung mit dem Bau beginnen.“ Innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe könne nun Widerspruch erhoben werden, der erneut im LfU geprüft werde. „Für mich ist das ein Hohn, weil die Bäume und Moore dann längst zerstört sind“, sagt die Wernsdorferin Nadine Glahn.

Der Projektleiter von Abo Wind, Zacharias Hahn, hingegen sagt, dass der Naturschutz ausreichend berücksichtigt wurde. „Alle sensiblen Flächen wie auch zwei kleine Moorgebiete wurden wesentlich größer von der Planung ausgeschlossen, als gesetzlich vorgeschrieben.“ Genehmigungsrechtlich laufe alles sauber. Der Bau werde auch ökologisch durch die Bestenseer Firma Dubrow GmbH überwacht. Das Unternehmen sei für alle Hinweise der Bürger dankbar, die Ansprechpartner der Teams seien im Netz unter www.abo-wind.de zu finden.

Axel Mieritz hält das Vorhaben auch angesichts des sich in der Nähe befindlichen Seeadlerhorstes nach wie vor für „naturschutzfachlich sehr bedenklich“. Es sei einfach politisch gewollt. Anwohner weisen auch darauf hin, dass über die Autobahn im Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet im Kreis Oder-Spree (LOS) die Planungen für weitere etwa 30 Windräder laufen. Dazu meinte der Projektleiter von Abo Wind nur, dass der Teilregionalplan Wind in LOS noch nicht verabschiedet sei.

Der Königs Wusterhausens Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) erklärt offen: „Über diese Windanlagen im Wald bin ich auch nicht glücklich.“ Die Kommune legte Widerspruch ein, den das LfU aber verwarf. Die Stadt habe das Projekt rechtlich nicht verhindern können. „Wir sind daher schon froh, dass der ökologische Ausgleich in der Stadt vollzogen wird. Es wird in Senzig aufgeforstet und der Nottekanal renaturiert.“

Info: Die BI lädt alle interessierten Bürger für den 24. Februar um 19 Uhr in die Gaststätte „Zur Linde“ in Wernsdorf ein.

Von Franziska Mohr

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