Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
„Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse“

Unmut in Zeesen über Flüchtlingsunterbringung „Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse“

Im Stadtgebiet in Königs Wusterhausen leben derzeit etwa 600 Flüchtlinge, fast die Hälfte von ihnen in Zeesen. In diesem Ortsteil ging jetzt auch die neue Gemeinschaftsunterkunft in der ehemaligen Ferienanlage „Am Sandberg“ in Betrieb. Viele Anwohner fühlen sich dort überrumpelt sowie schon „im eigenen Land als Bürger zweiter Klasse.“

Voriger Artikel
Feuerwehrsanierung und Dorftreff
Nächster Artikel
Stadt investiert in Schule und Straßen

Die einstige Ferienanlage „Am Sandberg“ in der Spreewaldstraße in Körbiskrug wird jetzt als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt.

Quelle: Franziska Mohr

Königs Wusterhausen. Der Königs Wusterhausener Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) informierte die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung, dass im Stadtgebiet jetzt etwa 600 Asylbewerber leben. „Unser Angebot zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge im alten Kita-Gebäude in der Puschkinstraße in Zeesen haben wir zurückgezogen“, sagte Franzke. Die Stadt benötige dieses kommunale Gebäude dringend, um Engpässe in Schule und Hort auszugleichen beziehungsweise Räume für Sprachkurse für Flüchtlinge bereitstellen zu können. Auch das Projekt, auf dem Hafengelände in Niederlehme unweit des Rewe-Marktes Container für Flüchtlinge aufzustellen, erwies sich „baurechtlich als nicht haltbar“.

Zahlen und Fakten

Im Landkreis Dahme-Spreewald leben derzeit 2007 Asylbewerber, von denen im vorigen Jahr 1764 aufgenommen wurden. Die Prognose für 2015 ging von 2400 Personen aus.

Insgesamt 1548 Flüchtlinge leben gegenwärtig in Gemeinschafts- und Notunterkünften. 459 Personen konnten in Wohnungen untergebracht werden. Davon allein etwa 100 in Wohnungen der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Königs Wusterhausen.

Drei Notunterkünfte bestehen gegenwärtig im Landkreis: in Kolberg mit 69 Bewohnern, in Zeesen mit 199 und in Großziethen mit 55.

Neun Gemeinschaftsunterkünfte sind im Landkreis bezogen: Waßmannsdorf, Pätz, Massow, Wernsdorf, Körbiskrug, Uckley, Teupitz , Neuendorf am See und Lübben.

Eine weitere Gemeinschaftsunterkunft, die ehemalige Förderschule in Luckau, ging in dieser Woche mit einer Kapazität von 188 Plätzen in Betrieb. In einer leerstehenden Gewerbeimmobilie in Gallun ist ab Juli die nächste Gemeinschaftsunterkunft mit einer Kapazität von 83 Personen geplant.

Neue Grundstücke für eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen stellte die Rathausspitze jetzt nicht zur Verfügung. „Auch andere Kommunen sind in der Pflicht“, sagte Franzke. Mit Ausnahme von Schönefeld ist in den anderen S-Bahn-Gemeinden einschließlich Schulzendorf bisher noch keine einzige Flüchtlingsunterkunft geschaffen worden. Franzke unterstrich, dass die Integration der Flüchtlinge die Stadt bezüglich Wohnraum, Kita- und Schulplätzen vor Herausforderungen stellt, die nur im Konsens mit Bund und Land lösbar seien.

Vor allem in Zeesen regt sich bei den Bürgern Unmut. Mit über 250 Flüchtlingen lebt dort fast die Hälfte aller Asylbewerber in der Stadt. Am 12. Januar ging in diesem Ortsteil mit der privaten Ferienanlage „Am Sandberg“ in Körbiskrug eine weitere Gemeinschaftsunterkunft in Betrieb. Künftig können dort laut Kreis bis zu 140 Personen beherbergt werden. Die Anmietung ist dem Kreis zufolge bis 2019 befristet.

„Als Anwohner fühlen wir uns total überrumpelt. Vorab gab es keine Einwohnerversammlung – nichts“, empört sich eine Anwohnerin. Stadt und Kreis schieben sich den Schwarzen Peter zu. Die städtische Fachbereichsleiterin für Soziales, Bianca Urban, sagt, dass sie die Mitteilung vom Kreis über den Bezug der Anlage erst erhalten habe, als sie schon in Betrieb gewesen sei. Das weist Kreissprecherin Heidrun Schaaf zurück. Die Stadt wisse seit November von dem geplanten Bezug in Körbiskrug.

Viele Körbiskruger hegen Bedenken, weil sich in unmittelbarer Nähe ein FKK-Strand befindet. Intern heißt es dazu in den Behörden, dass ein Generalverdacht fehl am Platze sei. Außerdem müsse jeder, der in diesem Land Aufnahme finden wolle, auch die deutsche Lebensweise akzeptieren. Für Ärger sorgt bei den Anwohnern auch, dass ihnen seit Jahren die Umnutzung ihrer Datschen oder Stallungen in Dauerwohnsitze baurechtlich verweigert wird, die Flüchtlinge derartige Einrichtungen jetzt aber dauerhaft bewohnen dürfen. „Da fühlt man sich im eigenen Land als Bürger zweiter Klasse“, empört sich der Zeesener Lutz Weigelt. Kreissprecherin Schaaf begründet die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens mit dem im November vom Bund erlassenen „Gesetz über Maßnahmen im Bauplanungsrecht zur Erleichterung der Unterbringung von Flüchtlingen“. Demnach sind diese Ausnahmen bis Ende 2019 zulässig. Ein Asylbewerber in Körbiskrug meinte am Freitag in gebrochenem Englisch nur: „Ich weiß überhaupt nichts mehr und habe mir Deutschland ganz anders vorgestellt.“

Info: Weiteres im Sozialausschuss mit Bürgerfragestunde, Informationen zur Flüchtlingsunterbringung und Gründung eines Integrationsausschusses am 2. Februar, 17.30 Uhr im Rathaus, Schlossstraße 3.

Von Franziska Mohr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg