Volltextsuche über das Angebot:

-2 ° / -9 ° Schneeschauer

Navigation:
„Wir werden alles auf den Prüfstand stellen“

Eichwalde „Wir werden alles auf den Prüfstand stellen“

Am 1. Februar übernimmt Jörg Jenoch (WIE) als neuer Bürgermeister die Amtsgeschäfte im Rathaus von Eichwalde. Er löst Bernd Speer (parteilos) nach acht Jahren ab. Im MAZ-Interview spricht Jenoch darüber, wie er die Gemeinde aus ihrer finanziell angespannten Lage befreien und Großprojekte wie Kita- und Schulbau umsetzen will.

Voriger Artikel
„Wir wollen nicht über Ziel hinausschießen“
Nächster Artikel
Ortsdurchfahrt im Dunkel

Jörg Jenoch (WIE) übernimmt offiziell die Amtsgeschäfte im Eichwalder Rathaus.

Quelle: Franziska Mohr

Eichwalde. Heute übernimmt Jörg Jenoch (WIE) als neuer Bürgermeister die Amtsgeschäfte im Rathaus von Eichwalde. Er löst Bernd Speer (parteilos) nach acht Jahren ab. Im MAZ-Interview spricht Jenoch darüber, wie er die Gemeinde aus ihrer finanziell angespannten Lage befreien und Großprojekte wie Kita- und Schulbau umsetzen will.

Fühlen Sie sich gut auf das Bürgermeisteramt vorbereitet?

Jörg Jenoch: Ich denke ja. Ich informiere mich stetig rund um das Thema Kommunalpolitik und bin mit dem Hauptamtsleiter und der neuen Kämmerin bereits im Austausch. Mit Herrn Speer habe ich mich auch schon zweimal getroffen. Obwohl ich als Gemeindevertreter viele Themen kenne, wird es Zeit brauchen, um mich mit dem Amt vertraut zu machen. Es wird relativ schnell Gespräche mit der Awo wegen des Kitabaus geben. Und ich werde zunächst meine Antrittsbesuche bei den umliegenden Gemeinden machen.

Zwei CDU-Mitglieder hatten Sie im Wahlkampf unterstützt und verloren daraufhin ihre Posten. Müssen Sie nun die Wogen glätten?

Ich habe die Abwahl nicht verstanden. Für mich fehlte der sachliche Grund. Die Abwahl hatte einen faden Beigeschmack. Die Gemeindevertretung und ich werden dennoch sicher gut zusammenarbeiten. Es geht mir um die Sacharbeit. Ich bin immer gesprächsbereit.

Wie wollen Sie Eichwalde aus der finanziell schwierigen Situation führen?

Am 27. Februar müssen wir den Haushalt durchbringen. Wir sind auf einem guten Weg. Wir haben in 2018 einen Überschuss von 600 000 Euro und eine Rücklage von vier Millionen Euro. Das ist nicht schlecht. Wir geben aber immer noch zu viel aus und müssen mehr investieren. Wir schauen jetzt, wie wir das anders machen können. Bislang war es immer ein Tabu, an die Rücklage heranzugehen. Die vom Land vorgeschriebene Notfallreserve liegt bei rund einer Millionen Euro. Bevor ich Steuern erhöhe, höre ich auf zu sparen und investiere. Darüber wird man sprechen müssen. Wir sind erst wieder kreditfähig, wenn wir einen ordentlichen Haushalt und die Jahresabschlüsse aus den vergangenen Jahren abgearbeitet haben. Da sind wir relativ weit – dieses Jahr wollen wir die Abschlüsse für 2015 und 2016 fertig haben. Dann müssen wir die Einnahmen steigern – zum Beispiel über eine Gewerbeansiedlung. Die Sachkosten in der Verwaltung könnten gesenkt werden durch die Einführung von elektronischen Akten und den Verzicht auf Papier. Das wäre effizienter. Jede Investition muss daraufhin abgeklopft werden, ob sie nachhaltig ist.

Laut Bernd Speer ist eine Fusion mit anderen Gemeinden unausweichlich, da Eichwalde Großprojekte nicht aus eigenen Mitteln stemmen kann. Wie sehen Sie das?

Es gibt in der Bundesrepublik hunderte Gemeinden mit derselben Größe, die selbstständig sind. Das spricht gegen die These einer Fusion. Wir werden alles auf den Prüfstand stellen und schauen, wo können wir etwas optimieren. Und wir müssen weiter mit den anderen Gemeinden eng zusammenarbeiten. Wenn wir nach ein paar Jahren merken, das funktioniert nicht aus eigener Kraft, dann müssen wir über andere Form der Zusammenarbeit nachdenken, wie eine Fusion. Doch das ist für mich derzeit kein Thema.

Müssen große Bauvorhaben länger auf Eis gelegt oder abgespeckt werden, weil keine Kredite aufgenommen werden können?

Abspecken macht oft keinen Sinn. Dann wird kleiner gebaut und schnell reichen die Kapazitäten nicht mehr aus. Eine klassische Fehlplanung ist etwa der Anbau an das Haus der kleinen Strolche in der Stubenrauchstraße. Wenn wir einmal bauen, muss man richtig und nachhaltig bauen. Ein späterer Anbau muss auch möglich sein. Wichtig ist auch die Frage, wie der Betrieb finanziert wird. Ab 2019/2020 könnten wir das Awo-Gelände als Kitastandort nutzen. Wir wollen dort neu bauen. Entschieden werden muss, ob wir das selber errichten lassen oder die Awo das macht. Hier könnte auch Zeuthen mit im Boot sein und mitfinanzieren. Die Kosten für einen gemeinsamen Grundschulneubau würden wir uns teilen.

Wie können aktuelle Bedarfe bei Schule, Kita, Hort bald gedeckt werden, wenn Vereinbarungen mit den Nachbargemeinden in diesen Bereichen lange brauchen?

Ich werde mich mit den Bürgermeistern von Zeuthen und Schulzendorf zusammensetzen und versuchen, solche Projekte schneller voranzutreiben als das zuvor geschehen ist. Es sollen Projekte möglich gemacht werden, die alleine nicht möglich wären. Die Probleme, die wir in Eichwalde haben, haben die anderen Gemeinden auch. Ich kann mir auch eine Zusammenarbeit mit Wildau bei Kita und Schule vorstellen oder im Rahmen des Flughafen-Dialogforums eine Zusammenarbeit mit Königs Wusterhausen, um gemeinsame Interessen besser zu vertreten.

Wie sollte man die interkommunale Zusammenarbeit noch weiter ausbauen?

Kita und Schule müssen schnell auf den Weg gebracht werden. Wir brauchen einen gemeinsamen Flächennutzungsplan – der käme als letztes, weil dieser sehr langfristig gedacht ist. Es geht auch um die verkehrliche Anbindung an die Autobahn, um die Bürger auf lange Sicht vom zunehmenden Verkehr zu entlasten.

Wie kann die Tunnellösung in der Friedenstraße noch realisiert werden?

Man wird mit Landkreis und Bahn neu reden müssen. Dabei will ich ergebnisoffen verhandeln und mich nicht auf eine Brückenlösung festlegen lassen. Die Frage ist, ob wir das Verkehrsproblem damit an dieser Stelle lösen oder ob eine Querung an anderer Stelle sinnvoller ist. Zeuthen hat dasselbe Problem. Vielleicht kann man hier zusammen agieren. Fakt ist, die Leute werden durch unsere Orte fahren, um zum Flughafen zu kommen. Der Landkreis muss ein Interesse haben, uns richtig anzubinden.

Braucht es kommunalen Wohnungsbau in Eichwalde?

Das hat keine hohe Priorität, da die Flächen begrenzt sind und wir mit Schule und Kita zunächst die Pflichtaufgaben abarbeiten müssen. Dennoch ist im Gespräch, den Chopinplatz dafür zu nutzen. Gleich bei der Bahnhofstraße soll es seniorengerechtes Wohnen geben. Selber bauen werden wir aber nicht.

Wie wollen Sie die Bahnhofstraße und das Umfeld wieder beleben?

Ich setze mich dafür ein, dass es wieder mehr Festivitäten auf dem Marktplatz gibt. Es soll grüner werden und sollen Orte geschaffen werden, wo die Menschen verweilen können. Zudem müssen schnell neue Mieter für die leerstehenden Läden gefunden werden.

Wie wichtig ist Ihnen das Thema Bürgerbeteiligung?

Das ist ein wichtiges Thema. Ich denke darüber nach, neben dem obligatorischen Bürgermeisterstammtisch eine Facebookseite einzurichten, um die Bürger zu aktuellen Themen auf dem Laufenden zu halten. Ich möchte, dass die Arbeit der Verwaltung sichtbarer wird.

Die BER-Umlandgemeinden überlegen, gegen das Land zu klagen, um ein Planfeststellungsverfahren für die Flughafenerweiterung auf den Weg zu bringen. Wie ist Ihre Position?

Es geht darum, die Interessen der Bürger durchzusetzen. Eine Klage ist ein Weg. Viel besser wäre es aber, wenn man sich mit dem Flughafen einigt und die Interessen der umliegenden Gemeinden gehört werden. Wir wollen als Partner wahrgenommen werden, denn wir können nicht umsiedeln. Leider tritt die Flughafengesellschaft bislang uns gegenüber nicht als Partner auf. Mehrgleisig fahren ist hier der Weg – auf Dialog setzen und wenn es nicht klappt, dann klagen.

Von Oliver Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg