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Wirte beklagen Sky-Monopol

Höhere Abo-Preise für Live-Fußball Wirte beklagen Sky-Monopol

Der Bezahlsender Sky nervt Kneipenbesitzer regelmäßig mit steigenden Abo-Preisen. In der Region wollen und können die Wirte trotzdem nicht auf den Monopolisten verzichten – denn ohne König Fußball bleiben die Gäste weg.

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Angelika Neumann betreibt die Sportkneipe „Kleine Melodie“ in Königs Wusterhausen.

Quelle: Martin Küper

Dahmeland-Fläming . Ein spannendes Fußballspiel wird an diesem Dienstagnachmittag nicht übertragen, stattdessen ist eine Reportage über den Rhein zu sehen. Die Hand voll Stammgäste in der Königs Wusterhausener Sportkneipe „Kleine Melodie“ schaut trotzdem interessiert in Richtung Fernseher. Der Flachbildschirm an der Stirnseite dominiert den vielleicht 40 Quadratmeter großen, holzvertäfelten Schankraum – und er kostet die Inhaberin fast 500 Euro im Monat. Natürlich nicht wegen der Rhein-Reportagen, sondern wegen des Sport-Abonnements des Bezahlsenders Sky.

Für viele Kneipenbesitzer sind die Fußballübertragungen ein teures Vergnügen. Erst Anfang September hat Sky seine Preise für Bestandskunden um einige Prozent erhöht, seither werden die Stimmen der Unzufriedenen wieder lauter. Es ist nicht das erste Mal. „Schon voriges Jahr wollte Sky den Abo-Preis erhöhen, dann hätte ich über 600 Euro im Monat zahlen müssen“, erzählt Angelika Neumann, während sie am Zapfhahn für Biernachschub sorgt. „Dann habe ich gesagt, ich kündige, und darauf haben sie mir angeboten, den alten Preis zu behalten, wenn ich das Abo um zwei Jahre verlängere.“ Erst kürzlich hat sich das Spiel wiederholt.

Seit Sommer 2013 hält der Medienkonzern aus dem bayrischen Unterföhring sämtliche Übertragungsrechte für Live-Spiele der ersten und zweiten Bundesliga sowie für viele Begegnungen in der Champions-League. Wer in seiner Kneipe Live-Fußball zeigen will, um Gäste anzulocken, kommt an Sky nicht vorbei.

Das Unternehmen Sky


Sky Deutschland ist ein Medienunternehmen, dass zahlreiche Bezahlsender betreibt. Das Programmangebot löste im Juli 2009 den Bezahlsender Premiere ab, der schon seit Anfang der 1990er Jahre versucht hatte, in Deutschland Pay-TV an den Markt zu bringen.

Derzeit sendet Sky Spielfilme und Serien über elf digitale Sender, die in Paketen vermarktet werden. Darüber hinaus wird auf fünf Sendern parallel Sport übertragen. Die Fußball-Bundesliga hat einen eigenen Sender. Hinzu kommen Übertragungen von DFB-Pokal, Champions-League und Europa-League-Spielen.

Gaststättenbetreiber , die in ihren Lokalen den Gästen Fußball zeigen wollen, müssen für ihr Abonnement deutlich mehr bezahlen als Privatkunden.

Allerdings unterbreitet der Sender in der Regel kein Pauschalangebot, sondern passt die Preise an die Rahmenbedingungen der Gaststätte an. So ist ein Sky-Abo für eine Gaststätte im ländlichen Raum laut Senderangaben deutlich günstiger als in größeren Städten. Ebenfalls einberechnet wird die räumliche Nähe zu einem Bundesligisten.

Die Preissteigerungen hängen unter anderem mit den Kosten für Lizenzen zusammen, die der Sender hat. Derzeit bezahlt Sky an die Deutsche Fußball Liga 485,7 Millionen Euro pro Saison für die Bundesliga-Rechte.

Thomas Ludwig, Chef von Lui’s Sportsbar in Blankenfelde, dachte eigentlich, er hätte das Thema schon hinter sich gelassen. Vor gut einem Jahr hatte er sein Sky-Abo tatsächlich gekündigt, weil es ihm zu teuer wurde. Aber dann sei das Unternehmen auf ihn zugekommen und habe ihm ein Angebot gemacht, sagt er. Ein gutes Angebot offenbar, denn seit Mai ist Ludwig wieder in die Riege der offiziellen Sky-Bars aufgenommen. „Die Konditionen gelten jetzt für ein Jahr, danach wird man sehen“, sagt Ludwig. Sollte sich

Sky-Sportsbar

Sky-Sportsbar

Quelle: dpa

dann eine Preiserhöhung abzeichnen, könne er auch wieder kündigen. Ob die samstäglichen Fußballspiele ihm wieder mehr Kundschaft ins Lokal treibt, kann er noch nicht sagen. „Die Saison hat ja gerade erst begonnen“, sagt er. Und außerdem müsse sich in Blankenfelde auch erst wieder herumsprechen, dass bei ihm wieder Fußball läuft. „Ende des Jahres werde ich eine erste Bilanz ziehen“, sagt Ludwig. Dann werde er auch für sich entscheiden, ob sich das Abo lohnt. Eine Frage, die sich für Katrin Töpfer nicht wirklich stellt. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann die Sydney-Sportsbar im Wildauer A-10-Center. Die Bar lebt vor allem von den Stammgästen, die zum Fußballschauen kommen. Für die zwei Leinwände und 15 Fernseher auf rund 600 Quadratmetern Fläche zahlen die Gastwirte an Sky mehr als 1000 Euro im Monat. Entscheidend für den Preis ist die Größe einer Kneipe und die Anzahl der Empfangsgeräte – nicht die Anzahl der Fernseher. „Ausweichmöglichkeiten gibt es ja nicht“, sagt Katrin Töpfer. „Da heißt es, friss oder stirb!“ Beschweren will sich die Wirtin allerdings nicht, mit ihren zwei Empfangsgeräten halten sich die Kosten im Verhältnis zum Umsatz im Rahmen: „Bei einem guten Spiel ist der Laden ja voll und es macht eine tolle Atmosphäre.“

Darauf will auch Angelika Neumann in ihrer „Kleinen Melodie“ nicht verzichten: „Aber das Abo ist schon ziemlich teuer für so eine kleine Kneipe“, erzählt die 64-Jährige, die seit mehr als 14 Jahren hinter dem Tresen steht. Es sind vor allem Fans von Union Berlin, die bei Auswärtsspielen ihres Lieblingsvereins in die letzte Sportkneipe im Ort kommen. „Und bei einem wichtigen Champions-League-Spiel stehen die Leute schon mal bis zur Straße“, erzählt sie.

Von Oliver Fischer und Martin Küper

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