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Wo das grüne Torfmoos wächst

Groß Köris Wo das grüne Torfmoos wächst

Die Leue ist mit das älteste noch existierende Naturschutzgebiet im Naturpark Dahme-Heideseen. Im Januar 1938 wurde das kleine, nur gut vier Hektar große Gebiet unter Schutz gestellt.

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Das kleine Naturschutzgebiet unweit des hofjagdweges bei Groß Köris wird jetzt 80.

Quelle: Karen Grunow

Groß Köris. Etwa der Größe von sechs Fußballfeldern entspricht das kleine Naturschutzgebiet Leue bei Groß Köris. Es liegt direkt an der Autobahn. Hier ist nicht das sanfte Rauschen des Windes zu hören, sondern das permanente Dröhnen des Verkehrs. Eigentlich also ein unspektakulärer Ort mit für Naturliebhaber wenig reizvoller Atmosphäre. Aber – und das macht dieses Gebiet so spannend – es hat bereits vor 80 Jahren seinen Schutzstatus erhalten.

Man konnte noch Vogelstimmen hören

„Vor 80 Jahren konnte man hier noch die Vogelstimmen hören“, erzählt Hans Sonnenberg vom Naturpark Dahme-Heideseen. Er hat Linda Böckenhoff und Ulrike Pohl mitgebracht und zeigt ihnen die Leue. Pohl absolviert als Studentin des Fachs Ökologie und Umweltplanung an der Technischen Universität Berlin gerade ihr Pflichtpraktikum im Naturpark. Böckenhoff ist für die so genannte FFH-Managementplanung des Naturparks zuständig. Das heißt, sie kümmert sich darum, zukünftige Projekte für die Gebiete nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der Europäischen Union zu entwickeln. „Bis Ende 2020 muss die Managementplanung erfolgt sein“, berichtet sie. Dabei geht es darum, realistische Konzepte zu entwickeln. Dazu müssen stets auch die Eigentümer der Flächen ihre Zustimmung geben. Linda Böckenhoff und ihre Kollegen werden also genau aufspüren müssen, welches Fleckchen zu wem gehört und ob diejenigen guten Willens sind, mitzuziehen. 28 der insgesamt 30 FFH-Gebiete des Naturparks werden darin aufgenommen. Das betrifft auch die Leue. Die ist, Hans Sonnenberg zeigt es in einem kurzen Spaziergang durch dichtes Schilfgras, in keinem sehr guten Zustand.

Das liegt interessanterweise eher daran, dass nur noch geringe Teile der Fläche vom Menschen wirklich genutzt werden. Für die Leue, sagt Sonnenberg, sei gerade wichtig, dass sie noch genutzt werde. „Es geht um Prozesse, wie der Mensch über Jahrhunderte mit der Natur gearbeitet hat“, sagt er. Dabei sei eben auch eine Art „Gleichgewicht“ entstanden. Die Wiesen der Leue wurden von Hand gemäht für Pferdefutter. „Das Moor ist noch gut in Takt“, zeigt er beim Gang durch die feuchte Wiese. Der Boden scheint leicht zu schwingen, im fast schon winterlichen Matschbraun des Grases leuchtet das grüne Torfmoos.

Seit 1938 geschützt

Unter Schutz gestellt wurde das Gebiet im Zuge des Baus der Reichsautobahn. Diese sollte eigentlich mitten hindurch führen und wurde dann direkt neben der Leue bis 1939 gebaut. Auch wenn die kleine Fläche gerettet werden konnte, so wurde doch ein größeres Moorgebiet durch den Bau der heutigen A13 getrennt. Grundlage für den Schutzstatus der Leue wurde das 1935 verabschiedete Reichsnaturschutzgesetz, mit dem erstmals in ganz Deutschland einheitlich der Naturschutz geregelt wurde. Als erstes heute noch bestehendes Gebiet im Bereich des heutigen Naturparks Dahme-Heideseen wurde im August 1937 der „Kleine Griesensee“ bei Bugk nahe Storkow unter Schutz gestellt. Am 4. Januar 1938 dann wurde dies auch für die Leue erreicht.

Oberster Beauftragter für den Naturschutz zu jener Zeit im nationalsozialistischen Deutschland war Hermann Göring. Auch das gehört zu den Tatsachen, die das besondere Jubiläum der Leue in ein etwas anderes Licht rücken. Hans Sonnenberg möchte es aber dennoch weniger als völkisches Heimatschutzprojekt der Nationalsozialisten verstanden wissen. „Die gesellschaftliche Entwicklung“, betont er, „war soweit, dass man nicht nur punktuell geschützt hat.“ Allerdings, berichtet er, sei die Naturschutzbewegung dann auch wenig später abrupt zu Ende gegangen. Auch in der DDR wurden nur wenige Regionen als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Im Bereich des heutigen Naturparks immerhin etwa die Dubrow und die Luchwiesen. Die entscheidenden Aktivitäten gab und gibt es seit der Wende. Die Ausweisung als FFH-Gebiete, die zum europaweiten Natura-2000-Schutzgebietsnetz zählen, gehört dazu.

Floristen-Schätze

Für die Leue engagierten sich in den 1930er Jahren besonders die Botaniker Adolf Straus und Kurt Hueck, schreibt Hans Sonnenberg auch in seinem Artikel zur Leue, der im neuen „JahreBuch“ des Nabu-Regionalverbandes Dahmeland und des Naturschutzfonds Brandenburg zu den Jubiläen von kleinem Griesensee und Leue erschienen ist. „Für den Floristen birgt das Moor mancherlei Schätze“, schrieb Kurt Hueck 1938 über die Leue. Englischer Sonnentau, Weichkraut und kleiner Igelkolben wüchsen hier, zählte er auf. „Im Sommer war das Gebiet blau, weil hier der Lungen-Enzian blühte“, weiß Hans Sonnenberg aus Aufzeichnungen Kurt Huecks.

Einst befand sich dort, wo die Leue ist, ein Toteisloch, Überbleibsel der letzten Eiszeit. Später wurde daraus ein kleiner Waldsee, der im Laufe der Jahrhunderte, Jahrtausende, zunehmend verlandete. Ganz in der Nähe übrigens ist der Hofjagdweg, auch der Pätzer Hintersee ist nicht weit. Ein idyllisches Plätzchen – wäre da nicht die Autobahn.

Von Karen Grunow

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