Volltextsuche über das Angebot:

22°/ 13° Gewitter

Navigation:
Wo der Kaiser auf die Jagd ging

Oberförsterei Hammer Wo der Kaiser auf die Jagd ging

Die Oberförsterei Hammer ist in der Region Dahmeland-Fläming einer der interessantesten Standorte der Forst- und Jagdgeschichte. Von dort aus gingen die Preußischen Könige und die Hohenzollern-Kaiser auf die Jagd.

Voriger Artikel
Bachelor: Ausgeschmust in Brandenburg
Nächster Artikel
Unbekannte brechen mehrere Lkw auf

Kaiser Wilhelm II. am 4. Dezember 1897 in der Dubrow.

Hammer. Die Oberförsterei Hammer, 50 Kilometer südlich von Berlin an der B 179, zwischen Neubrück und Märkisch Buchholz gelegen, ist in Region einer der his-torisch interessantesten Standorte der Forst- und Jagdgeschichte. Bereits 1717 hatte König Friedrich Wilhelm von Preußen die Herrschaften Buchholz und Teupitz von den Schenken von Landsberg erworben. Zur Verwaltung der Ländereien und Forsten wurden sogenannte Prinzliche Ämter eingerichtet.

Zum Amt Buchholz gehörten zunächst die Gemarkungen Buchholz, Teurow, Freidorf, Forst Hammer und Klein Köris sowie der Klein Köriser See, der Hölzerne See und die Schmölde. Diese ehemalige Schenkensche Herrschaft und zehn weitere Territorien um Königs Wusterhausen, Krausnick und Kossenblatt übertrug der König nachfolgend seinem Sohn, dem Prinzen August Wilhelm.

Dieser richtete 1737, zur Verwaltung dieses umfangreichen Besitzes, eine sogenannte Prinzliche Kammer ein. Dabei wurden für die Forsten gesonderte Verwaltungs- und Jagdbezirke festgelegt, in deren Folge die Oberförsterei Hammer am Standort der ehemaligen Heidereiterei Hammer gegründet wurde. Bereits zu diesem Zeitpunkt befanden sich am Standort der Oberförsterei mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude, deren Zweckbestimmung und bauliche Substanz sowie Einwohnerzahl im Laufe der Zeit mehreren Veränderungen unterlag.

Das Dienst- und Wohngebäude der Oberförsterei Hammer wurde in den Jahren 1897/98 in der heutigen Form errichtet

Das Dienst- und Wohngebäude der Oberförsterei Hammer wurde in den Jahren 1897/98 in der heutigen Form errichtet.

Quelle: Roland Potstawa/ Sammlung Potstawa

Eine Teerschwelerei aus dem 18. und eine Kiefernsamendarre aus dem 19. Jahrhundert sind heute nicht mehr nachweisbar. Bei der Fertigstellung der Chaussee von Königs Wusterhausen nach Märkisch Buchholz kam 1860 noch ein Chausseehaus dazu.

Nachdem das alte Forsthaus, ein Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, 1887 abgebrannt war, wurde in den Jahren 1897/98 das noch heute existierende repräsentative Dienst- und Wohngebäude der Oberförsterei errichtet, das bei den Hofjagden von Kaiser Wilhelm II. im Forst Hammer und in der Dubrow mehrfach den Ausgangspunkt darstellte. Die Wirtschaftsgebäude wurden zu verschiedenen Zeiten im 19. Jahrhundert errichtet und dienten unterschiedlichen Zwecken. Das älteste Gebäude stammt aus dem Jahre 1866. Unmittelbar an der Zufahrt zur Oberförsterei befindet sich die ehemalige Wildkammer.

Die jagdliche Nutzung der zur Oberförsterei Hammer gehörenden Forsten durch die Preußischen Könige und die Hohenzollern-Kaiser hatte eindeutig Vorrang vor den forstwirtschaftlichen Belangen und erfolgte in unterschiedlicher Intensität. Im Jahre 1864 wurden im Revier Hammer rund 6000 Hektar Forst als Wildpark eingegattert und zum Hofjagdrevier erklärt. Zur Sicherstellung großer Strecken wurde mehrmals Damwild und Schwarzwild in den Wildpark eingesetzt.

Die Wildkammer

Die Wildkammer.

Quelle: Roland Potstawa/ Sammlung Potstawa

Die zunächst jährlich stattfindenden Hofjagden wurden ab 1881 nur noch alle zwei bis drei Jahre durchgeführt. Diese Jagden wurden innerhalb des Wildparks in aller Regel als „eingestellte Jagden“ organisiert, in denen das zusammengetriebene Wild in „Läufen“ vor die Schützen gebracht wurde. Damit wurden sowohl dem Monarchen als auch seinen Gästen aus dem Hochadel hohe Strecken garantiert.

Erstaunlich bei den Streckenmeldungen jener Zeit ist, dass nur Sauen und Damwild aufgeführt werden, obwohl der letzte Rothirsch erst 1912 zur Strecke kam. Rehwild kommt in den schriftlichen Aufzeichnungen über die Oberförsterei Hammer überhaupt nicht vor.

Die letzte Hofjagd in der Oberförsterei Hammer fand am 8. November 1913 statt. Dabei wurden 53 Sauen und 270 Stück Damwild erlegt. Daran erinnert als jagdliches Denkmal der Kaiserstein in den Katzenbergen, der sich bedauerlicherweise in einem desolaten Zustand befindet. Darüber hinaus soll es in dem Revier auch ein Denkmal zur Erinnerung an die Erlegung eines ungeraden Zehn-Enders im Jahre 1854 durch den Prinzen Friedrich Karl gegeben haben, dessen Standort und Aussehen heute nicht mehr bekannt sind.

Nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1918 erfolgte die forstliche und jagdliche Nutzung der zur Oberförsterei Hammer gehörenden Reviere auf der Grundlage der jeweils geltenden Rechtsvorschriften. In diesem Zusammenhang erhielt die Oberförsterei Hammer von 1934 bis zum Aufbau der Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe nach dem Zweiten Weltkrieg den Status eines Forstamtes.

Im April 1945 befand sich im Objekt der Oberförsterei Hammer zeitweilig der Stab der 9. Armee der Wehrmacht, die im Kessel von Halbe weitgehend zerschlagen wurde. Dabei wurden die Reviere erheblich in Mitleidenschaft gezogen, deren Folgen bis heute nicht vollständig überwunden sind. In den Jahren 2006 und 2007 wurden das Dienst- und die Wirtschaftsgebäude der Oberförsterei Hammer denkmalgerecht restauriert und modernen Arbeitsbedingungen angepasst, um diesen traditionsreichen Standort der Nachwelt zu erhalten. Damit ist die Oberförsterei Hammer, mit kurzen Unterbrechungen und in unterschiedlichen Strukturen, seit nunmehr fast 280 Jahren im Dienste von Wald und Wild tätig – das ist eine wahrhaft historische Zeitspanne.

Von Roland Potstawa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg