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Wölfe töten vier Damhirsche im Wildgehege

Telz Wölfe töten vier Damhirsche im Wildgehege

Wölfe sind zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit in das Wildgehege von Friedrich Briesenick eingedrungen. Diesmal haben sie vier Damhirsche getötet und anschließend zerfleischt. Ob der Telzer Landwirt seine 1992 begonnene Wildtierhaltung aufgibt, das weiß er noch nicht. Ginge es weiter, müsste er in einen wolfssicheren Zaun für das Gehege investieren.

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Friedrich Briesenick neben seinem von Wölfen getöteten und von Kolkraben bis auf die Knochen abgenagtem Zuchtdamhirsch.
 

Quelle: Frank Pechhold

Telz.  Wölfe haben erneut bei Friedrich Briesenick zugeschlagen. Bereits zum zweiten Mal drangen die geschützten Raubtiere in ein Gehege des Telzer Landwirtes ein und rissen vier weibliche und männliche Damtiere. Nun überlegt der 65-Jährige, ob er seine Wildtierhaltung aufgibt.

Vorfall nicht gemeldet

 Gemeldet hat Briesenick die aktuelle Attacke nicht an das zuständige Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurordnung. „Das bringt doch sowieso nichts außer Ärger und Papierkram“, sagt er. Schließlich warte er noch immer auf die Entschädigung für die am 20. November 2016 von Wölfen gerissenen neun Damhirsche. „An diesem Tag bin ich Opa geworden. Und da haben wir auf unserem Hof eine Pullerparty gefeiert.“ Als er am nächsten Morgen nach den Hirschen schaute, stockte ihm der Atem. Nur ein paar auf dem weitläufigen Areal verstreut liegende Knochen und Fellfetzen waren von den Tieren übrig. Verstört liefen die verbliebenen elf Tiere herum.

Landwirt will Wildhaltung aufgeben

Ein Sachverständiger stellte im Auftrag des Landesamtes den Schaden fest. Laut Protokoll beträgt die Briesenick zustehende Entschädigung für die gerissenen Tiere einschließlich deren Entsorgung durch eine Fachfirma rund 1500 Euro.

Das Land fördert den Bau wolfssicherer Zäune

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger hat kürzlich die Landes-Richtlinie zur Förderung von Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Schäden durch geschützte Tierarten (Wolf, Biber) unterzeichnet.

Die Richtlinie ermöglicht Zuwendungen für Maßnahmen des technischen Herdenschutzes, zum Beispiel wolfssichere Zäune.

 

Von 2008 bis Ende 2015 unterstützte das Umweltministerium Maßnahmen mit rund 600 000 Euro. Für 2016 wurden 15 Anträge in Höhe von 200000 Euro bewilligt.

 

Infos und Antragsformulare unter: www.mlul.brandenburg.de.

Was Briesenick vom Land als Entschädigung für die am 4. März von Wölfen getöteten, zerfleischten und anschließend von Kolkraben bis auf die Knochen abgenagten vier Damhirsche bekommen würde, will er gar nicht wissen. „Wahrscheinlich müssen wir mit der 1992 begonnenen Damhirschhaltung Schluss machen.“ Allerdings sei diesbezüglich noch nicht das letzte Wort gesprochen. Bald werde sein Sohn den Hof übernehmen. „Wir werden darüber noch mal reden.“

Investitionen wären hoch

 Falls es weitergehen sollte, weiß Briesenick, dass er in den 1,5 Kilometer langen Gehegezaun viel Geld investieren muss. Das Landesumweltamt schreibt nämlich Mindeststandards zum Schutz vor Wolfsübergriffen vor. Beispielsweise müssen Wildgehege von mindestens 1,80 Meter hohen Drahtgeflechtzäunen mit Untergrabungsschutz umgeben sein. Als Untergrabungsschutz fungiert ein 100 Zentimeter breites Drahtgeflecht, das außen vor dem Zaun flach ausgelegt und fest im Boden verankert wird. „Und wenn die Wölfe dann anfangen auf dem Zaungeflecht rum zu kratzen, dann merken sie irgendwann, dass sie nicht durchkommen“, so Briesenick. Alternativ ist es laut Landesamt möglich, den Zaun mindestens 50 Zentimeter tief einzugraben. „Wer so etwas vorschlägt, den würde ich gerne mal einladen, bei mir zu Schippe und Spaten zu greifen“, sagt er Kopf schüttelnd. Weiter wäre es möglich, den vorhandenen Zaun zusätzlich elektrisch zu sichern. „Aber auch das würde ein paar Tausend Euro kosten.“ Hinzu kommen die Kosten für neue, möglichst tragende Tiere. Auf natürlichen Nachwuchs kann Friedrich Briesenick nicht mehr hoffen. Bei dem jüngsten Angriff haben die Wölfe den Zaun untergraben und anschließend unter anderem seinen letzten Zuchthirsch zu Tode gehetzt. Die noch verbliebenen zwei Damtiere rennen verängstigt in dem fünf Hektar großen Gehege herum. „Deshalb habe ich bei der zuständigen Landesbehörde angerufen, um meinen Frust los zu werden“, sagt er. In dem Amt habe ihm eine Mitarbeiterin gut zugeredet, doch mal ins Internet zu schauen und sich über ganz neue Förderrichtlinien für Wildgehegezäune zu informieren. „Aber mit einem Förderantrag müsste ich mich beeilen, weil niemand weiß, wie viel Geld das Land bereit stellt und wie lange es reicht“, sagt er.

Von Frank Pechhold

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