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Wohnungen auf „Weißem Fleck“

Bauvorhaben in Schulzendorf Wohnungen auf „Weißem Fleck“

Auf dem Eckgrundstück von Illgenstraße/Rathenaustraße in Schulzendorf wollen jüdische Erben 40 bis 50 Wohnungen schaffen. Entstehen sollen auch die dazugehörigen Parkflächen. Wie Jochen Palenker sagt, gehe es ausschließlich um Mietwohnungen. Denn die gibt es kaum in Schulzendorf.

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Jochen Palenker vor dem Grundstück in der Illgenstraße/Ecke Rathenowstraße. Dort sollen Mietwohnungen entstehen.

Quelle: Andrea Müller

Schulzendorf. Mietshäuser mit rund 40 bis 50 Wohnungen will die jüdische Erbengemeinschaft um Jochen Palenker in Schulzendorf errichten. Damit soll der „weiße Fleck“ in der Illgenstraße/Ecke Walther-Rathenau-Straße endlich „Farbe“ erhalten. „Wir wissen, dass in Schulzendorf Bedarf an Mietwohnungen vorhanden ist“, so Jochen Palenker. Er denkt etwa an junge Eheleute, die sich noch kein Haus kaufen können, an ältere Menschen, die die Bewirtschaftung von Haus und Hof nicht mehr bewerkstelligen können oder auch an Singles.

Der „Weiße Fleck“ gehört in Schulzendorf zu den Grundstücken, die der jüdischen Familie Israel nach der Wende 1989 zurück übertragen worden sind. Es ist rund 8300 Quadratmeter groß. „Meiner Familie gehörte einmal halb Schulzendorf“, so Jochen Palenker. Etwa die Hälfte davon habe sie inzwischen zurück erhalten. In einigen Fällen würden die Rückübertragungsansprüche noch bearbeitet.

Seit 1888 war das Gut Schulzendorf im Besitz der Familie

Zur Geschichte: Im Jahr 1888 hatte Moritz Israel das Gut Schulzendorf erworben. Er schenkte es bald seinem Sohn Richard Israel und dessen Frau Bianca Cohn zur Hochzeit. Sie bekamen in Schulzendorf fünf Kinder: Walter, Ernst, Bruno, Vera und Hilde. 1899 baute Richard Israel eine Schule. 1939 wurden die Eheleute enteignet und von den Nazis gezwungen, ihr Gut zu verlassen. Sie zogen nach Berlin, wo sie in Judenwohnungen leben mussten. 1943 wurden beide in das KZ Theresienstadt deportiert. Richard Israel kam dort bald nach seiner Ankunft ums Leben. Seine Frau Bianca überlebte das Lager. Im Januar 1945 konnte sie das KZ in Richtung Schweiz verlassen. Nach einer kurzen Episode in den USA kehrte sie nach Deutschland zurück. Hochbetagt starb sie in Hannover.

Nach der Wende begann man in Schulzendorf, die maroden Straßen in Ordnung zu bringen. So wurden 2010 auch die Illgenstraße/Rathenowstraße neu gemacht. Die Anwohner bekamen nach Straßenbaubeitragssatzung ihre Bescheide, mit denen sie anteilig an den Kosten zum Straßenbau beteiligt wurden. Nicht bezahlen musste damals die Erbengemeinschaft Israel. Zu dieser Zeit war das Grundstück, das im ersten Flächennutzungsplan Anfang der 90er Jahre bereits als Wohnbaufläche kenntlich gemacht worden war, aufgrund der Überarbeitung des Flächennutzungsplans im Jahr 2008 als „weißer Fleck“ ausgewiesen. „Weil nur dann Grundstückseigentümer Beiträge bezahlen, wenn das Grundstück privat oder gewerblich nutzbar ist“, so Bürgermeister Markus Mücke (parteilos). Bis heute gelte dort kein Baurecht, fährt er fort. Deswegen habe die Erbengemeinschaft auch keinen Bescheid erhalten. An diesem Fakt scheiden sich in Schulzendorf jetzt die Gemüter. Ein ehemaliger Gemeindevertreter verlangt sogar, dass nachträglich die Kosten für den Straßenbau bezahlt werden. „Das ist nicht möglich“, erläutert der Bürgermeister. Die Maßnahme sei abgeschlossen, eine spätere Berechnung rechtlich nicht möglich.

Palenker setzt auf städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde

Für Jochen Palenker brechen an dieser Stelle alte Wunden auf. Er fragt sich, ob hier nicht antisemitische Ressentiments oder Stereotype eine Rolle spielen. Palenker versichert, er und die Erben werden ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen. „Die Gemeinde wird mit uns einen städtebaulichen Vertrag abschließen, in dem sie genau definieren wird, was wir als Investoren zu leisten haben im Gegenzug dafür, dass wir hier bauen dürfen“, so Palenker.

Vorerst sei das aber noch Zukunftsmusik. Zunächst erst einmal müsse – und das bestätigt auch Bürgermeister Markus Mücke – Baurecht geschaffen werden, indem ein Bebauungsplan aufgestellt und genehmigt wird. In einem ersten Schritt in diese Richtung hat die Gemeindevertretung an dieser Stelle den Flächennutzungsplan geändert. Palenker sieht das Vorhaben entspannt. „Ich gehe davon aus, dass wir hier in Etappen bauen werden, je nachdem wie die Nachfrage nach den Wohnungen ist“, erklärt er. Wie im Gesetz vorgesehen, werden je nach Anzahl der Wohnungen auf dem Grundstück zudem in der Summe 60 bis 75 Parkplätze geschaffen.

Schulzendorfs Gemeindechef Mücke freut sich über das Engagement von Palenker und seiner Familie. „Die Gemeinde will, dass hier Baurecht geschaffen wird“, erklärt er. Nach Meinung von Jochen Palenker steht Mücke nicht allein da. „Ich habe das Gefühl, dass es mehr Leute in Schulzendorf gibt, die das wollen, was wir vorhaben“, so Palenker.

Von Andrea Müller

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