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Dahme-Spreewald Zeesener schreibt seine Autobiografie
Lokales Dahme-Spreewald Zeesener schreibt seine Autobiografie
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11:18 03.01.2017
Michael Zobel erzählt in „Sowjetparadies“ seine Lebensgeschichte, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Quelle: Heidrun Voigt
Zeesen

Sto Gramm, Arbeiter- und Bauernfakultät, Kolchos, Lizenzpakete, Neuererwesen, ZDF-Konverter, Planwirtschaft – Begriffe, die bei ehemaligen DDR-Bürgern Erinnerungen auslösen und anderen kaum etwas sagen. In Michael Zobels Buch „Sowjetparadies“ kommen all diese Dinge zur Sprache. Der Zeesener erzählt anschaulich von seinem Leben im deutschen Arbeiter- und Bauernstaat, seinem Studium im sowjetischen Bruderland und wie es nach der Wende für ihn weiterging. Zobels Sprache ist authentisch, sein Blick auf die sozialen Bindungen gerichtet. Der Autor zeichnet ein sachliches Bild seines persönlichen Lebensumfeldes und damit der Gesellschaftssysteme. Auf den Seiten finden sich viele Fotos. Ein Gefühl wie beim Blättern im Familienalbum stellt sich ein und der Leser ist mittendrin, in den Erinnerungen.

„Wer hat damals schon so lange in der Sowjetunion gelebt? Ich habe recherchiert und niemanden gefunden, der darüber berichtet, also habe ich angefangen, meine Erfahrungen aufzuschreiben“, erzählt der 68-Jährige. Geholfen haben ihm dabei die Briefe, die der gebürtige Berliner während des Studiums an seine Eltern in Mahlsdorf schrieb. Dort erzählte er von seinem Alltag und bedankte sich für die sogenannten Lizenzpakete mit harter Wurst, Klebeband, Waschpulver, Bleistiftminen und Stollen. Letzteren gab es wegen dessen Haltbarkeit das ganze Jahr über von Zobels Mutter. Vierteljährlich durfte ein Lizenzpaket – maximal zehn Kilogramm schwer und mit staatlichem Erlaubnisschein – an DDR-Studenten in der Sowjetunion geschickt werden. Michael Zobel erzählt von russischer Gastfreundschaft, Geburtstagen mit Sto Gramm (100 Gramm Wodka, die auf ex getrunken wurden), zubetonierten Duschabflüssen, Entlausungsanstalten und mathematischer Analysis.

Autor schwärmt von Reisen in den Kaukasus

Der Autor studierte von 1968 bis 1975 Maschinenbau in Charkow, der heutigen Ukraine. Nach seiner Ausbildung im Funkwerk Köpenick wurde er auf der Arbeiter- und Bauernfakultät in Halle aufs Auslandstudium vorbereitet. Das Leben im Studentenwohnheim betrachtet er humorvoll. Und er schwärmt von Reisen in den Kaukasus, nach Armenien und Wolgograd. „Wir seien ihre Freunde, weil wir in der DDR auch von den Russen unterdrückt würden, empfingen uns drei armenische Studenten am Flughafen. Uns klappt der Unterkiefer runter, hatten wir doch gelernt, dass alle Sowjetmenschen eine große, tolle Familie sind“, erinnert er sich.

Mit genau 860 Ostmark hat Zobel als Absolvent in der Forschungsabteilung der Werkzeugmaschinenfabrik Marzahn 1975 angefangen. Nach der Wende wurde ihm gekündigt und er war als Vertriebsingenieur unterwegs. Bis zu seinem Ruhestand 2012 arbeitete der Zeesener als Techniker.

Knapp zwei Jahre bis zum fertigen Buch

„Es ist heute relativ einfach, ein Buch zu veröffentlichen. Bei meinem Verlag habe ich die Dateien hochgeladen und eine ISBN-Nummer bekommen. 35 Exemplare musste ich kaufen“, so der Autor. Lektoriert und vermarktet werde das Buch natürlich nicht, räumt er ein. Knapp zwei Jahre hat Michael Zobel an seiner Autobiografie gearbeitet. Mit einer Lesung bei der Zeitzeugenbörse in Berlin stellte er sein Werk vor. „Ich mache mir keine Illusionen und erwarte nicht, ‚reich’ zu werden, aber ich freue mich über das gebundene Buch mit dem Cover, das ich selbst gestaltet habe.“

Rückblickend stellt Zobel fest, er habe sich nie gegen das System gewehrt, aber oft mit ihm gehadert, etwa, wenn ein Nachbar einen politischen Witz erzählte und dafür ins Gefängnis musste. Neubauwohnung, Auto, Wochenendgrundstück und eine Reise pro Jahr – das sei alles gewesen, was man mit 40 Jahren in der DDR erreichen konnte. Es habe keine weitere Perspektive gegeben, so Michael Zobel nachdenklich. Und heute? Reisen und seine Bienenvölker sind dem Zeesener und seiner zweiten Frau wichtig: „Wir genießen das Leben, so wie es ist, und freuen uns jeden Tag, dass wir in einer Gegend wohnen, in der andere Urlaub machen.“

Michael Zobel „Sowjetparadies“, 11,99 Euro, ISBN 978-3-7345-2683-1.

Von Heidrun Voigt

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