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Zeuthen Im Kampf gegen die Abrissbirne
Lokales Dahme-Spreewald Zeuthen Im Kampf gegen die Abrissbirne
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18:24 15.10.2018
Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil (4. v. l.) vor der Dussmann-Villa in Zeuthen im Gespräch mit der SPD-Landtagsabgeordneten Tina Fischer (3. v. l.) und Zeuthenern. Quelle: Josefine Sack
Zeuthen

Vor einem Jahr ging ein Aufschrei durch Zeuthen. Wenige Meter vom Ufer des Zeuthener Sees entfernt, in der Havellandstraße, wurde eine alte Villa abgerissen. Das Haus mit dem kleinen Türmchen – typisches Merkmal für die Villen der Zeuthener Bäderarchitektur aus der Gründerzeit – stand nicht auf der Denkmalliste. Das zuständige Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald hatte die Genehmigung für den Abriss erteilt.

Die Havellandstraße in Zeuthen: Wo einst eine Villa thronte, steht heute ein Huf-Haus. Die traditionsreichen Holz-Glas-Fertigbauten aus dem Westerwald liegen im Trend. Quelle: Andrea Müller

Ein Jahr später stehen Martina Mieritz (SPD), Gemeindevertreterin, und Marco Wiegand (CDU), sachkundiger Einwohner, in Zeuthen kopfschüttelnd vor dem Grundstück. Die SPD-Landtagsabgeordnete Tina Fischer (SPD) und zwei Bürger sind ebenfalls gekommen. Nie wieder dürfe ein solcher Fehler passieren, haben sich alle nach dem Abriss geschworen – und die brandenburgische Kulturstaatssekretärin, Ulrike Gutheil (parteilos), eingeladen. Von ihr erhoffen sich Mieritz, Wiegand und die anderen Unterstützung für den Erhalt der für den Ort prägenden Villen-Architektur.

Beliebt bei reichen Berlinern

Um die Jahrhundertwende entstanden am Zeuthener See viele Bauten im Bäderstil. Die Villen orientieren sich an der Architektur der Ostseebäder.

Berliner, die es sich leisten konnten – vor allem Kaufleute und Prominente, darunter die Schauspielerin Leni Riefenstahl, der Komponist Paul Dessau sowie der bekannte Unternehmer Rudolph Hertzog – zogen damals nach Zeuthen. Ein Wochenendhaus vor den Toren Berlins war in den Goldenen Zwanzigern gefragt.

Der Stil der Villen geht auf die Gründerzeit zurück und reicht bis in den Jugendstil hinein. Die wenigsten stehen jedoch unter Denkmalschutz.

Steigende Grundstückspreise in Zeuthen

Am Montag machte sich Gutheil vor Ort ein Bild. Wo einst die stattliche Villa thronte, steht heute ein Huf-Haus. Die traditionsreichen Holz-Glas-Fertigbauten aus dem Westerwald liegen im Trend.

Der Zuzug in die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Folge sind steigende Grundstückspreise. Verglichen mit den Quadratmeterpreisen vor ein paar Jahren, zahlt man heute, zumindest in Ufernähe, das Vierfache, erzählt Marco Wiegand. Nur wenige Objekte stehen unter Denkmalschutz. Das Risiko, dass die geschichtsträchtigen Altbauten Investoren zum Opfer fallen und abgerissen werden, ist groß, befürchten die Anwesenden.

Neue Kriterien für Bäderarchitektur

„Es gibt Kriterien für Industriedenkmäler, aber keine zum Schutz der Bäderkultur, weil diese Architektur nicht typisch ist in Brandenburg“, beanstandet Martina Mieritz. Von der Staatssekretärin fordert die SPD-Politikerin diesbezüglich, über neue Kategorien nachzudenken. Es gehe um den Ensembleschutz, gut vier Kilometer am Ufer entlang.

Spaziergang durch Zeuthen: Die Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil (hinten links) besichtigt die ortsprägende Bäderarchitektur. Quelle: Josefine Sack

Die Staatssekretärin hat die Liste der Baudenkmäler im Ort dabei: „Ich muss zugeben, ich hätte mehr erwartet. Es sind nicht viele“, bestätigt Gutheil. Gerade einmal sieben Villen sind aktuell auf der Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege gelistet. Insgesamt befinden sich mindestens 16 Bau-, Kunst- und Gartendenkmäler in Zeuthen. Um die Bäderarchitektur künftig zu bewahren, schlägt die Staatssekretärin vor, die sogenannte Verdachtsliste zu erweitern: „Falls ein Abriss droht, ist das wie ein doppelter Boden“, erläutert sie. „Es guckt noch ein zweiter drauf.“ Die zuständige Bauordnungsbehörde kann dann nicht mehr ohne Weiteres eine Baugenehmigung erteilen.

Mehr Mitbestimmung durch Kommune

Gutheil hat noch einen anderen Vorschlag: Demnach will ihr Ministerium die Planungshoheit in Sachen Denkmalschutz in Zukunft verstärkt in die Hände der Kommunen legen: „Der Leitfaden kommt im September 2018“, kündigt die Staatssekretärin an. Mithilfe der Richtlinien könne die Gemeinde eine entsprechende Satzung zum Schutz historischer Altbauten erlassen.

Von Josefine Sack

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