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Zeuthen Sven Herzberger im 100-Tage-Interview
Lokales Dahme-Spreewald Zeuthen Sven Herzberger im 100-Tage-Interview
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00:25 01.05.2018
Sven Herzberger beim MAZ-Interview in seinem farbenfroh eingerichteten Büro im Zeuthener Rathaus. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Zeuthen

Zeuthens neuer Bürgermeister Sven Herzberger (parteilos) ist seit mehr als 100 Tagen im Amt. Mit der MAZ sprach er über die Ankunft in der Verwaltung, seine Ungeduld bei langwierigen Entscheidungsprozessen und woran er sich noch gewöhnen muss. Herzberger verrät auch, welche Themen und Projekte ihm aktuell, aber auch in der Zukunft am Herzen liegen.

Herr Herzberger, hinter Ihnen liegen gut 1000 Arbeitsstunden. Wofür haben Sie seit Ihrem Amtsantritt am meisten Zeit benötigt?

Sven Herzberger: (lacht) Ich weiß gar nicht, was mehr Zeit in Anspruch genommen hat: Für die Projekte, die ich im Wahlkampf aufs Tableau gehoben habe, Konzepte zu entwickeln oder die Verwaltung kennenzulernen. Ich bin in die Ämter gegangen und habe mir von den Mitarbeitern erklären lassen, was ihre Aufgaben sind. Der Austausch ist mir wichtig.

Was haben Sie bisher geschafft?

Natürlich können nicht alle anstehenden Projekte in einer Sitzung entschieden werden – und wir hatten ja erst zwei Gemeindevertretersitzungen seit meinem Antritt. Wir haben eine neue Hauptamtsleiterin gefunden, die zum 1. August anfängt (Herzberger hatte angekündigt, die Verwaltung neu zu organisieren und wieder ein Hauptamt zu bilden, das zentrale Verwaltungsaufgaben übernehmen soll, Anm. d. Red.). Insgesamt ist die Verwaltung transparenter geworden. Alle Vorlagen für die Gemeindevertretung sind online abrufbar und auch für die Gemeindevertreter hat sich einiges verbessert: Wir leiten alle Unterlagen direkt weiter. Das war vorher nicht immer so.

Sie sind als politischer Newcomer gestartet. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Ich musste erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, wie öffentliche Verwaltung funktioniert. Für jemanden wie mich, der aus der Privatwirtschaft kommt, läuft die Arbeit hier viel langsamer. Ich musste lernen, dass man insbesondere für Ausschreibungen viel Zeit einkalkulieren muss. Man braucht Durchhaltevermögen. Man muss viel Überzeugungsarbeit leisten und darauf achten, alle mit ins Boot zu holen. Das gelingt nur, wenn man für den Job brennt. Auch wenn ich erst einmal lernen musste, dass sich Entscheidungen nicht so schnell umsetzen lassen, kann ich sagen: Auch nach 100 Tagen macht es mir noch Spaß.

Und welche Erfahrungen haben Sie mit den Bürgern gemacht?

Ich werde jetzt plötzlich von Leuten, die ich nicht kenne, auf der Straße angesprochen. Dass das so ist, habe ich als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in Brandenburg nicht erwartet. Das ist eine große Umstellung. Neulich habe ich beim Italiener am Bahnhof eine Pizza bestellt und dann kommt da einer rein und fragt: ‚Herr Herzberger, wie geht‘s denn jetzt mit dem Tunnel am Bahnhof weiter?‘ Ich bin jetzt eine Person des öffentlichen Lebens. Das ist gewöhnungsbedürftig.

Welche Themen stehen aktuell auf Ihrer Prioritätenliste?

Ganz oben steht die Kitaerweiterung in Miersdorf. Zurzeit sind wir im Gespräch mit Eichwalde. Wir überlegen, ob wir gemeinsam eine Kita bauen. Auch eine gemeinsame Grundschule ist im Gespräch. Wir prüfen derzeit mögliche Standorte und die Finanzierung.

Mit Schulzendorf reden Sie diesbezüglich nicht? Immerhin sitzen alle drei Gemeinden, Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf, im Regionalausschuss.

Doch. Ursprünglich wollten wir das Thema zu dritt angehen. Aber die Schulzendorfer haben das Baufeld an einer anderen Ecke und andere Bedingungen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Gemeindevertreter nicht hinter ihrem Bürgermeister stehen. Wenn Schulzendorfs Bürgermeister etwas vorschlägt – die Erfahrung habe ich in einem Regionalausschuss gemacht – dann können Sie sicher sein, dass die Gemeindevertretung damit nicht einverstanden ist. Das ist schade. Denn wichtig ist doch, dass man gemeinsam an der Sache arbeitet. Generell kann ich sagen: Mit allen Bürgermeistern im Umland läuft die Zusammenarbeit gut. Das haben wir beim Thema Kreisumlage demonstriert.

Zur Person

Sven Herzberger (parteilos) ist seit dem 10. Januar im Amt.

Der 48-Jährige ist ein politischer Newcomer.

2017 wurde er als gemeinsamer Kandidat der Linken, FDP und der „Bürger für Zeuthen“ aufgestellt.

Herzberger stammt aus Straußberg (Märkisch-Oderland).

Er lebte lang in Berlin, wo er zuletzt als Anwalt arbeitete.

Seit 2004 lebt Herzberger mit seinem Partner in Zeuthen. Er hat einen erwachsenen Sohn. Herzberger ist passionierter Segler. Nach Feierabend genießt er es, bei einem Törn auf dem Zeuthener See zu entschleunigen.

Ihnen war es auch wichtig, Wildau wieder mit an den Tisch zu holen. Bei welchen Themen sind Sie im Gespräch?

Gerade diskutieren wir über die Entwicklung einer gemeinsamen Dachmarke für die Technologieregion. In Zeuthen haben wir das Desy. Wildau hat die Technische Hochschule und den Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt. Auch Königs Wusterhausen ist mit dem Funkerberg mit im Boot.

Der Sommer steht vor der Tür. Sie haben im Wahlkampf angekündigt , mehr Touristen nach Zeuthen zu locken. Gibt es – etwa in puncto Fährverkehr – schon konkrete Pläne?

Da sind wir dran. Meine Idee ist es, für den Siegertplatz einen Gastronomen zu finden. Restaurant klingt immer so teuer. Ich meine ein Café oder ein Restaurant mit einen Biergarten, ein Angebot, das sich wirklich jeder leisten kann. Dann müssen wir jemanden finden, der es dort attraktiv findet, Leute von der Wasserseite ankommen zu lassen. Mein Traum sind Bootstouren zu den Highlights von Zeuthen und Eichwalde. Man könnte das Seehotel anfahren, am Miersorfer Werder anlegen oder die Badewiese in Eichwalde anfahren ...

So ein Wahlkampf hinterlässt Spuren in der Gemeindevertretung. Wie viele Sitzungen braucht es, um wieder zueinander zu finden?

Das Verrückte ist: Am Ende der letzten Gemeindevertretersitzung meldete sich Herr Hees (Uwe Hees von der SPD-Fraktion ist im Dezember 2017 für Katharina Mieritz nach deren Fortzug nachgerückt, Anm. d. Red.) und sagte: ‚Über Jahre hat sich die Gemeindevertretung gestritten und zerledert. Seitdem ich hier bin, ist die Arbeit fraktionsübergreifend konstruktiv und angenehm.’ Genauso wie Herr Hees empfinde ich es auch. Natürlich versuchen die Fraktionen, sich zu profilieren. Das ist im politischen Betrieb auch in Ordnung. Das Wichtigste ist, dass wir sachlich über die Themen diskutieren. Und ich finde, das gelingt uns ganz gut.

Einen Vorgeschmack haben Sie im Wahlkampf bekommen: Wie schwierig ist es, gerade bei emotionalen Debatten, dauerhaft im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen?

Das ist gar nicht so schwierig. Ein Bürgermeister ist dann gut, wenn er nicht jedem Bürger alles recht macht. Er muss konsequent sein, an seinen Überzeugungen festhalten und schwierige Entscheidungen auch begründen können. Man muss transparent und offen sein, dann lassen sich auch unliebsame Themen vermitteln. Und was ganz wichtig ist: Man muss diejenigen, die in der Gemeinde aktiv sind, wertschätzen, indem man sie auch mal lobt.

Von Josefine Sack

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