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Zwischen Alltag und Ämtergang

Wildau Zwischen Alltag und Ämtergang

Sebastian Janz ist für viele junge Asylbewerber in Zeuthen, Eichwalde, Wildau und Schulzendorf ein wichtiger Mann: Er ist ihr Ansprechpartner und Berater in ganz vielen Alltagsfragen.

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Sebastian Janz vom KJV Wildau.

Quelle: Foto: Aaliyah Sarauer

Wildau. Sebastian Janz kennt zahlreiche junge Asylbewerber in der Region Zeuthen, Eichwalde, Wildau und Schulzendorf (ZEWS). Er hilft in seiner Funktion als Mitarbeiter des Vereins KJV vor allem bei Alltagsfragen. Der Verein ist in der ZEWS-Region ein großer Jugendhilfeträger. Aktuell besteht er aus zehn hauptamtlichen Mitarbeitern, die sich in der mobilen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Migrationsarbeit und Arbeit mit delinquenten Jugendlichen engagieren sowie der Unterstützung von Ehrenamtlern im Bereich der frühen Hilfe widmen. Zu den Aufgaben des Vereins gehört seit 2016 auch die Migrationsarbeit.

Früher Jugendpfarrer in Brandenburg/Havel

Der Diakon Sebastian Janz ist für diese Aufgabe seit einem halben Jahr verantwortlich. „Ursprünglich komme ich aus Flensburg. Meine soziale Ausbildung habe ich damals noch in Schleswig-Holstein gemacht“, sagte er. In Berlin Spandau hatte er dann am Johannis-Stift seine viereinhalb Semester theologische Ausbildung absolviert. Anschließend arbeitete er in Teltow und wurde Jugendpfarrer in Brandenburg an der Havel. Letztendlich entschloss er sich jedoch, einen Schritt außerhalb der Kirche zu gehen. „Die Motivation ist immer noch die Gleiche. Und ich glaube, was Diakone gut können, ist für Menschen da zu sein und für Menschen zu arbeiten, für die sonst kaum jemand arbeiten wird.“

90 Kinder und Jugendliche sind seine Klienten

Und so hilft Janz Kindern und Jugendlichen mit Fluchtgeschichten. Seine Arbeit setzt sich aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Zum einen gibt es die klassische Einzelfall-Hilfe. Rund 90 Kinder, Jugendliche und deren Familien aus den unterschiedlichsten Ländern gehören zu seinen Klienten. Von der Übersetzung eines Briefs, der nicht verstanden wurde, bis hin zu Arztbesuchen oder Regeln wie Schulpflicht unterstützt er die Menschen. „Ich bin aber auch immer ein Fan der Idee, die Menschen erst mal in ihrer Verantwortung zu lassen. Alleine die Zahl sagt schon, dass ich nicht jeden Tag bei jedem bin.“

Bindeglied zur Verwaltung

Auf der anderen Seite versteht sich Sebastian Janz als ein Bindeglied zwischen Verwaltung, Politik und diesen Menschen. Ihm ist es wichtig, an bestimmten, schwierigen Stellen nachzuhaken. Wenn in der Verwaltung und Politik Beratung gewollt und notwendig ist, steht er den Akteuren auch dort zur Seite. Gerade in seiner Arbeit mit Menschen verschiedenster Herkunft und Kultur spielt das Thema Toleranz eine wichtige Rolle. „Für mich ist Toleranz keine Einbahnstraße. Und es ist auch etwas, was ich einfordern muss von meinem Menschen gegenüber“, sagte Janz.

Arbeit mit Burka-Trägerin

Er berichtete von seinen Erlebnissen mit einer Frau aus Tadschikistan. Er arbeitete mit ihr anderthalb Jahre zusammen, ohne sie je ohne ihre Burka gesehen zu haben. „Ich muss zugeben, ich habe mich innerlich im ersten Moment immer erschrocken.“ Er begleitete sie zu verschiedenen Terminen und oft kam es zu Auseinandersetzungen.

„Ich habe mit ihr darüber gesprochen. Nach der aktuellen Rechtslage ist es erlaubt, auf offener Straße eine Burka zu tragen. Ich habe ihr aber auch gesagt, dass mich das irritiert und dass ich auch Schwierigkeiten damit habe, das zu begreifen“, sagt Janz. „Sie hat das Recht, das zu tun, aber sie merkt auch, was das auslöst und sie muss entscheiden, was das für sie bedeutet. Das hat sie dann auch getan. Meine Aufgabe ist es, das zu akzeptieren.“

Integration durch Fragen

Bei diesem Thema sieht Sebastian Janz die große Integrationsaufgabe. Fragen stellen zu dürfen, spielt dabei eine sehr bedeutende Rolle. „Natürlich gibt es Fragen und natürlich stellen sich auch Fragen, und so zu tun, als wäre das nicht so und als wäre alles ganz wunderbar, finde ich fahrlässig“, sagt Janz. Er fordert, dass man in einen gesellschaftlichen Dialog geht und miteinander spricht. Genauso warnt er vor zu einfachen Antworten. Die Thematik sei viel zu komplex und es sei auch komplizierter als die Hoffnung, dass sich alles irgendwie regelt. Man müsse etwas dafür tun. „Das möchte ich mit möglichst vielen anderen tun. Und dann glaube ich, kriegen wir das hier gut hin“, so Janz.

Von Aaliyah Sarauer

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