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Dahme-Spreewald Zwischen Vermarktung und Naturschutz
Lokales Dahme-Spreewald Zwischen Vermarktung und Naturschutz
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00:17 07.02.2016
Dieses Biotop ist eine wundervolle Brutstätte für den Wachtelkönig. Quelle: Bernd Ludwig
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Königs Wusterhausen

Das künftige Schicksal der über 620 Hektar großen Rieselfelder rund um Ragow und Deutsch Wusterhausen ist derzeit höchst umstritten, nachdem die Verrieselung der Abwässer 1990 eingestellt und die Leitung nach Waßmannsdorf gekappt wurde. Darüber informierte der Rangsdorfer Naturschützer Bernd Ludwig die Abgeordneten und Gäste in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung in Königs Wusterhausen.

Eigentümer der Flächen sind die Berliner Stadtgüter, die nach dem Wegfall der Stilllegungsprämien 2009 das Areal gern einer wirtschaftlichen Verwertung zuführen möchten. Diesbezüglich gelang es den Stadtgütern bereits, die Rieselfelder um Boddinsfelde, Ragow und Deutsch Wusterhausen aus dem Landschaftsschutzgebiet „Notte-Niederung“ herauszulösen. Alle anderen Bemühungen aber, teils über eine Verpachtung der Flächen an den Energiekonzern RWE dort dauerhaft erneuerbare Energien zu etablieren, misslangen. Der Versuch, dort etwa 20 Windräder aufzustellen, scheiterte bereits mehrfach. Auch das Anlegen einer Kurzumtriebsplantage (Kup), bei der schnell wachsende Bäume gepflanzt werden, um innerhalb kurzer Umtriebszeiten Holz als nachwachsenden Rohstoff für die Energiegewinnung zu produzieren, schlug fehl. Aufgrund des fehlenden Wassers vertrockneten fast alle Pflanzen.

Dennoch lassen die Berliner Stadtgüter auch jetzt nichts unversucht, um das Areal zu vermarkten. Der jüngste Vorstoß erstreckt sich nach Angaben des Naturschützers Bernd Ludwig auf die Errichtung eines insgesamt 110 Hektar großen Photovoltaikparks mit einer Leistung von etwa 50 Megawatt. „Das aber wäre ein unverantwortlicher Eingriff in die Natur“, sagte der Rangsdorfer Biologielehrer im Ausschuss. Ludwig begründet dies vor allem mit dem in dieser Steppenlandschaft vorhandenen Artenreichtum bei Pflanzen und Tieren. Hier seien über 60 Brutvogelarten anzutreffen, wovon 35 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten des Landes Brandenburg verzeichnet sind. Ganz oben steht der Wachtelkönig mit allein 61 Revieren. Naturschützer entdeckten auch schon Vögel wie den Wendehals, die Grauammer oder den Baumpieper. Der Landesverband Brandenburg des Naturschutzbundes und der Regionalverband Dahmeland beantragten daher am 18. Dezember 2015, Rieselfelder wie etwa den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer als Europäisches Vogelschutzgebiet auszuweisen und somit die Pläne zur Errichtung Photovoltaikanlage zu stoppen. „Unter diesen Anlagen wächst nichts mehr. Außerdem könnten die Vögel dann auch nicht mehr brüten“, sagte Ludwig.

Stadtplanerin Kerstin Koffke sagte, dass die Rieselfelder in Deutsch Wusterhausen im Flächennutzungsplan der Stadt als landwirtschaftliches Areal ausgewiesen sind. Bei Photovoltaikanlagen müsste hingegen von einem Sondergebiet ausgegangen werden. Eine solche Änderung aber lehnte der Ausschuss ab und folgte damit den Ansichten der Naturschützer. Ausschussvorsitzender Reinhard Wenzel (SPD) sprach sich sogar dafür aus, perspektivisch wieder eine Eingliederung der Rieselfelder von Boddinsfelde, Ragow und Deutsch Wusterhauen in das Landschaftsschutzgebiet „Notte-Niederung“ zu erwirken.

Von Franziska Mohr

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