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Zwischen Windflügeln und Wasserrädern

Mühlentag in der Region Dahmeland-Fläming Zwischen Windflügeln und Wasserrädern

Anlässlich des Deutschen Mühlentages am Pfingstmontag waren auch in der Region technische Denkmäler für Besucher geöffnet, darunter die Obermühle Gottsdorf, die Schlossmühle Königs Wusterhausen, die Bockwindmühle Gölsdorf sowie die Scheunenwindmühle Saalow. Bei Führungen erfuhren die Besucher Wissenswertes über die historischen Gebäude.

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Die Bockwindmühle in Gölsdorf.

Quelle: Lisa Blech

Dahmeland-Fläming. Pfingstmontag ist deutschlandweit Mühlentag, zu dem die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung gemeinsam mit ihren Landes- und Regionalvereinen einlädt. Und auch in der Region Dahmeland-Fläming sind zu diesem Anlass technische Denkmäler geöffnet. So konnten interessierte Besucher wieder einmal einen Blick hinter die dicken Mauern, Holztüren und Wasserräder der Mühlen in der Region werfen.

Geöffnet war unter anderem die Obermühle Gottsdorf. Die historische Wassermühle gehört schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Familie Röthel. Die Produktionsstätte soll schon seit dem 13. Jahrhundert existieren. Die Mühle, die wie ein größeres Wohnhaus aussieht, lässt von außen nicht vermuten, was sich darin verbirgt. Daran schließt sich außerdem ein Bio-Bauernhof an, auf dem das Getreide für die eigene Mehlherstellung angebaut wird. Bis heute wird das in der Mühle produzierte Mehl an Bäcker aus der Umgebung geliefert und trägt somit zum Erhalt traditioneller regionaler Handwerke bei.

In der Gottsdorfer Mühle wurde es angesichts der vielen Besucher eng.

In der Gottsdorfer Mühle wurde es angesichts der vielen Besucher eng.

Quelle: Lisa Blech

Ab 10 Uhr wurden Führungen durch die Wassermühle durch den Altmeister Martin Röthel angeboten, der die Herstellung des Mehls erläuterte. Über drei Ebenen des Hauses hinweg konnten Besucher hautnah die Produktion miterleben. Das Ehepaar Arndt aus Luckenwalde war nach der Besichtigung des Wasserrades, das sich unter dem Haus befindet, bei der Mühlenführung dabei. Beide waren bei dem schönen Wetter mit dem Fahrrad nach Gottsdorf gekommen. „Die Natur ist gut und an Pfingsten fährt man doch gern mit dem Rad los. Da ist die Mühle ein gutes Ziel“, sagten sie.

Überwiegend Sonnenschein empfing auch die zahlreichen Besucher in Saalow, wo der Mühlentag traditionell mit dem Dorffest verbunden wird. Während die Schaulustigen sich beim Pilzhof Piesker, dem Wassersportclub oder dem Verein „Pro Mellensee“ umsahen oder Handarbeiten der Bastelgruppe erwerben konnten, sammelten sich am Eingang zur Scheunenwindmühle Neugierige. Sieben- bis achthundert Besucher kommen an so einem Mühlentag zum Gucken, Staunen und Fragen. Klar, dass an diesem Tag nicht die sonst an Sonntagen üblichen halb- bis dreiviertelstündigen Führungen angeboten werden. „Wir öffnen heute nur die untere Etage mit der ’hölzernen Turbine’“, erklärte Vereinsvorsitzende Marianne Frey. Anders könne sie mit vier Mitstreitern die Besucherflut nicht bewältigen. Auch wurde kein Eintritt verlangt, doch viele Besucher gaben gern eine Spende.

Marianne Frey (l.) mit Besuchern an der Saalower Mühle.

Marianne Frey (l.) mit Besuchern an der Saalower Mühle.

Quelle: Andrea von Fournier

Die Radwandergruppe von Günter Mehlitz aus Rangsdorf hatte sich ebenfalls auf die 36 Kilometer lange Tour zum Mühlentag gemacht. Marianne Frey konnte Besucher begrüßen, die zuvor die Gadsdorfer Mühle und anschließend die Schlossmühle in Königs Wusterhausen besichtigten. Übrigens kann die in der Region einmalige Mühle demnächst mit deutlich mehr ausländischem Besuch rechnen: Die Saalower sind stolz, dass ihre Mühle auf dem Dorfanger gerade bei T.I.M.S. registriert wurde, einer internationalen Mühlen-Vereinigung. Tschechische Gäste waren bereits da. Es gibt viel zu tun für den Mühlenverein, der bis vor kurzem auch das Dorffest ausrichtete. Diesmal organisierten es Ortsbeirat und Freiwillige Feuerwehr.

Auch an der Mühle in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss in Königs Wusterhausen war jede Menge los. Der Eigentümer An-dreas Jahn erzählte den Besuchern von der Historie des Gebäudes. „Die erste Erwähnung der Schlossmühle erfolgte im Jahr 1366, 1960 wurde der Mahlbetrieb zur Mehlherstellung eingestellt und bis 1991 wurde Mischfutter erzeugt“, sagte er.

Eigentümer Andreas Jahn (r.) erklärte Besuchern die Funktionsweise der Schlossmühle.

Eigentümer Andreas Jahn (r.) erklärte Besuchern die Funktionsweise der Schlossmühle.

Quelle: Christian Dederke

Während das Ehepaar Lochte aus Sperenberg die Mühle besichtigte, weil sie auf seinem Weg durch Brandenburg lag, erstellten sich die Eheleute Friedrich eine genaue Route: „Wir haben uns einige Mühlen herausgesucht, die wir besichtigen möchten, uns interessiert die alte Technik“, berichteten sie. Während der Innenausbau des Gebäudes in Königs Wusterhausen an eine klassische Mühle erinnert, ist sie von außen funktional gehalten und erinnert nicht auf den ersten Blick an eine Mühle im klassischen Sinne. Familie Behrmann aus Zernsdorf bedauert das: „Heute sehen wir die Mühle zum ersten Mal von innen und halten das Gebäude für eine Bereicherung der Stadt. Es macht Königs Wusterhausen interessanter. Das kann man leider nicht von außen erkennen.“ Denn erst die Betrachtung von innen lässt die Bedeutung der Mühle als Wahrzeichen der Stadt begreifen. Die Mühle wird gegenwärtig saniert und steht nach Baufertigstellung der Öffentlichkeit nahezu unverändert zur Besichtigung und als Eventraum zur Verfügung.

Die Bockwindmühle in Gölsdorf war zum deutschlandweiten Mühlentag ebenfalls offen und lockte besonders die Radfahrer aus der Region an. Erstmals 1195 urkundlich erwähnt, musste die Mühle nach dem Dreißigjährigen Krieg beinahe neu erbaut werden und produzierte von da an emsig. 1984 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt und die Bockwindmühle seitdem mit Unterstützung ansässiger Handwerksbetriebe rekonstruiert und saniert.

„Im Jahr 2014 waren die Arbeiten abgeschlossen.“, erzählt Reinhard Fromm, Vorsitzender des Fördervereins Gölsdorfer Mühle. „Am Ende blieb sogar ein wenig Geld übrig, sodass wir noch eine kleine Halle bauen konnten, um die alte Technik auszustellen.“ Am Mühlentag im vergangenen Jahr konnte so die Bockwindmühle mit voller Funktionsfähigkeit der Mühlentechnik präsentiert werden. Und auch in diesem Jahr lockte das Gebäude wieder zahlreiche Interessierte an.

„Die Mühlengeister sind dieses Jahr leider nicht da, da sie sich in der Auflösung befinden. Letztes Jahr sind sie auch nur in dezimierter Zahl aufgetreten“, erklärte Fromm. Damit ist die örtliche Theatergruppe gemeint, die seit 1999 besonders am Mühlentag immer wieder die Gäste begeisterte. Jedoch traten um 11 Uhr die Kinder des Kindergartens sowie um 13 Uhr die „Kulturmuffel“ auf, um den Besuchern auch außerhalb der Mühle einen wunderschönen Pfingstmontag zu bereiten.

Von Lisa Blech, Andrea von Fournier und Christian Dederke

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