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Das Drama geht weiter

Oranienburg Das Drama geht weiter

Nachdem bei der Sanierung des Gebäudes der Jüdischen Gemeinde Schwamm und Schimmel entdeckt wurden, hat der Starkregen zu weiteren Schäden geführt. Die Kosten übersteigen längst die Möglichkeiten der Gemeinde, die jetzt den Erbpachtvertrag mit dem Kreis kündigen will.

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Elena Miropolskaja ist entsetzt: Nach dem Regen ist der Schimmel im Gebälk wieder da.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Sie fühle sich einfach elend, sagt Elena Miropolskaja. „Es ist unser Haus gewesen, in guter Lage für unsere aktive jüdische Gemeinde, die jedem offensteht.“ Doch nun das Aus, weil das Gebäude an der Sachsenhausener Straße 2 fast eine Ruine ist. Ob das denkmalgeschützte Gemäuer zu retten ist? Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde „Wiedergeburt“ des Landkreises mit 120 Mitgliedern, bezweifelt das. Fest steht: Die Gemeinde hat das Geld, das jetzt für die Sanierung erforderlich ist, nicht. Hat in seiner Not am 15. August den Erbpachtvertrag mit dem Landkreis gekündigt. Der verbindet beide seit 14 Jahren.

Begleitet von Architekten, Gutachtern und Denkmalschützern läuft die Sanierung des Hauses seit Monaten. Nach neuen Fenstern und neuer Elektrik wurde der Dachstuhl repariert. Dabei stellte sich heraus: Alles ist von Schwamm und Schimmel befallen. Die Kosten explodierten von 265 000 auf 340 000 Euro. Die Stadt wollte 26 000 Euro zuschießen, das Land sagte 100 000 Euro Förderung zu. „Und ich habe jahrelang Geld gesammelt für die Renovierung. 90 000 Euro haben die Mitglieder bisher ausgegeben.“ Die scheinen nun unwiederbringlich verloren. Denn beim Starkregen am 29. Juni lief es in Strömen durch das mit Folie abgedeckte Dach. Die Decken kamen herunter. Strom und Heizung mussten ausgeschaltet werden. Eingelagertes, wie PC und Alarmanlage wurden nass und sind kaputt. Die Woba half und stellt den Laden vis a vis zur Verfügung. „Hier können wir bis Jahressende bleiben, zahlen nur Strom und Nebenkosten. Ich möchte der Woba ausdrücklich danke sagen“, so Miropolskaja. Auch andere boten Hilfe an. Veranstaltungen der Gemeinde, wie Deutschkurse und Malkurse finden im benachbarten Regine-Hildebrandt-Haus statt.

Nach dem Abschlagen des Putzes die nächste Hiobsbotschaft: Tragen die Häuserwände überhaupt den bereits reparierten Dachstuhl? Man kann durch die vielfach geflickten Ziegelwände nach draußen sehen! Auch hier sind die Fachwerkbalken verfault. Seit 10.August gilt ein Baustopp. „Zudem haben uns alle drei Versicherungen gekündigt, zahlen nichts.“

Die Jüdische Gemeinde hat nun zusammen mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden den Antrag gestellt, den Erbbaupachtvertrag zu lösen. Elena Miropolskaja hofft, das der Kreistag dem im Oktober oder zumindest bis Jahresende zustimmt. Wann sie genau aus dem Vertrag rauskönnen, weiß sie nicht.

„Derzeit warten wir zudem auf das Ergebnis des unabhängigen Baugutachters“, so Miropolskaja, der am Freitag sich das Dilemma besehen hat. Das Land habe inzwischen seine Förderzusage storniert. Für den 19. September hat die Jüdische Gemeinde zu einem Vor-Ort-Termin Kreis, Denkmalschutz, Stadt und Ministerium eingeladen – „mal sehen, wie es weitergehen kann“. Bleibt die Suche nach einem neuen Domizil. Am 20. September findet das Jüdische Neujahresfest statt. „Wir sind obdachlos, aber irgendwie werden wir es feiern.“

Von Heike Bergt

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