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Die Fahrprüfungen sind heute viel schwerer

Führerschein in Brandenburg Die Fahrprüfungen sind heute viel schwerer

Der Jüterboger Arno Reich ist seit fast 40 Jahren Fahrlehrer. In der Region Teltow-Fläming ist er als Sachverständiger auch für die Überprüfung von Fahrschulen verantwortlich. Wir haben ihn getroffen, um über die Fahrprüfungen, den eigenen Fahrstil und das Leben als Berufs-Beifahrer zu sprechen.

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Der Jüterboger Arno Reich hat seit 1977 rund 5000 Menschen durch die Führerscheinprüfung mit dem Auto, Lastwagen oder Bus gebracht. Hoffnungslose Fälle gab es wenige.

Quelle: Uwe Klemens

Jüterbog. Der Jüterboger Arno Reich (60) ist seit fast 40 Jahren Fahrlehrer. Er hat nicht nur ausgebildet, sondern auch als Prüfer auf der Rückbank gesessen und ist als Sachverständiger auch für die Überprüfung von Fahrschulen in der Region verantwortlich.

Erinnern Sie sich an Ihre eigene Fahrprüfung?

Arno Reich: Na klar. Da war ich 17 Jahre alt und habe Berufskraftfahrer gelernt. Das ging von Luckenwalde nach Kolzenburg und zurück und hat vielleicht eine Viertelstunde gedauert.

Das klingt nicht nach intensiver Prüfung. Hat sich das verändert?

Reich: Damals kam es allein darauf an, das Fahrzeug zu beherrschen. Es gab ein paar Übungen und dann die kleine Runde mit einem Verkehrspolizisten. Das waren feste Strecken, auf die die Fahrschüler getrimmt worden sind. Heute ist die Prüfung schwerer, länger und komplizierter und Kompromisse gibt es nicht. Die Prüfer fahren kreuz und quer, so dass die Schüler alles beherrschen müssen. Damals ist jeder zehnte durchgefallen, heute fast jeder zweite. Und die Führerscheinkosten sind von 150 Mark auf 1500 Euro gestiegen. Heute wird aber auch viel mehr ausgebildet, bevor es zur Prüfung kommt, weil die Ansprüche gestiegen sind.

Wie sind Sie selbst Fahrlehrer geworden?

Reich: Ich wollte nicht mein Leben lang Kraftfahrer bleiben und habe deshalb meinen Kfz-Meister und 1977 meinen Fahrlehrerschein gemacht. Bis heute habe ich ungefähr 5000 Schüler durch die Prüfung gebracht. Von 1983 bis 1990 war ich auch Fahrprüfer, aber nach der Wiedervereinigung habe ich mich mit der Fahrschule selbstständig gemacht und durfte ab dem Moment nicht mehr gleichzeitig Prüfer sein.

Sind Ihnen manche Schüler in besonderer Erinnerung?

Reich: Meine älteste Fahrschülerin! Das war eine 73 Jahre alte Dame, deren Mann verstorben war und die nun selbst fahren musste. Sie hatte große Probleme mit der Schaltung, aber wir haben viel geübt und sie im ersten Versuch durch die Prüfung bekommen. Ein hoffnungsloser Fall war ein Bauer aus Rhinow. Der wollte die Spielregeln nicht einhalten und ich hab später immer nur gehofft, dass der mir nie irgendwo mit seinem Traktor entgegenkommt.

Gibt es Schüler, denen Sie abgeraten haben?

Reich: Nein. Ganz selten stimmt die Chemie nicht und dann übernimmt ein Kollege als Lehrer. Bei manchen fehlt aber einfach das technische Verständnis. Da übt man 20 Stunden lang einparken und sie drehen das Lenkrad noch immer bloß in irgendeine Richtung.

Wonach wählen Sie Ihre Übungsstrecken aus?

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eich: Es gibt natürlich Knackpunkte, auf die man die Schüler vorbereitet. Gleichrangige Straßen, Fußgängerüberwege, Ampeln mit grünem Pfeil. Das sind Schwerpunkte, an denen viel falsch gemacht wird, weil nicht geguckt oder angehalten wird. Geprüft wird das fahrschulmäßige Fahren und das ist anders als das tägliche Fahren. Wir fahren genau nach dem Tempolimit und es ist sehr selten, dass einer in der Prüfung zu schnell fährt. Die meisten fallen durch, weil sie beim Abbiegen die Fußgänger und Radfahrer nicht beachten.

Was ist neben den Regeln für Sie besonders wichtiges Wissen, das Sie Ihren Schülern vermitteln?

Reich: Die Achtung und Menschlichkeit untereinander. Im Straßenverkehr brauchen wir partnerschaftliches Verhalten. Das merkt man, wenn man ins Ausland fährt, wo man die Spielregeln vielleicht nicht so gut kennt. Dort wird mehr Rücksicht genommen. Wir in Deutschland pochen zu sehr auf unser Recht. Wir müssen mal warten und begreifen, dass der andere auch fahren möchte.

Als Fahrlehrer sind Sie auch Unternehmer – wenn ein Prüfling bestanden hat, ist er weg. Schielt man da nicht manchmal auf ein paar extra Fahrstunden vor der Prüfung?

Reich: Es gibt Fahrschulen, die so arbeiten. Da freut sich der Fahrlehrer, wenn sein Schüler durchfällt. Schulen mit wenigen Schülern versuchen diese ordentlich „auszufahren“. Ich war nie an solchen Spazierfahrten interessiert.

Empfehlen Sie lieber den Führerschein in einer intensiven Woche oder über Monate hinweg?

Reich: Der Lerneffekt ist am größten, wenn man am Tag mehrmals kurze Strecken fährt. Wenn man einen Intensivkurs macht und einen ganzen Tag lernt, hat man diesen Effekt nicht. Wer es sich zeitlich leisten kann, sollte deshalb lieber über einen längeren Zeitraum hinweg den Führerschein machen. Wenn ein Fahranfänger den Führerschein hat, heißt es nur, dass er fahren darf und nicht, dass er es auch kann. Das Fahrzeug beherrscht er vielleicht nach 40 000 Kilometern.

Worüber ärgern Sie sich besonders bei anderen Fahrern?

Reich: Dass man als Fahrschule überholt wird, obwohl wir am Tempolimit sind. Die Leute sagen sich, dass sie so ein Auto vor sich schnell loswerden müssten. Wir gelten als „fünftes Rad“ und viele haben kein Verständnis, wenn es mal etwas länger beim Anfahren oder Einparken dauert – und wenn dann noch gehupt wird!

Welche Regel missachten Sie selbst manchmal?

Reich: Wenn keiner in der Nähe ist, bin ich ein Blinkmuffel. Und beim Tempo bin ich ruhiger geworden.

Hatten Sie schon mal einen Punkt als Verkehrssünder?

Reich: Ja, wegen der Geschwindigkeit. Da habe ich einen Blitzer, den hier jeder kennt, übersehen.

Riskieren Sie da nicht Ihren Job?

Reich: Die Regeln für uns sind strenger. Wenn ich als Fahrlehrer einen Punkt habe, kriege ich eine gelbe Karte vom Straßenverkehrsamt. Bei weiteren Punkten würde man mir die Fahrschulberechtigung entziehen.

Was kann man einem erfahrenen Fahrer noch beibringen?

Reich: Früher gab es 52 Paragrafen in der Straßenverkehrsordnung. Heute sind die Regeln unüberschaubar geworden und die Unsicherheit ist an vielen Stellen enorm groß. Berufskraftfahrer müssen regelmäßig geschult werden und da merke ich, wie groß die Wissenslücken beim täglichen Handwerkszeug sind. Ladungssicherung, Parken und Halten, Lenk- und Ruhezeiten – da wird viel gestaunt.

Wie kommt Ihre Frau damit zurecht, wenn Sie Beifahrer sind?

Reich: Ich habe meine Frau selbst ausgebildet, aber sie lässt lieber mich fahren. Wenn ich bei anderen mitfahre, sage ich immer was und werte das gerne am Ende aus, wenn ich Fehler festgestellt habe. Darüber amüsieren die sich meistens. Wenn wir mit Freunden mit einem Mietwagen in den Urlaub fahren, kriege ich deshalb meist den Schlüssel und soll selber fahren. Da bin ich wohl selbst schuld.


Interview: Peter Degener

Von Peter Degener

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