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Dirk Bernhardt geht gern in die Luft

Oranienburg Dirk Bernhardt geht gern in die Luft

Mit 17 ist der heutigen Germendorfer Dirk Bernhardt das erste Mal allein als Segelflieger unterwegs gewesen. Der Diplomingenieur liebt das Fliegen, die technischen Anforderungen, die damit verbunden sind und auch die Freiheit weit über dem Boden. „Dort hat man ganz andere Gedanken“, sagt er.

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Traumhaftes Flugwetter auf dem Fluggelände. Thermischen Aufwinde unter den Wolken nutzen die Segelflieger.

Quelle: Sportverein/ Heike Bergt

Germendorf. Seinen ersten Alleinflug wird Dirk Bernhardt nie vergessen: Für die A-Prüfung drehte der damals 17-Jährige vom Flugplatz in Magdeburg aus eine „Platzrunde“. Sechs Minuten auf sich allein gestellt. Unvergesslich. Zwei Jahre zuvor hat er sich den Flugvirus eingefangen. „Fliegen ist eine hochinfektiöse Sache“, sagt der heute 55-Jährige und lacht. Wer das Gefühl erlebt habe, den lässt es nicht wieder los.

Der Modellbau habe schon immer eine riesige Faszination auf ihn ausgeübt. „Die Zeit fehlte zwischendurch, die Leidenschaft blieb.“ Studium, Familie, der Job als Diplomingenieur und Niederlassungsleiter einer Firma in Berlin waren zwischenzeitlich wichtiger, doch die Leidenschaft flammt immer wieder auf. Seit 1995 fliegt Bernhardt beim Segelflugverein bei Kassel, wo seine Frau zu Hause war, seit 2001 zusätzlich beim FTV Spandau. „Der entstand 1924 als Arbeitersportverein. Mit viel Engagement und wenig Material haben sich die Männer damals Segelflieger selbst gebaut. Anfangs ging es Sekunden in die Luft. Später Minuten.“

Heute sind es Stunden: Dirk Bernhardt war schon 400 Kilometer in der Luft bis zur Ostsee. Aber er winkt ab: „Die Profis schaffen 800 und mehr. Fliegen früh los, kommen abends zurück.“

An der Seilwinde oder per Flugzeugschlepper gelangen die Flieger aus Glasfaser mit Spannweiten um die 18 Meter in die Luft. Auf etwa 500 Metern Höhe wird ausgeklinkt. Dann gehen die Piloten im Cockpit auf Wolkensuche: Machen sie sich die Thermik zu nutze und „schrauben“ sich allmählich nach oben. Abhängig von den Lufträumen wird auf 1000 bis 2000 Metern Höhe gesegelt. „300 Meter unter der Wolke muss man aufhören, denn in der Wolke verliert man schnell Sicht und Orientierung.“

Auch wenn die Flieger heute nicht mehr Marke Eigenbau sind, sie in Schuss zu halten, bleibt das A und O: „Wir können schließlich nichts rechts ranfahren, wenn was ist.“ Was alles zu checken ist, ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Qualifikation dafür ebenso.

So ein Flugtag auf dem Platz in Neuruppin beginnt in der Regel gegen 10 Uhr. Technik checken, das Wetter, Startaufbau, jeden in die Luft bugsieren, abends die Flugzeuge waschen. Es braucht ein ganze Mannschaft für einen Flugtag. Saison ist zwischen März und Oktober, im Winter ist Werkstattzeit.

Dirk Bernhardt bildet inzwischen als Fluglehrer aus und hat häufig Fluggäste. „Wir sind kein geschlossene Gesellschaft, sondern freuen uns über Interessierte, suchen auch Nachwuchs.“ Handwerkliches Geschick und Zuverlässigkeit sind Voraussetzungen für den Flugsport. Und natürlich eine Portion Lust auf Abenteuer. 50 bis 60 Starts plus Theorie gehören zu Ausbildung. Der Monatsbeitrag für Schüler liegt bei zwölf Euro.

„Die ganz andere Perspektive“, fasziniert Dirk Bernhardt unverändert an der Fliegerei: „Man hat dort oben ganz andere Gedanken. Und die Bürodinge kann man am Boden lassen. Es beseelt einfach.“ Und wer ungewollt auf dem Acker notlanden muss? Das sei nichts ehrerühriges. Sicher landen sei oberstes Gebot. Aber einen ausgeben müsse man schon, wenn die Freunde einen abholen kommen. „Je weiter weg, um so besser!“

Hat seine Frau eigentlich Angst um ihn da oben? „Ja“, gibt der Germendorfer unumwunden zu. Mitgeflogen sei sie dennoch schon, „aber eher mir zuliebe.“

Der Flugtechnische Verein Spandau (FTV) besteht seit 1924, zählt aktuell 38 Aktive und verfügt über vier Segelflugzeuge (zwei Zweisitzer, zwei Einsitzer) und einen Motorsegler. Das Fluggelände befindet sich in Neuruppin. Fliegen darf man ab 14! Kontakt: Dirk Bernhardt, er ist technische Leiter im Vereine: 0170/6 34 57 96.

Von Heike Bergt

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