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Lokales Eine große Unbekannte
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18:20 10.08.2016
Iris Hahs-Hoffstetter Anfang der 1970er Jahre. Quelle: Gabriele Winter
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Zernsdorf

Wer von ihr weiß, sie kannte, findet viel Bewunderung für Iris Hahs-Hoffstetter. 30 Jahre lang lebte die 1908 bei Stuttgart geborene Malerin und Grafikerin in Zernsdorf. Dort starb sie am 12. August 1986. Vor fünf Jahren wurde an ihren damals 25. Todestag erinnert mit einer Hinweistafel an der Kapelle des Waldfriedhofs, in der sich ein ergreifender Holzschnitt der Künstlerin zu einem Psalm befindet.

In diesem Jahr jedoch bleibt die Erinnerung an jene Frau, die als Künstlerin ebenso sehr geschätzt worden war wie als Mensch, ganz privat. Die Tochter Gabriele und ihr Mann Jürgen Winter zeigen gern einige der Arbeiten, holen die Bücher hervor, die Iris Hahs-Hoffstetter illustriert hatte. Etwa den Sonnengesang des Franz von Assisi. Sie versuche, „eine Aussage zu dem jeweiligen Thema zu geben“, sagte Iris Hahs-Hoffstetter einmal. „Vielleicht ist diese Aussage für manchen Betrachter neu und ungewohnt, aber kann doch zu einer Bereicherung für ihn werden.“ Die Arbeiten – für sich – sprechen lassen, möglichst ohne Titelvorgabe das Spiel mit den Assoziationen zu wecken, war ein erklärtes Ziel.

Mehr als 600 Werke hat Iris Hahs-Hoffstetter geschaffen. Faszinierend sind auch ihre Wachskreidearbeiten, von denen eine enorme Fülle ab den späten 1960er Jahren entsteht. Erstaunlich ab-strakt, bestechen sie auch durch die Wahl der Farben, das Sujet, oft durchdrungen vom tiefen Glauben und doch von Allgemeingültigkeit.

„Straße“ nannte Iris Hahs-Hoffstetter dieses Wachskreidebild. Quelle: Karen Grunow

An der Kunstgewerbeschule Stuttgart hatte sie bis 1927 studiert. In jenem Jahr begegnete ihr der gut 20 Jahre ältere Erwin Hahs, der in Halle an der Burg Giebichenstein lehrte. Sie ging nach Halle, studierte bei ihm, später arbeitete sie als Werbegrafikerin für das örtliche Verkehrsamt. 1932 heirateten die beiden. Er malte seine junge Frau als „Die Schweigsame“. „Seine Frau war für ihn immer ein großes wunderbares Rätsel“, erzählen Winters. „Eine perfekte Mutter“, sagt Tochter Gabriele.

Im Jahr darauf verliert Erwin Hahs seinen Lehrstuhl, beide Künstler werden mit Berufsverbot belegt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird er neuerlich nach Halle berufen, 1952 dann verliert er den Professorenposten erneut. Das Ehepaar zieht 1956 mit den beiden Töchtern nach Zernsdorf, wo Erwin Hahs 1970 stirbt.

Beide sind Vergessene ihrer Zeit. Doch während sich mit ihm in jüngster Zeit mehrere Ausstellungen beschäftigten und bald ein umfangreicher Katalog zu seinem Werk erscheint, ist das Oeuvre von Iris Hahs-Hoffstetter noch immer nahezu unbearbeitet. Die Zernsdorferin Margit Mach hat bereits einiges akribisch zusammengetragen. „Ein Werkverzeichnis zu erstellen, wäre ein großes Ziel“, sagt Jürgen Winter. Seine Frau und er hegen die Hoffnung, dass sich Begeisterte des Künstlerpaares für einen Freundeskreis gewinnen lassen, um engagiert dafür zu sorgen, dass die beiden großen Unbekannten zu den bekannteren Künstlern ihrer Generationen zählen.

Von Karen Grunow

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