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Frankfurt (Oder) Wie weiter mit Kleist?
Lokales Frankfurt (Oder) Wie weiter mit Kleist?
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10:34 27.12.2018
Das alte Gebäude des Kleist-Museums und daneben der Neubau (rechts).+ Quelle: Patrick Pleul/ZB/dpa
Frankfurt/Oder

«Kleists Sprache mit ihrer Wortgewalt können Sie so richtig rausdonnern», sagt Hannah Lotte Lund. Die Begeisterung für den 1777 in Frankfurt geborenen Dichter ist der Direktorin des Frankfurter Kleist-Museum anzuhören. Sprachprojekte ließen sich mit Kleist-Texten wunderbar realisieren, meint sie. Ganz zu schweigen von den Themen in Kleists Werken – Familienehre, Gewalt in der Familie, Gerechtigkeit oder die Rolle der Frau. Alles sei hochaktuell. «Und seine Sprache ist viel besser zu verstehen, als beispielsweise die von Goethe», glaubt die gebürtige Flensburgerin, die sich jeden Tag mit der Frage beschäftigt, wie relevant Kleists Erbe heute noch ist.

Lund möchte, dass es unbedingt zum Pflichtunterricht der Abiturstufe gehört. «In einigen Bundesländern ist das auch so, gerade in Brandenburg allerdings nicht», macht die 47-jährige Literaturwissenschaftlerin deutlich. Jetzt scheint die Zeit reif dafür, denn das Frankfurter Kleist-Museum wird mit dem Jahresbeginn 2019 zu einer Landesstiftung. «Das Land Brandenburg hat sich Kleist jetzt als Kulturerbe ins Gesetz geschrieben», interpretiert die Museumsdirektorin. Was nach der politischen Entscheidung nun folge, seien zunächst viele Formalien – allen voran die Umwandlung der Trägerschaft vom bisherigen Förderverein hin zu einer Stiftung, die allerdings kein eigenes Kapital besitzt, wie die Direktorin betont.

„Damit lässt sich planen“

Statt dessen gebe es jährliche Zuwendungen – rund eine halbe Million Euro vom Land, mehrere Hundertausend Euro vom Bund, 80 000 Euro von der Stadt Frankfurt. «Damit lässt sich gesichert planen, wir haben erstmals einen Ankaufsetat für unsere rund 10 000 Bände umfassende Kleist-Bibliothek und können uns besser der Forschung widmen», zählt sie die Vorteile auf.

«Uns als Stadt hilft die dann stärkere Ausstrahlung des Museums und seine öffentliche Wahrnehmung dabei, überregional bekannter zu werden», freut sich Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Die Linke). Er lobt das Engagement des Landes – auch in Bezug auf das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) und das Museum «Junge Kunst», das jetzt gemeinsam mit Cottbus das Brandenburgische Landesmuseum «Moderne Kunst» bildet. «Als Stadt wären wir finanziell heillos überfordert», sagt Wilke und verweist auf das Frankfurter Haushaltsdefizit von rund 117 Millionen Euro.

Mehr als zehn Jahre lang, so erzählt Lund, die seit Mitte 2016 Museums-Direktorin ist, sei an einem Stiftungsmodell gearbeitet worden. «Letztlich scheiterte es immer am Geld.» Durch die verhinderte Kreisgebietsreform in Brandenburg seien dann plötzlich Mittel für die Kommunen übrig gewesen, beschreibt sie. Inhaltlich so richtig loslegen könne sie aber wohl erst 2020, schätzt Lund. Dann nämlich sollen auch drei neue Personalstellen geschaffen werden. Das Marketing und die Museumspädagogik liegen ihr dabei besonders am Herzen. «Die Schüler, mit denen unsere bisher nur stundenweise eingesetzte Museumspädagogin arbeitet, haben tatsächlich Spaß an den Projekten», hat die Direktorin beobachtet.

Ausstellung geplant

Selbst mit Kita-Kindern habe die Museumspädagogin bereits Theater gemacht. «Die Fünfjährigen konnten den Text extrem schnell und spielten Kleist», erzählt Lund noch immer hörbar beeindruckt. Sie würde auch gern auch mit Brandenburger Autoren zusammen arbeiten, sie und ihre Werke in die Schulen bringen. Langfristig Themen zu entwickeln, findet Lund ebenfalls wichtig. «2020 planen wir eine Ausstellung zu Kleist-Rezeptionen nach 1945. Wie also wurde im geteilten Deutschland mit Kleist und seinem Erbe umgegangen?» Politische Kulturgeschichte könne anhand des Dichters auf diese Weise dargestellt werden, hofft sie. Begleitend gebe es Workshops und öffentliche Debatten.

2019 komme niemand in Brandenburg an Theodor Fontanes 200. Geburtstag vorbei, weiß Lund. «Der märkische Dichter war zu Kaisers Zeiten auch Theaterkritiker. Er hat Kleist-Inszenierungen gesehen und beurteilt. Dem werden wir uns widmen.» Besucher sollen künftig durch attraktivere Ausstellungen ins Kleist-Museum gelockt werden. Derzeit kommen jährlich rund 20 000. Laut Lund geht da eindeutig mehr. «Es gibt zwar kaum noch Original-Exponate aus Kleists Zeiten, dafür aber viele künstlerische Arbeiten zu seinen Werken», sagt die 47-jährige Wissenschaftlerin. Auch diesem Zugang zum Dichter wird sich ein Ausstellung widmen.

Bundesweit will die Museumsdirektorin zudem auf die Suche nach Requisiten, Bühnenbildern und Kostümen von Kleist-Inszenierungen für eine Theaterausstellung gehen. Zudem solle das Museum verstärkt auch Schauspielern für Veranstaltungen als Bühne dienen. Im Ausland, so sagt sie, sei Kleist der am häufigsten gespielte deutsche Dramatiker.

Von RND/dpa/Jeanette Bederke

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