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Frankfurt (Oder) Die Qual der Stichwahl: Wilke gegen Wilke
Lokales Frankfurt (Oder) Die Qual der Stichwahl: Wilke gegen Wilke
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17:17 10.04.2018
René Wilke (links) tritt in der Stichwahl gegen den amtierenden , Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), Martin Wilke (parteilos), an. Quelle: dpa
Frankfurt (Oder)

Der gleiche Familienname und die gleiche Geburtsstadt Frankfurt (Oder) dürften so ziemlich die einzige Gemeinsamkeit der beiden Stichwahl-Kandidaten sein.

Denn während Martin Wilke (parteilos) weitermachen möchte wie in den vergangenen acht Jahren, denkt der andere, dass es Frankfurt besser gehen könnte. So jedenfalls lautet der Wahlspruch des Herausforderers René Wilke (Linke) vor der Stichwahl an diesem Sonntag.

Und damit konnte René Wilke, Brandenburger Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der Linken im Frankfurter Stadtparlament, im ersten Wahldurchgang deutlich punkten: Mit 43,4 Prozent der Stimmen setzte sich der 33-Jährige klar gegen seine vier Kontrahenten um den Oberbürgermeister-Posten durch.

Der parteilose Amtsinhaber Martin Wilke kam lediglich auf 20,2 Prozent der Wählerstimmen. Bei seiner ersten Wahl vor acht Jahren war der 60-jährige promovierte Physiker noch von einem breiten Parteienbündnis unterstützt worden und erzielte fast 60 Prozent.

Diesmal trat er als Einzelkandidat an, die etablierten Parteien versagten ihm die Unterstützung und schickten eigene Kandidaten ins Rennen. Dieser Umstand hat sich auch jetzt nicht verändert.

Amtsinhaber Martin Wilke tritt bei der Wahl als Einzelkandidat und nicht mehr für ein Parteienbündnis an. Das kostete ihn offenbar Stimmen. Quelle: dpa

„Wir hatten uns bewusst für einen eigenen Kandidaten entschieden, weil wir Martin Wilke nicht mehr überzeugend finden“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende Michael Möckel.

Keine Wahlempfehlung zu geben, sei da nur konsequent. Auf eine Wahlempfehlung verzichten auch die Sozialdemokraten, die allerdings das schlechte Abschneiden ihres eigenen Kandidaten zur Begründung anführen.

Der Herausforderer wird von Linken und Grünen unterstützt

Martin Wilkes Herausforderer wird auch in der Stichwahl am Sonntag sowohl von den Linken als auch den Grünen unterstützt.

Hinzu kommt jetzt noch die Frankfurter Bürger-Initiative, ein Bündnis, das sich Anfang des Jahres gegründet hat und sich offen für einen Neustart in Politik und Verwaltung der Oderstadt stark macht.

Hinter dem Kandidaten René Wilke steht eine neue Bürger-Initiative, die den amtierenden Oberbürgermeister kritisiert. Quelle: Privat

Dem Amtsinhaber lastet die Bürger-Initiative die schlechte Lage der Stadt an, vor allem in finanzieller Hinsicht. Das Minus in der Stadtkasse hat sich in den vergangenen Jahren auf jetzt rund 131 Millionen Euro summiert, der Haushalt für das vergangene Jahr wurde von der Kommunalaufsicht bisher nicht genehmigt.

Statt das Ruder herumzureißen, habe der aus der Wirtschaft kommende Oberbürgermeister alles „nur noch verschlimmert“, sagen seine Kritiker.

Wie entscheiden die Wähler der unterlegenen Kandidaten?

René Wilke gilt als Favorit und könnte jüngster Oberbürgermeister und erstes Stadtoberhaupt seiner Partei in einer kreisfreien Stadt in Brandenburg werden. Dennoch bleibt spannend, wie die Wähler der unterlegenen Kandidaten sich letztlich entscheiden.

„Ein Weiter so darf es nicht geben, einen Retter für Frankfurt brauchen wir aber auch nicht“, kommentiert Wolfgang Mücke von der FDP. Die AfD sei mit beiden Kandidaten nicht einverstanden, sagt Wilko Möller, einer der drei Bewerber, die bereits aus dem Rennen sind.

Die Stichwahl um den Chefsessel im Frankfurter Rathaus findet am Sonntag statt. Quelle: dpa

Das könnte sich in der Wahlbeteiligung bemerkbar machen: Schon im ersten Wahlgang gab nicht einmal jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme ab.

Martin Wilke wolle pragmatisch zu Ende führen, was er begonnen habe, betont er. Sein Kontrahent sieht sich nicht als die Lösung für Frankfurt, appelliert aber an die Bürger, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Erfahrung gegen frischen Wind

Mangelnde Kompetenz wird dem redegewandten René Wilke wegen seines jungen Alters von seinen Gegnern häufig vorgeworfen. Frischen Wind, einen neuen Politikstil à la französischem Staatspräsidenten Emmanuel Macron und die Einbeziehung der Bürger halten ihm seine Unterstützer zugute. War der gelernte Bürokaufmann im Wahlkampf doch direkt zu potenziellen Wählern für „Wohnzimmer-Gespräche“ nach Hause gekommen.

Von dpa