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Gegen Napoleons Truppen

Großbeeren Gegen Napoleons Truppen

Zum 203. Mal bereits wurde in Großbeeren ein Siegesfest zelebriert, um an die Schlacht bei Großbeeren gegen die Truppen Napoleons im Jahr 1813 zu erinnern. 300 Darsteller aus 65 Vereinen stellten die Schlacht nach. Zum ersten Mal marschierten auch Frauen bei den Truppen mit.

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Bei der Vorführung des Gefechtes von 1813: Die Lützower Jäger kämpfen für Preußen.

Quelle: Krischan Orth

Großbeeren. Der Kanonennebel über dem Feld ist verraucht. In den Leinenzelten der Soldaten werden Laternen entzündet. Die Schlacht ist vorbei. Verwundete und Verletze stimmen ihr nächtliches Klagelied an. Es ist das Jahr 1813.

Ganz so war es nicht in Großbeeren beim 203. Siegesfest am Wochenende. „Damals hatten die Soldaten keinen Biwak“, erklärt Jürgen Sonntag. Er gehört dem sächsischen Infanterieregiment Prinz Maximilian an. Einem von 65 Vereinen und 300 Darstellern bundesweit, die am Samstagnachmittag an das historische Gefecht von 1813 bei Großbeeren erinnerten.

Keine Zelte hieß damals, kein Schutz vor der Witterung. Zudem regnete es in Strömen, so dass die Soldaten von 1813 knietief im Matsch versanken. Die Sachsen kämpfen auf Seiten der napoleonischen Truppen, die mit drei Speerspitzen, von Süden kommend, Berlin erneut besetzen sollten. In Großbeeren hatten die Sachsen die größten Verluste zu tragen.

Beim Marsch der   Truppen von Heinersdorf nach Großbeeren marschierten  in diesem Jahr zum ersten Mal auch Frauen mit

Beim Marsch der Truppen von Heinersdorf nach Großbeeren marschierten in diesem Jahr zum ersten Mal auch Frauen mit.

Quelle: Krischan Orth

„80 Prozent der Verwundeten sind an Wundbrand gestorben. Viele sind schon auf den gewaltigen Märschen umgekommen,“ erzählt Sonntag. Er zeigt eine Feldflasche aus jener Zeit. Sie fasst 300 Milliliter. Auch die heutigen historischen Truppen versuchen ohne Strom und moderne Technik sowie auf Stroh schlafend, ein Gefühl für damals zu bekommen. Sie wollen das geschichtliche Geschehen nachempfinden. „Wir möchten Historie erlebbar machen“, so Sonntag. Einen „lebendigen Zugang zur Geschichte“ nennt der sächsische Hobby-Infanterist die Darstellung der Gefechte auf dem Feld. Gegenüber im Zeltlager bei den historischen Feinden sieht man es ähnlich. Einen Eindruck von jener Zeit könne man gewinnen. Ihnen sei aber bewusst, dass sie das Elend nicht darstellen oder nachempfinden können. Sie möchten zum Nachdenken über die Vergangenheit anregen.

Als die historischen Truppen am Samstag auf das Gefechtsfeld ziehen, säumt eine kleine Friedensdemo Einheimischer den Weg. „Vorführung historischer Waffen“ ist unter den Vereinen die gängige Parole. Auch um sich abzugrenzen gegen den Verdacht der Kriegsverherrlichung. „Sie mahnen auf ihre Weise an den Frieden“, sagt Organisator Marko Thiele.

Die   historischen Truppen legten am Sonnabendnachmittag  einen Kranz an der Bülow-Pyramide  nieder

Die historischen Truppen legten am Sonnabendnachmittag einen Kranz an der Bülow-Pyramide nieder.

Quelle: Krischan Orth

Thiele ist für die Planung der Gefechtsdarstellungen zuständig. Minutiös ist die Darbietung geplant. Thiele stellt nach damaliger Bezeichnung einen Kapitän der Sechspfündigen Fußbatterie No. 16 dar. Mit Funk ist er mit der französischen Seite verbunden. Da steht Colonel Andreas Feser, auch Mitglied der Fußbatterie des Großbeerener Vereins. Mit Befehlen aus der Historie wird die Schlachtordnung organisiert, dazu zählt Linienführung und Einhaltung der Sicherheitsabstände. 20 Geschütze sind auf beiden Seiten im Einsatz. Bei den Darstellungen gehen viele an ihre Grenzen, sagt Thiele. Vor allem haben sie an den Kanonen mit der Hitze zu kämpfen. Drei Schuss die Minute stellt in der Truppe den Rekord dar.

1813 hingegen regnete es wochenlang. Die Artilleristen hatten keine Lunte, um ihre Kanonen zu zünden. Laut Memoiren eines Unteroffiziers der historischen Sechspfündigen Fußbatterie konnte dieser aufgrund eines Blitzeinschlags an einem Baum die notwendige Glut für die Entzündung der Kanonen sichern. Die Bauern wurden zu Landwehren mobilisiert, Sensen zu Speeren geschmiedet. Den Oberbefehl über das Heer bekam Jean Baptiste Bernadotte zugesprochen – Überläufer, und einstiger Mitstreiter Napoleons. Die Franzosen hatten Großbeeren zerschossen und waren da bereits in die Ortschaft vorgerückt. Landwehrgeneral von Bülow sah im Nahkampf die einzige Möglichkeit, das Gefecht zu seinen Gunsten zu drehen. Mit seinem schnell ausgebildeten Landwehrheer rückte General von Bülow gegen Großbeeren, entgegen Bernadottes Befehl. Im Schutz des schlechten Wetters wurden die sächsischen Verbände auf dem Kirchfriedhof überrascht und überrannt, unweit der Schinkelkirche, die Friedrich Wilhelm III. für die siegreiche Schlacht den Großbeerenern spendete. Dort gedachten die historischen Truppen von heute mit einer Kranzniederlegung dem Gefecht. Am Sonntag fand dort die Friedensandacht der Kirchengemeinde statt.

Am Sonntag wanderten  Besucher des Siegesfestes „Auf den Spuren von 1813“ vom Gedenkturm bis zur Schinkelkirche

Am Sonntag wanderten Besucher des Siegesfestes „Auf den Spuren von 1813“ vom Gedenkturm bis zur Schinkelkirche.

Quelle: Krischan Orth

Von Krischan Orth

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