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Havelland 1000 Spraydosen für ein Mega-Bild
Lokales Havelland 1000 Spraydosen für ein Mega-Bild
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00:33 14.08.2015
Unten die Wärmeübertragestation vor der Gestaltung, oben das Kunstwerk Marco Brzozowskis. Quelle: privat
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Mögelin/Schwedt

Als Opus magnum (lat. für großes Werk) wird in der Kulturwelt das bedeutendste Werk einer Künstlers bezeichnet. Im Falle von Marco Brzozowski kann man das ruhig wörtlich nehmen. Das jüngst fertig gestellte Projekt des Fassadenmalers aus Mögelin ist wirklich ein großes Werk, und das im ursprünglichen Wortsinn. Genau 1130 Quadratmeter misst die Fläche, die der 30-Jährige kunstvoll gestaltet hat. Auftraggeber waren die Stadtwerke Schwedt, für die Brzozowski schon seit Jahren gestalterisch tätig ist.

Aber einen Koloss wie die Wärmeübertragestation, die in einem Schwedter Wohngebiet steht, hat der Profimaler noch selten vor der Spraydose gehabt. Zehn volle Wochen hat Brzozowski mit zwei Kollegen gebraucht, um die vier Seitenwände zu gestalten. Ein regelrechter Marathon: „Morgens um 8 haben wie angefangen, abends um zehn war Feierabend.“ Rund 1000 Farbdosen hat das Trio versprüht, um den tristen Klotz in einen strahlenden Hingucker zu verwandeln.

Zehn Wochen Arbeit mit zwei Mitarbeitern

Mit den zehn Wochen Arbeit am Objekt war es freilich nicht getan. Bereits im Winter hat Brzozowski am heimischen Computer den Entwurf erstellt. Und der hat es in sich. Wie bei vielen seiner Arbeiten hat der Künstler den Entwurf auf seinen Auftraggeber zugeschnitten. Im Falle der Stadtwerke lag es nah, ein technisches Thema auszuwählen. Brzozowski erzählt in seinen 16 Einzelbildern die Geschichte der Elektrizität: Der lehrreiche Bilderreigen fängt an bei Thales von Milet, der rund 600 v. Chr. die Entdeckung machte, dass Bernstein sich bei Reibung elektrisch auflädt und damit die Elektrizitätsforschung begründete. Über bedeutende Entdeckungen geht es im Megabild weiter – von Gilbert über Guericke, Franklin, Faraday bis zu Edison – und endet bei Nikola Tesla, der mit seiner Forschung über den Zweiphasenwechselstrom die Welt verändert hat.

Die Station liegt mitten in einem Schwedter Wohngebiet. Quelle: privat

Diese Einzelbilder hat Brzozowski nicht einfach nebeneinander auf die Fläche gemalt, sondern sie in eingebettet in eine antikisierende Fassade mit Säulen, Kapitellen und einem imposanten Treppenaufgang. Aus der Ferne kann man den Eindruck gewinnen, vor einem Museumstempel des 19. Jahrhunderts zu stehen. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich der räumliche Eindruck als raffinierte Täuschung. Ein ähnlicher Effekt wie bei dem jüngsten Rathenower Werk Brzozowskis in der Brandenburger Straße, bei dem der Betrachter meint, durch den Bismarckturm hindurch in den Rathenower Himmel zu blicken.

Marco Brzozowski bei der Gestaltung einer KWR-Giebelwand in der Brandenburger Straße in Rathenow Quelle: M. Kniebeler

„Monument der Elektrizität“ hat der Künstler das Schwedter Werk passenderweise genannt. Betrachter werden sich nicht nur an der Detailfreude der Zeichnung erfreuen können, sondern bei einer Umrundung des Blocks auch etwas über die Geschichte der Elektrizität erfahren. Eine Tafel mit kurzen Erklärungen zu den Einzelbildern hilft bei der Orientierung.

Nun könnte man denken, dass der Schöpfer auf einen solchen künstlerischen Kraftakt zur Entspannung mal was Kleines folgen lässt – ein Garagentor, einen Trafokasten, irgend so etwas. Weit gefehlt. Derzeit wird von Brzozowski ein kompletter Plattenbau in Schwedt vom hässlichen Entlein in ein farbenprächtiges Schmuckstück verwandelt. Und dann sind da noch die vier 30 Meter hohen Schornsteine eines Heizkraftwerks, denen er mit seiner Kunst zu ungewohnter Eleganz verhilft.

Fassadenkunst im Havelland

Marco Brzozowski ist seit 2006 als selbstständiger Fassadenkünstler tätig. Der gebürtige Mögeliner agiert mit seiner Firma „360art“ derzeit von Brandenburg/Havel. Noch in diesem Jahr ist eine Verlegung des Firmensitzes nach Rathenow geplant.

Werke Brzozowskis finden sich im Havelland zuhauf. Die zur Buga neu gestaltete Fassade des Einlaufwerks der Pumpstation in Premnitz etwa zählt zu den größten Werken hierzulande, aber auch Schulen, Trafohäuschen, Geschäftshäuser zwischen Rhinow und Brandenburg tragen Brzozowskis Handschrift.

Zuletzt gestaltete der 30-Jährige zwei Giebelwände der KWR in der Brandenburger Straße in Rathenow. Auf der einen ist die Geschichte der Optik dargestellt mit einem Porträt Dunckers. Auf der anderen sieht man den Bismarckturm mit der umgebenden Weinberglandschaft und dem eisernen Kanzler höchstpersönlich.

Von Markus Kniebeler

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