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13-Jährige stellt ihre Werke in Wustermark aus

Havelland 13-Jährige stellt ihre Werke in Wustermark aus

Eine Ausstellung mit Fotos der 13-jährigen Marie Braeschke ist in der Bürgerbegegnungsstätte in Wustermark (Havelland) zu sehen. Sie trägt den Titel: „Elstal mit anderen Augen“. Die Schülerin zeigt den Ort aus Sicht der Jugendlichen, die dort aufwachsen. Den Betrachter erwarten ungewöhnliche Motive, Blickwinkel und Perspektiven.

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Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren hat Marie Braeschke ungewöhnliche Ecken ihres Dorfes fotografiert. Kitschige Postkartenansichten findet man in der Ausstellung nicht.

Quelle: Markus Kollberg

Elstal. Das Genre der Heimatmalerei und Heimatfotografie ist gemeinhin ein relativ angestaubtes. Dass das nicht immer so sein muss, beweist die 13-jährige Marie Braeschke, deren Fotoausstellung „Elstal mit anderen Augen“ am Freitagabend in der Bürgerbegegnungsstätte des Ortes eröffnet wurde. Sie zeigt Elstal aus Sicht der Jugendlichen, die in dem Ort aufwachsen. Kitschige Postkartenansichten sucht man auf ihren Fotos vergeblich. Stattdessen gibt es Graffiti, verlassene Gebäude und Ruinen zu sehen. Also genau die Orte, an denen sich die Elstaler Jugend gerne trifft – fernab von Eltern und Aufsichtspersonen.

Diese Motive führten am Freitag dann doch teilweise zu einigen erstaunten Gesichtern bei den älteren Ausstellungsbesuchern. Ihnen musste Marie mit großer Geduld und viel Charme die einzelnen Bilder erklären. Den jüngeren dagegen war sofort klar, an welchen verlassenen Plätzen Marie ihre Fotos über einen Zeitraum von fast zwei Jahren aufgenommen hat. Besonders sind aber nicht nur die Orte, die Marie fotografiert hat, sondern auch die Perspektiven, die sie dafür wählte und die ihren Bildern den besonderen Charakter verleihen.

Woher das künstlerische Talent seiner Tochter stammt, kann sich ihr

Die junge Fotografin wählte ungewohnte Perspektiven

Die junge Fotografin wählte ungewohnte Perspektiven.

Quelle: Marie Braeschke

sichtlich stolzer Vater Wolfgang Braeschke kaum erklären. Maries Großvater habe zwar viel gemalt, doch er selbst und seine Frau seien künstlerisch nicht sonderlich begabt. „Vielleicht überspringt das Talent ja eine Generation“, mutmaßte er.

Gemeinsam mit seiner Tochter und dem Vorsitzenden des Heimatvereins Historia Elstal, Werner Moschall, der die Ausstellung unterstützt, eröffnete Braeschke die Bilderschau mit einer kleinen Rede vor den rund 50 Gästen. Einen besonderen Dank richtete er dabei an Tobias Bank, ebenfalls engagiertes Mitglied bei Historia Elstal, dem die Idee zur Ausstellung gekommen war. Bank kennt Marie schon lange, ist von ihrem Talent überzeugt und setzte sich deswegen dafür ein, dass die Ausstellung von Historia Elstal unterstützt wurde.

Auch Bank kennt die meisten Orte, die Marie dargestellt hat, noch aus seiner Kindheit und ist begeistert von den Details, die sie eingefangen hat. Immer wieder finden sich auf ihren Fotos kaputte Gegenstände und scheinbar achtlos liegen gelassene Überbleibsel vergangener Zeiten. Dabei bekommt Maries Ausstellung auch eine durchaus politische Dimension. Denn die meisten Orte, die sie fotografiert hat, wie beispielsweise den alten Elstaler Bahnhof, wird es bald nicht mehr geben.

Sie müssen Platz machen für die ehrgeizigen Pläne verschiedener Investoren. Das bringt zwar Schwung in den Ort, doch der Jugend brechen damit auch ihre Rückzugsorte weg. „Die meisten von uns finden das sehr schade“, sagt sie. Marie befürchtet, dass die Elstaler Jugend sich dann neue Rückzugsorte in anderen Gemeinden sucht. Daran würden auch gut gemeinte Einrichtungen wie Jugendclubs nichts ändern. So war auch ein wenig Wehmut unter den Ausstellungsbesuchern zu spüren.


Und wenn es sich anbot, dann gerne auch mal in Schwarz-Weiß

Und wenn es sich anbot, dann gerne auch mal in Schwarz-Weiß...

Quelle: Marie Braeschke

Marie selbst dagegen blickt zielstrebig nach vorne. Sie will später unbedingt auch im fotografischen Bereich arbeiten, nach dem Abitur möchte sie Kommunikationsgrafik und Mediendesign studieren. Schade findet es jedoch Marie, die auf dem Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen zur Schule geht, dass Fotografie nicht häufiger im Unterricht genutzt wird.

Einige Ausstellungsbesucher am Freitag waren so begeistert, dass bereits nach wenigen Minuten die ersten zwei der insgesamt 25 Werke verkauft waren. Weitere sollen in den kommenden Wochen – die Ausstellung ist noch bis zum 1. Dezember zu sehen – folgen. Während der gängigen Öffnungszeiten der Bürgerbegegnungsstätte und auf Wunsch auch auf Anfrage können die Bilder betrachtet werden.

Auch nach weiteren Ausstellungsmöglichkeiten wird momentan noch gesucht, denn 2018 plant Historia Elstal bereits zwei weitere Ausstellungen im Ort, unter anderem mit einem Künstler aus Indien. Bis es jedoch soweit ist, werden die Besucher sicherlich noch oft und gerne an diesen Abend zurückdenken. Denn in einem waren sich alle einig: So haben sie ihr Dorf noch nie gesehen.

Von Markus Kollberg

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