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Havelland 20.000 Besucher feiern Brandenburger Dorf- und Erntefest
Lokales Havelland 20.000 Besucher feiern Brandenburger Dorf- und Erntefest
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21:46 13.09.2015
Hier trifft Tier auf Technik: Der Umzug machte Teilnehmern und Zuschauern Spaß. Quelle: Tanja M. Marotzke
Paaren im Glien

Die sechsjährige Arianna Colleen hat seit kurzem einen neuen Berufswunsch: Baggerfahrerin. Nach kurzer Einweisung steuerte das Mädchen aus Falkensee am Sonnabend auf dem Brandenburger Landeserntefest in Paaren im Glien einen Bagger derart routiniert, als ob sie in ihrem Leben noch nie etwas anderes getan hatte. „Darf ich das gleich noch mal machen?“, fragte sie ihre Eltern und ihre Augen strahlten dabei. Genauso begeistert hatte sie vorher auch schon den Kuhstall der Agro Glien GmbH besichtigt, wo man den ganzen Tag über beim Melken zuschauen konnte. „Sie wird mal ein richtiges Landkind“, meinte ihre Mutter.

Lust aufs Landleben zu machen und Verständnis zu wecken für die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung: Das war eines der Anliegen des Landeserntefestes, das nach 2007 (Grünefeld) zum zweiten Mal in der Gemeinde Schönwalde-Glien stattfand. „Wir wollen zeigen, dass unsere Dörfer mehr sind als bloß Felder und Wiesen, Kühe und Schweine“, so Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). „In den Dörfern kommt es auf die Bürger an, die ihre Heimat als Chance begreifen, sich in Vereinen engagieren, das Gemeindeleben mit Initiativen und Projekten bereichern oder ihre Geschäftsideen verwirk-
lichen“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Das Erntefest sei „ein Spiegelbild des modernen Dorflebens.“

Der gesamte Paarener Dorfanger hatte sich in eine Festmeile verwandelt. Im Kinderland wurde getobt und gebastelt, im Pfarrgarten grasten Schafe und Ziegen, und auf dem Technikhof durfte jeder, der wollte, einmal selbst Traktor fahren – „kleene Spende und ab ins Jelände“. Den besten Überblick bot eine Gondel, die von einem Kran 50 Meter in die Höhe gezogen wurde, mit Aussicht bis nach Nauen und Spandau. „Das ist ein perfekter Tag für das Dorf“, jubelte Ortsvorsteher André Barkowski (SPD). Viele der 20 000 Besucher lobten das Konzept ausschließlich Brandenburger Speisen anzubieten, das es in dieser Form zum ersten Mal bei einem Landeserntefest gab.

Im knallroten Kleid und mit einem roten Sonnenschirmchen führte die Havelländer Erntekönigin Ramona Wegemann den großen Festumzug beim Landeserntefest am Sonnabend in Paaren im Glien an. 20000 begeisterte Besucher feierten mit.

Natürlich durften die Klassiker wie der Ernteumzug nicht fehlen. Über 60 liebevoll dekorierte Wagen und Landmaschinen beteiligten sich, allein der Schönwalder Ortsteil Perwenitz war mit einem Dutzend dabei und wurde dafür mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. „So viele gute Wagen hatten wir lange nicht mehr bei einem Umzug“, lobte Organisator Erwin Bathe. Die Auszeichnung für den schönsten Wagen aber ging an nach Altranft (Märkisch-Oderland), die schönste Erntekrone wiederum kam aus der Uckermark. Von dort stammt auch Anne Schubert; die 22 Jahre alte Studentin der Agrarwissenschaft ist neue Brandenburger Erntekönigin. „Wir werden auch in den nächsten 365 Tagen eine gute Repräsentantin haben“, sagte Bauernpräsident Udo Folgart, der in Paaren ein Heimspiel hatte. Anne Schubert will vor allem mehr junge Leute für das Landleben begeistern.

Das Erntefest stand unter dem Motto „Unsere Dörfer im Wandel der Zeit“. Historische Handwerkstechniken wie Seilen, Spinnen oder Besen binden wurden in Paaren ebenso gezeigt wie modernste Mähdrescher mit Klimaanlage. Manches indes hat sich nicht verändert: Pferdehufe würden heute immer noch so beschlagen wie vor hundert Jahren, erklärte Hufschmied Paul Barke aus Zachow. „Dafür gibt es keine Maschine.“

Familiärer, traditioneller und „1000 Mal besser als drüben im MAFZ“ – die Paarenerin Kerstin Baath war wie so viele begeistert vom Erntefest mitten im Dorf. „Meinetwegen könnte das jetzt jedes Jahr bei uns stattfinden.“

Von Philip Häfner

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