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15 Jahre Fazenda in Markee

Für ein neues, sauberes Leben 15 Jahre Fazenda in Markee

Auf Gut Neuhof, zweieinhalb Kilometer vom Dorfkern Markee entfernt, tickt das Leben ein bisschen anders. Das merkten die Gäste des Franziskusfests, das dort am Sonnabend anlässlich des 15-jährigen Bestehens der "Fazenda da Esperança" gefeiert wurde, spätestens beim Bezahlen. Auf dem Hof leben Drogensüchtige. Bislang wurden 400 Süchtige aufgenommen, nur ein Drittel hält durch.

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15 Jahre Fazenda in Markee.

Quelle: MAZ

Markee. Die Währung, mit der man Kuchen, Fleisch und Getränke kaufen konnte, bestand aus dünnen Streifen Karton. „Die Jungs sollen kein Bargeld in die Hände bekommen“, erklärte Mitarbeiterin Susan Ackerschewski, während sie die Münzen der Besucher gegen Pappmarken tauschte. Denn „die Jungs“, 13 Männer zwischen 19 und 43 Jahren, die derzeit auf dem abgelegenen Hof leben, sind erstens suchtkrank und zweitens oft vorbestraft – und Bares heißt für sie Versuchung. Etwa, um Zigaretten zu kaufen oder Alkohol, zwei Dinge, die nicht erlaubt sind auf Gut Neuhof. Genau wie Fernseher, Internet, Mobiltelefone. Jeglicher Außenreiz ist unerwünscht. Und zwar für ein ganzes Jahr, so lange dauert der Standard-Aufenthalt auf Gut Neuhof. Manche schaffen nur fünf Minuten. Dann drückt die Sucht.

Seit 15 Jahren ist die Fazenda da Esperança („Hof der Hoffnung“) für viele Süchtige der Weg in ein neues, sauberes Leben. Der Hof in Markee – einst ein heruntergekommener Gutshof, aufgebaut von Freiwilligen – war die erste Fazenda Deutschlands, gar Europas; das Projekt, das eng mit dem katholischen Franziskaner-Orden verknüpft ist, wurzelte vor 30 Jahren in Brasilien. In Markee wurden bislang rund 400 Süchtige aufgenommen. Mehr als zwei Drittel halten das Jahr nicht durch.

Die Gründe, warum sie auf Gut Neuhof landen, sind ganz unterschiedlich. Meist sind die Ursachen Alkohol, Drogen oder Glücksspiel. „Wir haben hier Leute, die sind so kaputt“, sagt Franz Schulte, der für die Aufnahme der Neuankömmlinge zuständig ist. Die hätten oft vier, fünf fehlgeschlagene Entzugskuren hinter sich und lebten in dem Irrglauben, Glück könne man sich kurzfristig erkaufen. „Hier lernen sie, den Tag wieder richtig zu leben“, sagt Schulte. Das heißt auch: Verantwortung zu übernehmen, etwa für die Schweine, Hühner und Ziegen – Lebewesen, um die man sich kontinuierlich sorgen muss, eine sinnvolle Aufgabe. „Sucht“, findet Schulte, „ist vor allem ein Produkt des allgegenwärtigen Konsumismus.“

Die Therapie, die die Fazenda dem entgegensetzt, ist eine Mischung aus Arbeit, Gemeinschaft und Spiritualität. Jeden Morgen wird ein Rosenkranz gebetet und ein Tagesmotto aus der Bibel gesucht. Darüber hinaus findet dreimal in der Woche ein Gottesdienst statt. Für Un- oder Andersgläubige nicht immer einfach. „Wir sagen immer: Du musst nicht beten, nur dabei sein“, sagt Schulte, der selbst Pfarrer ist. Wichtiger sei es, nach dem „Wort“ zu leben. Für den Festtag etwa habe man das Motto „Freude teilen“ ausgerufen.

Ein Ansatz, der offenbar funktioniert. Ein Ehemaliger erinnert sich: „Mein erster Gedanke war: eine Sekte, oje!“ Heute lacht der Endzwanziger darüber. „Fand ich schwierig. Aber da musste ich eben durch, obwohl ich mit Religion überhaupt nichts am Hut hatte. Habe ich auch immer noch nicht.“ Auf der Fazenda blieb er dennoch insgesamt rund eineinhalb Jahre. Noch heute bekommt er das tägliche „Wort“ auf sein Handy geschickt. Danach zu leben, klappt „draußen“ – wie er selbst sagt – mal mehr, mal weniger gut. Unterstützt von Medikamenten und einer Selbsthilfegruppe lebt er mittlerweile in Berlin, hat einen Job. Für ihn längst keine Selbstverständlichkeit. Aber es läuft, sagt er. „Ohne Fazenda wüsste ich nicht, wo ich wäre.“ Er weiß nur, was er höchstwahrscheinlich nicht wäre: ein trockener Alkoholiker, und zwar seit genau vier Jahren, fünf Monaten und 21 Tagen.

Von Jana Einecke

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