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16-jähriger Wutzetzer hat drei Trabis

Ein ungewöhnliche Auto-Liebe 16-jähriger Wutzetzer hat drei Trabis

Zu seinem siebten Geburtstag bekam der Wutzetzer Paul Beyer seinen ersten Trabant geschenkt. Heute gehören zum Fuhrpark des 16-Jährigen schon vier Zweitakter aus Zwickau. „Schuld“ an seiner Autoliebe ist sein Opa Willi.

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Paul Beyer ist stolz auf seinen Trabi-Fuhrpark.

Quelle: Jens Wegener

Wutzetz. Paul Beyer war noch nicht geboren, als am 30. April 1991 im Sachsenringwerk in Zwickau der letzte Trabant vom Band lief. Umso verwunderlicher ist es nicht nur für seine Eltern Bettina und Karsten Beyer, dass der heute 16-jährige Paul zum größten Trabi-Fan in seinem Heimatdorf Wutzetz, wenn nicht sogar im Havelland geworden ist. „Wir hatten zu DDR-Zeit zwar auch einen Trabant, aber nach der Wende wollten wir natürlich schnell ein Westauto und haben einen Golf gekauft“, sagt Vater Karsten Beyer.

Paul kann bis heute nicht verstehen, „warum damals viele Leute den Trabi verschenkt oder einfach irgendwo abgestellt haben“, sagt der Schüler, der derzeit in den 10-Klasse-Prüfungen steckt und später sein Abitur machen will. Die Liebe zu den „Plastikbombern“ hat er als Kindergartenkind entdeckt. Wie das genau kam, weiß er nicht. Paul stand oft am Zaun, wenn seine Erzieherin Adelheid Mielczarek mit ihrem Trabi an Kita in Zootzen ankam. „Ich muss wohl so lange gebettelt haben, dass sie mich dann mal mitgenommen hat“, erinnert sich der Wutzetzer. Von da an zählten fast nur noch diese Autos. „Paul konnte als Kleinkind noch gar nicht richtig sprechen, hat aber immer Krabi gerufen“, wenn er so einen Ding gesehen hat, sagt seine Mutter Bettina.

Im kleinen Friesacker Ortsteil Wutzetz gab es in der Nachwendezeit einen Autoverwerter, so dass mindestens einmal pro Woche ein Transporter am Haus der Familie Beyer vorbei fuhr, der ausrangierte Trabis geladen hatte. Paul rannte hinterher, sprach dem Schrotthändler und durfte sich schließlich Trabant-Schilder, Tachos, Spiegel und andere Teile abbauen. „Davon habe ich heute noch einige in der Scheune bei Opa“, sagt er und ergänzt: „An mein Fahrrad habe ich einige Teile angebaut.“

Den siebten Geburtstag wird Paul Beyer nie in seinem Leben vergessen. Wo andere Jungs in diesem Alter sich über ein neues Rad freuen, stand bei ihm ein etwas größeres Geschenk auf dem Hof: Ein fahrtauglicher Trabant 601. Den hat sein Opa Willi Beyer, der nur wenige Häuser entfernt in Wutzetz wohnt, heimlich aufgebaut und wieder zum Laufen gebracht. „Eigentlich sollte es ein Spiel-Trabi zum Reinsetzen für Paul sein“, erinnert sich Vater Karsten. Aber da hatte die Familie die Rechnung ohne den Opa gemacht, der noch heute mit 80 Jahren leidenschaftlich an den alten Autos schraubt. Paul habe ein paar Minuten Schnappatmung gehabt und hätte gar nichts sagen können, so Mutter Bettina. „Das einzige, was mich gestört hatte war, dass meine Mutter das Auto verunstaltet, das Lenkrad beklebt und bunte Luftballons angebracht hatte“, sagt Paul.

Inzwischen ist der Trabi-Fuhrpark der Familie auf vier Modelle angewachsen. Drei sind fahrbereit, einer, sein erster, wurde neu lackiert und angemeldet.

Auf den großen Innenhöfen beim Opa und bei seinem Elstern kann der 16-Jährige immer wieder seine Fahrübungen mit seinem hellblauen Zweitakter absolvieren. „Ich konnte eher Auto als Moped fahren“, erzählt Paul, der am 13. Mai seine Mopedprüfung absolvieren muss. Dass er mit 17 Jahren sofort den Führerschein für Autos machen will, steht sowieso außer Frage. Genauso wie die Tatsache, dass er auch künftig gemeinsam mit seinem Vater zum alljährlichen Trabi-Treffen in der Nähe von Rheinsberg fahren wird. „Mit den Leuten zu quatschen, Teile zu tauschen, das mach einfach Spaß“, sagt Paul. Eine Urkunde und ein kleiner Pokal für den jüngsten Trabi-Fan bei den Trabi-Treffen liegen in seinem Auto auf der Hutablage.

Ob Paul Beyer später beruflich etwas mit Autos zu tun haben will, weiß er noch nicht. Im Moment ist Lehrer für Deutsch und Geschichte sein Favorit. „Auf jeden Fall möchte ich an Autos schrauben und rumbasteln, aber wahrscheinlich nur als Hobby, so wie jetzt.“

Von Jens Wegener

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