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Havelland 50 Jahre Karneval in Rathenow
Lokales Havelland 50 Jahre Karneval in Rathenow
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18:20 20.10.2017
Der Can-Can der Sternchen ist immer der Abschluss bei den Prunksizungen. Quelle: Uwe Hoffmann
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Rathenow

Beim Karneval gibt es sie, diese Rituale. Dreifach donnerndes Helau, Narrhallamarsch. In Rathenow gibt es noch ein paar andere Gepflogenheiten. Am Ende einer Elferratssitzung des Rathenower Carneval-Clubs spielt die Kapelle „Märkische Heide“. Und die Narrenschar steht auf Bänken und Tischen und klatscht mit.

Der Anfang war nicht leict

Bis es soweit war, bis die Narren offen klatschen und lachen durften, vergingen viele Jahre. Und der Anfang war für den RCC mehr als schwierig. Karneval, Fastnacht – das war in der DDR bei den Regierenden nicht beliebt. Narren halten Mächtigen den Spiegel vor. So etwas konnte man im Staat der Arbeiter und Bauern nicht gebrauchen. Dennoch entstand nicht nur in Rathenow ein Club. Der RCC wurde 1967 gegründet. Mario Lienig ist heute Präsident des Elferrats. „Das waren tapfere Leute damals“, betont er. „Karneval galt als dekadente kleinbürgerliche Vereinsmeierei.“ Doch das Risiko lohnte sich. Die Rathenower wollte lachen und ein Abend beim RCC – das war das pure Vergnügen. Der Kulturbund der DDR nahm später viele Karnevalsvereine auf. Eine kleine Narrenrevolution.

Mario Lienig – RCC-Präsident und Büttenredner in der Rolle „Großer Kurfürst“. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Im Rückblick erinnert Mario Lienig an das Jahr 1973. „Wir mussten endlich mal was Seriöses machen“, sagt er und grinst. „Das Männerballett des RCC wurde in die Welt gesetzt.“ Und wer erinnert sich nicht an die Protagonisten dieser Truppe? In bester Erinnerung Dennis Granzow, heute wohl bestallter Kreisdezernent, der damals in Plaste, Lack und Leder die Männer- und Frauenwelt zu Begeisterungsstürmen hinriss. Oder Thomas Fischer, der auch heute noch mit Liebe zum Detail dabei ist?

Geburtstagskind Thomas Fischer

Thomas Fischer – das ist auch so ein RCC-Ritual. Denn der Optikermeister aus Rathenow hat am 11. 11. Geburtstag und ist wohl der einzige Rathenower, der an diesem Tag immer mehrfach Glückwünsche öffentlich entgegennehmen muss. Bei der Rathausschlüsselübergabe und beim Beisammensein im Elferrat.

Die Sternchen gehören fest dazu. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Der Blick ins Geschichtsbuch macht schnell deutlich, dass sich der RCC stets verändert hat. Präsidenten kamen und gingen – einige bleiben fest in Erinnerung – Elferratsmitglieder beendeten ihre Narrenkarriere oder verließen Rathenow. Aber immer im Programm, immer dabei: die Rathenower Sternchen. Die Tanzgruppe des RCC. Immer ein Augenschmaus. Immer gute Ideen, immer etwas Neues. Inzwischen gibt es eine Nachwuchsgruppe – die Sternschnuppen, es gibt eine grüne Garde – Musik und Tanz waren beim RCC wichtig. Und so soll wenigstens kurz an die „Bänkelsänger“ erinnert werden. War das ein Spaß, wenn sich die Herren Franz und Grähn in witzigen Reimen Politik und Politiker vornahmen.

Erst im Tanz-Café

Zunächst trat der RCC mit seinen Prunksitzungen stets im legendären Tanzcafé auf. Das Lokal schloss später und wurde abgerissen. Das Citycenter wurde gebaut. Inzwischen sind die Narren seit Jahren im Saal des Restaurants Schwedendamm. Das Vereinslokal ist das Gasthaus „Zur Stadtmauer“. Hier wird über neuen Ideen gebrütet, hier wird erörtert, wer wohl für das Prinzenpaar geeignet ist.

Apropos Prinzenpaar: Wer die Ehre hat zur Jubiläumssaison den RCC zu regieren – das verrät Mario Lienig nicht. „Ein bisschen spannend muss es ja sein.“

Szenen einer Schlüsselübergabe Quelle: Joachim Wilisch

Viele ehemalige und aktive RCC’ler erinnern sich an 1989 – das Wendejahr. Der RCC passte das Motto an: „Erst ins KDW, dann zum RCC.“ Endlich durften die Büttenredner ihrer Zunge freien Lauf lassen. Sie machen es seither gerne und gut.

Endlich Jubiläum

Und nun also die Jubiläumssaison. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie man das würdig begeht“, sagt Mario Lienig. Auf dem Rathenower Weinfest ließ er schon mal die Puppen – oder besser: die Sternchen – tanzen und machte Werbung. Natürlich im Kostüm des Kurfürsten – jene Figur, die bei den RCC-Sitzungen stets das Stadtgeschehen skizziert.

Das Programm

Die Schlüsselübergabe ist am 11. November, am 18. November gibt es einen ersten Jubiläumsumzug durch Rathenow. Danach folgt eine erste Fremdensitzung. Weiter geht es dann im Januar. Mit Herrensitzung, Seniorensitzung, Weiberfastnacht, den Prunksitzungen und den Terminen zum Kinderfasching.

Spaß mit dem Männerballett. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Bis zum Start muss noch trainiert werden. Elke Fiege hat sich schon um Sternchen und Sternschnuppen gekümmert. Sie steigt in die Bütt’ und hilft an allen Ecken und Enden aus – mit vielen anderen. Die Liste der Namen ist lang. Eines eint sie alle, die Aktiven im Narrengewand: sie machen es aus Spaß an der Sache, sie wollen ihren Mitmenschen einen kurzweiligen Abend bescheren, Applaus und Jubel sind das Brot.

Noch ein Ritual

Zum Ende der Prunksitzungen haben die Sternchen ihren Auftritt im Can-Can-Kostüm. Die Männer genießen es stets. Noch so eine Rathenower Tradition.

Von Joachim Wilisch

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