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700 Jahre Nauener Stadtwald

Ein besonderes Jubiläum 700 Jahre Nauener Stadtwald

1315 hatte Markgraf Waldemar der Große der Stadt Nauen das Holznutzungsrecht für das Gebiet zwischen Brieselang und Zootzen zugesprochen. Über die Jahrhunderte hinweg ziehen sich seitdem viele Anekdoten. Heute ist der Wald eine gute Einnahmequelle. Die Erlöse aus dem Holzverkauf fließen in die Stadtkasse.

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Das 1904 errichtete Forsthaus an der Straße nach Falkensee.

Quelle: Archiv Wolfgang Wiech

Nauen. Was hat es mit der Schwedenschanze im Nauener Stadtwald auf sich? Das mag sich schon mancher gefragt haben, als er davon gehört hat. Die Bezeichnung geht zurück auf den 30-jährigen Krieg, allerdings hat das Areal nahe der heutigen B 273 nichts mit Kampfhandlungen zu der damaligen Zeit zu tun, wie hin und wieder vermutet wird. „Das ist nur eine Mär“, sagt Heimatforscherin Ursula Arzbächer, die so Einiges an Material über den Stadtforst zusammengetragen hat. „Die Nauener hatten damals mit Seuchen wie der Pest zu kämpfen“, erklärt sie. Und so hätten sich die schwedischen Soldaten während der Besatzungszeit hinter den Erdwällen abgeschottet von der Stadt, um nicht angesteckt zu werden. Umgekehrt fürchteten aber auch die Nauener, dass die Schweden die Pest über sie bringen.

Dies ist nur eine von vielen Episoden in der nunmehr 700-jährigen Geschichte des Stadtforstes. 1315 hatte Markgraf Waldemar der Große der Stadt Nauen das Holznutzungsrecht für das Gebiet zwischen Brieselang und Zootzen zugesprochen, allerdings blieb der Landesherr bis 1592 Eigentümer der Fläche. Erst dann übertrug Kurfürst Johann Georg das Gebiet der Stadt. Anlass war damals ein Grenzstreit zwischen den Herren von Bredow und der Stadt Nauen.

Ursula Arzbächer ist heute Ehrenmitglied der Nauener Heimatfreunde. Sie kam 1954 nach Nauen und kann sich noch gut daran erinnern, „dass wir damals Tagesausflüge in den Stadtwald gemacht haben“. Da ging es auch in die Rollberge, wo die Kinder sich ausgetobt haben. In dem Gebiet im Südosten des Forstes war Jahrzehnte vorher Sand abgebaut worden, der mit dazu diente, ab 1913 den Nauener Staatsbahnhof beziehungsweise die Gleise der Hamburger Bahn höherzulegen. Zurückgeblieben sind die dabei entstandenen Hänge.

Lange vorbei sind auch die Zeiten, als noch die so genannte Töpperbahn von Nauen nach Velten durch den westlichen Teil des Stadtwaldes fuhr. Ihren erste Fahrt machte sie im Oktober 1904. „Die Gaststätte Waldschänke am Haltepunkt ’Nauener Stadtwald’ war ein beliebtes Ausflugsziel“, sagt Ursula Arzbächer. Viele Nauener fuhren entweder mit dem Zug dorthin und liefen zurück oder umgekehrt. Überhaupt spielte nach 1900 der Tourismus eine zunehmende Rolle im Stadtwald. Auch viele Berliner suchten dort Erholung und Entspannung – teils bei organisierten Ausflügen von Turn- oder Schützenvereinen. Einmal bildete die Haltestelle mitten im Wald sogar die Kulisse für einen Kinofilm mit Heinrich George, wie der Heimatkundler Fritz Herold in seinen Abhandlung von 1972 mitteilt. So wurde dort in den 20er-Jahren eine Szene für den Streifen „Orientexpress“ gedreht und dazu das Haltestellenschild in „Pausin“ umgeändert. „Vermutlich war dies die einzige Gelegenheit, bei der diese Nebenstrecke durch einen D-Zug internationaler Prägung befahren wurde“, meint Herold.

Aber der Wald hält auch schaurige Dinge bereit. Immerhin befand sich dort bis 1820 noch eine öffentliche Hinrichtungsstätte. „Das war DIE Schau für die Nauener“, meint Ursula Arzbächer. Am 28. Dezember des Jahres wurde im westlichen Stadtwald letztmalig ein Mensch hingerichtet. Es handelte sich um den Dienstknecht Rheinstein, der ein schwangeres Dienstmädchen ermordet hat. Er wurde gerädert. An anderer Stelle – im östlichen Teil des Waldes – erinnert heute ein versteckt liegendes Denkmal an einen plötzlichen Todesfall nur zwei Jahre später. Genau dort wurde der Nauener Bürgermeister Johann Carl Deichmann von einem Baum erschlagen – unweit der imposanten Königseiche, die es heute nicht mehr gibt. Bereits in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts kümmerten sich die Nauener Heimatfreunde um die Restaurierung des Denkmals. Der heutige „Nachtwächter“ Wolfgang Wiech legte damals selbst Hand mit an, um Einschusslöcher zu verfüllen.

Ein markanter Punkt ist im Wald neben dem 1904 errichteten Forsthaus aber auch das Gehöft Stolpshof an der Straße nach Paaren. Nach dem Bau um 1890 erst Mädchenpensionat und dann Fabrikantenvilla, wurde das Gelände nach 1939 dem SS-Obergruppenführer Reinhard Heidrich zugeschanzt. Zu DDR-Zeiten unterstand es der LPG Nauen, nach der Wende nutzte es das Jugendaufbauwerk.

Schon immer zogen die Nauener auch Nutzen aus ihrem Stadtwald. Wie Ursula Arzbächer sagt, durften die Bauern in den vergangenen Jahrhunderten ihre Schweine und Kühe in den Wald treiben, die sich unter anderem an den Eicheln labten. „Eichen gab es jede Menge“, sagt sie. Und die Nauener konnten sich auch Holz aus dem Wald holen. „Es stand ihnen ein gewisses Deputat zu, aber es reichte oft nicht über den Winter“, so die Heimatforscherin. Und so war auch der Holzdiebstahl an der Tagesordnung, wurde allerdings streng bestraft. Nach 1845 etwa drohte der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Heute ist der Wald eine gute Einnahmequelle der Stadt Nauen. Die Erlöse aus dem Holzverkauf fließen in die Stadtkasse. Seit einigen Jahren kann man zudem seine Angehörigen im Ruheforst nahe der Straße nach Paaren beerdigen.

Von Andreas Kaatz

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