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800 Minuten am Stück aus der Bibel gelesen

Stadtjubiläum 800 Minuten am Stück aus der Bibel gelesen

In einer Veranstaltung der evangelischen Gemeinde Rathenow und des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche hat am Freitag eine 800-Minuten-Bibellesung stattgefunden. Das war ein Beitrag der Kirche zur 800-Jahr-Feier der Stadt. Morgens um 8 Uhr ging es los und das Ende kam um 21.20 Uhr.

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Prof. Karin Heinrich las am Morgen einige Abschnitte aus dem 1. Buch Mose.

Quelle: Foto: Bernd Geske

Rathenow. Ein Ereignis, das in der Historie von Rathenow seinen Platz finden wird, ist nun schon Geschichte. Die evangelische Gemeinde und der Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche hatten zu Ehren der 800-Jahr-Feierlichkeiten für die Stadt Rathenow am Freitag eine außergewöhnliche Veranstaltung auf die Beine gestellt. 80 Personen lasen in der Kirche vom Morgen bis zum Abend Texte aus der Bibel. Glockengeläut kündete davon weithin ins Land. Zum Beginn am Morgen um 8 Uhr erklangen alle drei Glocken gemeinsam, anschließend wurde zu jeder vollen Stunde immer nur eine Glocke geläutet. Um 21.20 Uhr war die Mammut-Veranstaltung beendet.

„Das war eine ganz tolle Atmosphäre“, hat Pfarrer Andreas Buchholz geschwärmt, „die Lesung hat schnell ihre ganz eigene Dynamik entwickelt.“ Das Besondere sei ganz einfach gewesen, erklärte er, dass sonst so gut wie nie in einer solchen Form über eine längere Zeit aus der Bibel vorgelesen werde. Auch in den Gottesdiensten würden meist immer nur kürzere Abschnitte zitiert. Aber wie diesmal mehr als 13 Stunden hintereinander – das sei schon eine sportliche Angelegenheit. Die Idee, so eine Lesung zum Stadtjubiläum zu veranstalten, hatte Heinz-Walter Knackmuß, der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, bestätigt der Pfarrer. Seine Aufgabe sei es in erster Linie gewesen, die zu lesenden Abschnitte zu bestimmen und dabei stets deren annähernd richtige Länge festzulegen.

Früh war die Entscheidung gefallen, dass immer 10-Minuten-Abschnitte vorgetragen werden sollen. Er habe die Online-Bibel zu Rate gezogen, berichtet Andreas Buchholz und einige Abschnitte selbst zur Probe gelesen. Dabei sei er zu der Erkenntnis gekommen, dass 1500 Worte in etwa die richtige Länge ergeben. Man habe es als sinnvoll angesehen, die zu lesenden Einzelabschnitte meist fortlaufend aus der Bibel zu wählen. So sollte eine vermutlich eher störende Sprunghaftigkeit vermieden werden. Manchmal sei ein Kapitel leicht gekürzt worden, um auf die richtige Länge zu kommen. Für den Fall, dass ein Abschnitt sich wider Erwarten als zu kurz erweise, seien Zwischentexte zur Überbrückung bereit gelegt worden.

Cheforganisator Heinz-Walter Knackmuß hat am Nachmittag zufrieden seine erste Zwischenbilanz gezogen. „Bis jetzt ist alles gut gelungen“, hat er resümiert. Wegen eines Trauerfalls in der Familie habe eine Frau noch am Freitagmorgen absagen müssen, berichtete er. Da er aber noch einige wenige Personen in Bereitschaft hatte, sei ein Ersatz schnell gefunden worden. Ein Mann hatte zwar kurz zuvor einen Hexenschuss erlitten, er trug aber trotzdem wie geplant seinen Bibelabschnitt vor. Besonders schön, lobte Heinz-Walter Knackmuß, habe Laurin Katharina Singer das Hohe Lied der Liebe vorgetragen. Kein Wunder: Schließlich sei sie von Beruf Schauspielerin. Es seien zu allen Zeiten immer Leute in der Kirche gewesen, die zugehört haben, ist zu erfahren. Einmal sei auch eine ganze Schulklasse da gewesen.

Der Förderkreisvorsitzende selbst hatte es übernommen, die Planung und Abstimmung zu regeln, wer zu welcher Zeit welchen Abschnitt vorlesen würde. In dieser Hinsicht alle unter einen Hut zu bringen, das hat er im Rückblick schon als „mühevolle Arbeit“ bezeichnet – eine logistische Großaufgabe eben. Die meisten Lesenden sind Mitglieder des Förderkreises gewesen, auch viele Mitglieder der Kirchengemeinde waren mit dabei. Zu Beginn vor ein paar Monaten, berichtet Heinz-Walter Knackmuß, sei die Zahl der Interessierten noch recht groß gewesen. Aber im Laufe der Zeit, nach diversen Absagen, sei die Gruppe der Reservepersonen arg zusammen geschmolzen. Trotzdem ist es gelungen, dass am Freitag 80 verschiedene Personen aus der Bibel gelesen haben. Niemand musste zweimal ans Pult treten. „So eine Veranstaltung gibt es ganz selten“, hat Heinz-Walter Knackmuß befunden, „das war etwas Einmaliges und es hat alles sehr schön zusammen gepasst.“

Von Bernd Geske

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