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Bald gibt’s wieder die alten Kennzeichen im Havelland

Beharrlichkeit, die sich lohnt Bald gibt’s wieder die alten Kennzeichen im Havelland

Sie haben es geschafft: Beharrlich haben die beiden Rathenower Dieter Bierhals und Dieter Luftmann auf ihre Altkennzeichen beharrt. Es ist ihre Herzensangelegenheit, dass die Havelländer bald wieder mit RN für Rathenow oder NAU für Nauen umher fahren dürfen. Obwohl Landrat Burkhard Schröder (SPD) lange dagegen war, hat er jetzt nachgegeben.

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Dieter Bierhals mit seinem Rathenow-Spezialkennzeichen, das er sich in Reutlingen (RT) beschafft hat.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Als Landrat Burkhard Schröder (SPD) im öffentlichen Teil des Kreistags am Montagabend mitgeteilt hat, dass es „vermutlich zum 1. Januar 2016“ im Landkreis Havelland möglich sein wird, für Kraftfahrzeuge wieder die Altkennzeichen RN und NAU zu beantragen, war deutlich zu spüren, dass er wenig Freude daran hatte. Einigen wenigen Rathenowern sei das eine „Herzensangelegenheit“ gewesen, sagte er. Ordnungspolitisch sei so eine Mannigfaltigkeit von Kennzeichen nicht förderlich, erklärte er, aber des Menschen Wille sei sein Himmelreich. Kommunalpolitiker hätten ihn angemahnt, sein Versprechen nicht zu vergessen, nach der Buga wieder die Altkennzeichen zuzulassen, merkte er an. Es seien wohl die „wenigsten Bürger, die das unbedingt wollen - es scheinen nicht so viele zu sein“.

Sie stießen zunächst auf wenig Entgegenkommen

In der Tat ist es vor allem das beharrliche Drängen der beiden Rathenower Dieter Bierhals und Dieter Luftmann gewesen, das ihn schließlich zur Neuausrichtung seiner Auffassung gebracht hat. Die rechtliche Grundlage des Strebens nach den altbekannten RN-Kennzeichen war die Neufassung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung, die am 1. November 2012 in Kraft getreten war. Demnach sollte deutschlandweit die Möglichkeit geschaffen werden, die Kfz-Kennzeichen von aufgelösten Kreisen oder kreisfreien Städten wieder zu vergeben. Nach der Kommunalwahl im Dezember 1993 waren die Altkreise Nauen (NAU) und Rathenow (RN) aufgelöst und zum Landkreis Havelland (HVL) zusammengefügt worden.

Stichwort: Kennzeichenliberalisierung

Kennzeichenliberalisierung ist das Stichwort für die deutschlandweite Wiedereinführung von Altkennzeichen für Kraftfahrzeuge.

Die entsprechende Veränderung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung trat am 1. November 2012 in Kraft.

Demnach können Landkreise, die Rechtsnachfolger von aufgelösten Landkreisen sind, mehrere Unterscheidungskennzeichen vergeben, deren Buchstaben die Kürzel der aufgelösten Landkreise sind.

Abgelehnt haben im Land Brandenburg die Altkennzeichen bislang die Landkreise Havelland, Oberhavel, Oder-Spree, Potsdam-Mittelmark, Prignitz und Teltow-Fläming.

Schon bald nach der Änderung der genannten Zulassungsverordnung wendeten sich Dieter Bierhals und Dieter Luftmann zunächst unabhängig von einander an den Landkreis und die Stadt Rathenow, um das Einführen des RN-Kennzeichens anzuregen. Sie stießen an beiden Stellen zunächst auf wenig Entgegenkommen, fanden dadurch immerhin zueinander, gründeten eine Bürgerinitiative, sammelten für ihr Ziel an die 1000 Unterschriften und schrieben diverse Briefe an Behörden und Politiker.

Während überall in Deutschland wieder Altkennzeichen zugelassen wurden, lehnte der Landkreis Havelland das ab. Im Dezember 2013 teilte die Behörde Dieter Bierhals einmal mehr ihre Gründe dafür schriftlich mit. Im Havelland gebe es „nur Anfragen einzelner Bürger, die aus Gründen der Heimatverbundenheit und der Identifikation mit der jeweiligen Heimatstadt, aus Sentimentalität oder als Ausdruck des Protestes gegen die vor 20 Jahren erfolgte Kreisgebietsreform ein Altkennzeichen wollen“, schrieb ihm der Zweite Beigeordnete Henning Kellner. Die Verwaltung lasse sich vom Recht auf Gleichbehandlung aller Bürger leiten und wolle deshalb die Buchstabenkombinationen NAU und RN nicht zulassen. Denn nur mit HVL würden alle Bürger des Landkreises tatsächlich gleich behandelt.

Im Oktober 2014 gab es ein Gespräch hinter verschlossenen Türen

Weil Dieter Bierhals und Dieter Luftmann aber nicht locker ließen, lud Landrat Burkhard Schröder sie schließlich im Oktober 2014 zu einem Gespräch hinter verschlossenen Türen ein. Dessen Ergebnis ließ er dann im Dezember vor einem Jahr in einer Pressemitteilung verbreiten: Nach Abschluss der Buga 2015 und mit Blick auf die bevorstehende neuerliche Kreisgebietsreform sehe er „die Lage etwas entspannter“. Während der Bundesgartenschau sei es wichtig, sich für die havelländische Identität auch mit einheitlichen HVL-Kennzeichen stark zu machen. Dann versprach er, beim Verkehrsministerium die Wiedereinführung der Altkennzeichen ab 2016 zu beantragen.

Für Dieter Bierhals und Dieter Luftmann ist das ein Grund zu großer Freude. Sie wollen am Montag, dem 4. Januar 2016, gleich die Ersten sein, die in der Kfz-Zulassungsstelle wieder ein RN-Kennzeichen beantragen. Dieter Bierhals hatte sich 2013 sogar eine Art „Protestkennzeichen“ zugelegt, weil ihm das RN nicht erlaubt worden war. Er meldete sein Auto in Reutlingen an und fuhr fortan mit RT-RN 6666 herum. Wenn jemand ihn darauf ansprach, flunkerte er den Interessierten listig vor, dass das RT das neue Rathenow-Kennzeichen sei. Nun: Dieses Theater wird jetzt bald ein Ende haben.

Von Bernd Geske

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