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Abriss der Viskose-Hallen beginnt

Industriepark Premnitz Abriss der Viskose-Hallen beginnt

Auf einem Festakt zum Jubiläum „100 Jahre Industriestandort Premnitz“ ist im Beisein von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) der Abriss der großen Viskose-Hallen offiziell gestartet worden. Mit dieser Revitalisierungsmaßnahme, die zehn Millionen Euro kostet, wird die letzte große Brache im Industriepark beseitigt.

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Knopfdruck für den Abrissbeginn, von links Frank-Walter Steinmeier (SPD), Diana Golze (Linke), Roy Wallenta, Burkhard Schröder (SPD) und Gerhard Ringmann.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. Es ist reiner Zufall, dass genau 100 Jahre nach dem Beginn der Industrialisierung von Premnitz nun dort die Revitalisierung der letzten großen Industriebrache beginnt. Das bedeutet, dass nach dem Abriss der riesigen alten Viskose-Hallen die Umstrukturierung des Industrieparks nach 1990 zu einem vorläufigen Abschluss kommen wird. Die Stadt und die Unternehmergemeinschaft des Industrieparks haben dieses Ereignis am Montag zum Anlass für eine Festveranstaltung genommen.

Im Industriepark gibt es 40 Unternehmen mit 1400 Beschäftigten

Höchster Ehrengast war Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Das Premnitzer Werk, erinnerte er, sei vor der Wende einer der größten Chemiefaserstandorte überhaupt gewesen. Nach der gescheiterten Privatisierung des Werks durch die Treuhandanstalt, so Frank-Walter Steimmeier, sei es den „vielen tatkräftigen Menschen und der Stadt und im Land“ zu verdanken gewesen, dass der Neuaufbau des Standortes gelungen sei. Die Bedingungen im Premnitzer Industriepark seien hervorragend, es gebe sogar eine auf die Belange der Industrie abgestimmte Brauchwasserversorgung. Auf dem einstigen Werksgelände gebe es jetzt 40 Unternehmen mit 1400 Beschäftigten, so der Außenminister, darauf könnten alle in Premnitz stolz sein.

Natürlich kam er nicht umhin, auch etwas zur großen Politik zu sagen. Die Größenordnung der Migration sei für die Länder der EU nun die Gelegenheit zu beweisen, „wie man Solidarität und Zusammenhalt in Europa buchstabiert“. Frank-Walter Steinmeier wünschte den Premnitzern ein gutes Gelingen für alle weiteren Ansiedlungen, die sie noch in den Köpfen oder auf den Schreibtischen haben: „... und das auch in den nächsten 100 Jahren.“

150 000 Tonnen Bauschutt

Durch den Abriss der alten Viskose-Gebäude entsteht ein Berg von 150 000 Tonnen Bauschutt. Ein Teil davon wird mit Schadstoffen belastet sein.

Diese gewaltige Menge Schutt entsteht durch die Beseitigung von 540 000 Kubikmetern umbauten Raumes.

Die Viskose-Fläche ist zehn Hektar groß. Für deren Revitalisierung in den Jahren 2015 bis 2017 liegen zehn Millionen Euro bereit. Die Stadt Premnitz muss einen Eigenanteil von einer Million Euro übernehmen.

Landessozialministerin Diana Golze (Linke) übernahm es, besonders intensiv auf die schwierige Lage der Premnitzer Industrie in den Jahren nach 1990 aufmerksam zu machen. Ende der achtziger Jahre hätten 6500 Menschen im Chemiefaserwerk gearbeitet, sagte sie. Ein Großteil von ihnen sei nach der gescheiterten Privatisierung von Arbeitslosigkeit betroffen gewesen. Das habe dem Ansehen des Standortes in der Außenwirkung sehr geschadet. Sie sprach von der Werksbesetzung der Viskose-Anlagen über den Jahreswechsel 2002/2003, als die Beschäftigten die Demontage ihrer Spinnmaschinen verhindern wollten. 82 Tage lang hätten die Besetzer damals teilweise in klirrender Kälte ausgehalten, betonte Diana Golze. Dieser Hartnäckigkeit, diesem ausgeprägten Miteinander hätten die Premnitzer viel zu verdanken. Aufgrund dieser Eigenschaften sei ihnen die Umgestaltung des einstigen Mono-Standortes zu dem jetzigen Poly-Standort gelungen.

Landrat Burkhard Schröder (SPD) hob hervor, dass Premnitz ein Industriestandort sei, dessen Traditionen bis heute einen furchtbaren Boden bewahrt hätten für eine weitere dynamische Wirtschaftsentwicklung. Der Landkreis habe stets versucht, die praktischen Probleme im Industriepark mit zu befördern. „Ich denke, wir haben es immer geschafft“, sagte er, „aus den komplizierten Situationen das Beste zu machen.“ In Premnitz sei in den letzten Jahren so viel erreicht worden, blickte der Landrat voraus, da wäre es doch gelacht, wenn nicht noch weitere Schritte möglich wären.

Geschichte des Standortes ist eine Geschichte des Neubeginns

Bürgermeister Roy Wallenta sprach von schweren Jahren, als in Premnitz die Lichter auszugehen drohten. Doch sei danach die Umstrukturierung des Industrieparks durch eine große gemeinsame Anstrengung der Menschen gelungen. Mit dem Abriss der Viskose-Brache komme diese Umstrukturierung nun zu einem vorläufigen Ende. Die 100-jährige Geschichte des Standortes, sagte Roy Wallenta, sei eine Geschichte des Neubeginns. Es habe einen Neubeginn nach dem Ersten Weltkrieg und auch einen nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Er sei den Partnern, die nach 1990 zu Premnitz gestanden hätten und immer noch stehen, sehr dankbar dafür, dass ein dritter Neubeginn möglich geworden sei.

Von Bernd Geske

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