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Abriss der Viskose vier Millionen Euro teurer

Premnitz Abriss der Viskose vier Millionen Euro teurer

Die Kosten der Revitalisierung der alten Viskose-Brache im Industriepark Premnitz steigen von zehn auf 14 Millionen Euro. Der Grund dafür ist, dass in vielen bislang zugemauerten Kellerbereichen nach dem Rückbau der darauf stehenden Bauten erhebliche Schutt- und Abfallmengen aus früheren Jahrzehnten gefunden wurden.

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Besonders beim Rückbau der großen alten Produktionshalle traten nach Öffnung der Kellerbereiche beträchtliche zusätzliche Abfallmengen zutage.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. In Premnitz erlebt man beim Abriss der Viskose-Brache gerade eine wundersame Schuttvermehrung. Das wäre nicht weiter schlimm, ginge es nicht einher mit einer unerwünschten Kostensteigerung. War die Investitionssumme für die Revitalisierung dieser letzten großen Brache im Industriepark vor Beginn auf zehn Millionen Euro festgesetzt worden, sind daraus in kurzer Zeit nun 14 Millionen Euro geworden. Man beachte: Bei einer ersten Anpassung im September gingen die Premnitzer noch von zwölf Millionen aus.

Unvorbereitet trifft das die Verantwortlichen nicht. Schließlich konnte niemand genau wissen, was sich alles unter der Erdoberfläche befindet. Eine echte Verschlusssache war dabei das Kellergeschoss der großen alten Produktionshalle Nr. 405. Dieses nun schon verschwundene Gebäude hatte einst eine Grundfläche von 120 mal 170 Metern. Man wusste, dass es komplett unterkellert ist, ging an den unterirdischen Teil aber vorfristig nicht heran, weil er zur Außenwelt hin zugemauert war. Erst nach dem schrittweisen Rückbau der darauf stehenden mächtigen Hallenwände fühlten sich die Rückbau-Experten sicher genug, die Keller darunter zu öffnen – und staunten.

Schutt nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und aus DDR-Zeiten

„Wir haben beträchtliche Mehrmengen gefunden“, hat Fritz Meier vom Büro der Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft (ipg) in Premnitz berichtet, das für das gesamte Revitalisierungsprojekt zuständig ist. Viele Kellerbereiche, die eigentlich hätten hohl und leer sein müssen, waren wohl vor Jahrzehnten schon mit altem Bauschutt und Abfall gefüllt worden. Das war offenkundig im Zusammenhang mit früheren Rück- oder Umbaumaßnahmen nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wie auch zu DDR-Zeiten geschehen.

Der finanzielle Mehrbedarf hat nun beträchtliche vier Millionen Euro erreicht. Das ist für die Stadt Premnitz selbst nicht ganz so hart, weil sie „nur“ zehn Prozent aller Kosten tragen muss. 80 Prozent übernimmt die Investitionsbank des Landes mit Geldern aus dem Förderprogramm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“und ebenfalls zehn Prozent finanziert die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) i.L.

Revitalisierungsmaßnahme über drei Jahre

Die Revitalisierung der alten Viskose-Brache läuft in den drei Jahren von 2015 bis 2017.

In der vergangenen Woche sind die letzten Wände des letzten Gebäudes abgerissen worden. Jetzt müssen nur noch Keller und Fundamente entfernt werden.

Der Rückbau soll bis Ende April 2017 abgeschlossen sein.

Die Neuerschließung der Fläche soll Ende 2017 beendet werden.

Die Fläche der Viskose-Brache ist zehn Hektar groß.

Die Stadt Premnitz übernimmt einen zehnprozentigen Eigenanteil aller Kosten. Die ILB trägt 80 Prozent, die LEG i.L. zehn Prozent.

Die Stadt Premnitz kann die Frage relativ überschaubar regeln, indem sie ihre letzte Kreditrate für die Viskose entsprechend erhöht. Waren für 2017 ursprünglich noch rund 150 000 Euro eingeplant, müssen es nun 550 000 Euro sein. „Aufgrund der gegenwärtig am Kreditmarkt sehr geringen Zinsen ist das für uns gut regelbar“, sagt Bürgermeister Ralf Tebling (SPD). Das Projekt werde trotz der erheblichen Kostensteigerungen natürlich zu Ende geführt. Der einzige kribbelige Punkt des Ganzen ist die Frage, ob die Kommunalaufsicht des Landkreises der beträchtlichen Krediterhöhung zustimmen wird.

„Es gibt dazu eine Vorabstimmung mit der Kommunalaufsicht“, berichtet Ralf Tebling, „und wir haben Signale, dass der Haushalt genehmigungsfähig ist.“ Die Mehrausgabe sei selbstverständlich ein Kraftakt. Aber weil sie per Kredit bewältigt werde, müsse es im Haushalt dafür keine Streichungen geben. „Wir können diese Aufgabe meistern“, befindet der Bürgermeister, „weil wir in den vergangenen Jahren unsere Finanzen gut zusammengehalten haben.“

Von Bernd Geske

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