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Acht Stolpersteine erinnern an die Opfer

Nauen Acht Stolpersteine erinnern an die Opfer

Acht weitere Stolpersteine erinnern seit Dienstag an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, gedemütigt und ermordet wurden. Jugendliche aus Nauener Schulen begleiteten die Verlegung der Steine mit kleinen Beiträgen. Erinnert wird unter anderem an Karl Thon, Paul Jerchel, Frieda Eck sowie an Else und Ernst Lebram.

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Der Künstler Gunter Demnig sorgte für eine fachgerechte Verlegung der Stolpersteine für Lucie und Erna Laski im Gehweg in der Dammstraße. Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Für Gabriele Neumann stand sofort fest, dass sie die Patenschaft für den Stolperstein zur Erinnerung an ihre Großmutter übernehmen wird. Frieda Eck war 1944 von den Nationalsozialisten ermordet worden, lebte bis 1943 in der Berliner Straße 7 in Nauen. Seit Dienstag erinnert nun ein Stolperstein im Gehweg vor dem Haus an das Schicksal der Jüdin.

Schon in der Pogromnacht 1938 musste sie Demütigungen ertragen, wurden ihre Wohnung und Schneiderwerkstatt von der SA demoliert. Gabriele Neumann kannte ihre Oma nicht persönlich, war damals noch nicht geboren. „Aber meine Mutter Ruth hat mir viel von ihr erzählt“, sagt sie und zeigt alte Fotos von beiden. Überraschend lernte sie an dem Tag auch ein weiteres Familienmitglied kennen: Gabriele Husakova kam ebenfalls zur Stolpersteinverlegung. Sie ist eine Großnichte von Frieda Eck.

Organisiert von der „Vorbereitungsgruppe Stolpersteine“ im Osthavelland wurden am Dienstag insgesamt acht Stolpersteine an sechs verschiedenen Stellen in der Stadt Nauen verlegt. Der Künstler Gunter Demnig, der das Projekt Stolpersteine vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat, zementierte die Steine mit Messingplatte fachgerecht im Pflaster ein. Sein Credo: „Wer einen Stolperstein betrachtet, verneigt sich vor den Opfern“. Mehr als 60 000 solcher Steine sind bisher in Deutschland und anderen europäischen Ländern verlegt worden und erinnern fortan an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, gedemütigt und ermordet wurden.

In Nauen sind es nunmehr elf solcher Erinnerungspunkte, die zum Nachdenken und Nachfragen animieren und in der Regel vor den Häusern liegen, in denen die Betreffenden zuletzt gelebt haben. Zu ihnen gehört auch das Ehepaar Ernst und Else Lebram aus der Dammstraße 15. Beide sind in Auschwitz ermordet worden. Als sie mit einem Stolperstein geehrt wurden, war auch Elvira Zarn dabei. Die 75-Jährige kam dazu extra nach Nauen. „Meine Eltern wohnten damals über den Lebrams, die eine Zahnarztpraxis hatten.“

Besonders machte die Verlegung am Dienstag auch, dass Jugendliche von Nauener Schulen sie an den einzelnen Stationen mit kleinen Beiträgen begleiteten – so wie auch die Junge Gemeinde der evangelischen Kirche. „Auf einer Fahrradtour im Sommer haben wir uns mit dem Leben der Lebrams befasst. Es war sehr interessant“, sagt Charleen Hillebrand (15). Aber auch Schüler vom Goethegymnasium, der Arco-Oberschule und Lindenplatzschule würdigten die Verstorbenen. Dass es zur Stolpersteinverlegung am Dienstag gekommen ist, daran hat aber auch der Leonardo-da-Vinci-Campus seinen Anteil. „Im Leistungskurs vor drei Jahren wurde das Thema Judenverfolgung behandelt“, sagt Geschichtslehrerin Carolin Luther. Eine Fundgrube seien dabei die Erkennnisse von Ursula Arzbächer gewesen, die vor allem in den 90er-Jahren akribisch zum jüdischen Leben in Nauen recherchiert hat. Dann stieß man aufs Stolpersteinprojekt „und wir stellten einen Antrag auf einen Stolperstein für Frieda Eck“.

Zu Beginn der Aktion am Dienstag machte Vize-Landtagspräsident Dieter Dombrowski (CDU) deutlich, dass man alles tun müsse, damit so etwas wie damals nicht wieder geschieht. Die Stolpersteine seien ein Beitrag, um im Umgang mit dem schlimmen Vermächtnis der Nationalsozialisten kein Schweigen zuzulassen und die Geschichte in Erinnerung zu rufen. Nauens Vize-Bürgermeisterin Marion Grigoleit wies darauf hin, dass es heute in Nauen zwar seit Längerem eine rechtsextreme Szene gebe, aber eben auch viele sehr couragierte Menschen, die sich ihr entgegen stellen.

Von Andreas Kaatz

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