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Acht neue Stolpersteine

Nauen Acht neue Stolpersteine

Falkenseer Historiker erforschen die Geschichte von verfolgten Menschen aus der Region. Nun haben sie Material für die Verlegung von weiteren Stolpersteinen in Nauen zusammengetragen. Die werden am 27. September verlegt.

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Manfred Schulz und Ines Oberling erkunden regionale Geschichte des Havellandes.

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee/Nauen. Ein Anruf aus Prag. Den erhält der Falkenseer Manfred Schulz nicht oft. Diesmal rief die Großnichte von Frieda Eck an, die Schneidermeisterin hatte bis zu ihrer Deportation ins KZ Ravensbrück in Nauen gelebt. 1944 war Frieda Eck ermordet worden, nun wird in Nauen für sie ein Stolperstein verlegt. An Frieda Eck und sieben weitere Nauener Bürger wird am 27. September mit der Aktion von Gunter Demnig erinnert. Der Künstler, der selbst einst in Nauen zur Schule ging, wird die Erinnerungssteine verlegen.

Gunter Demnig hat 2013 bereits einen Stolperstein am Schloss Ribbeck verlegt

Gunter Demnig hat 2013 bereits einen Stolperstein am Schloss Ribbeck verlegt.

Quelle: Marlies Schnaibel

Die Großnichte aus Prag war durch das Internet auf Manfred Schulz gestoßen. Sie hatte gelesen, was Andrea Johlige über geplante Stolpersteine in Nauen gebloggt hatte. Die Abgeordnete der Linken gehört zu den Menschen, die die Verlegung eines solchen Steines durch eine Spende ermöglichen. Andere Nauener, Angehörige und der Lionsclub Nauen unterstützen die Aktion finanziell. Die geistige Vorarbeit für die Verlegeaktion wird von der „Vorbereitungsgruppe Stolpersteine Falkensee und Umgebung“ ehrenamtlich geleistet. „Wir haben seit Jahren Kontakt zu engagierten Nauener Bürgern, aber eine eigene Gruppe ist dort noch nicht zustande gekommen“, sagt Ines Oberling von der Falkenseer Gruppe. Die hat ihren Radius längst über die Stadtgrenzen von Falkensee hinaus ausgedehnt. Nun hat sie für acht Nauener Bürger eine Ehrung vorbereitet.

Manfred Schulz gehört zu den aktivsten Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe. Er pflegt Kontakte zu Angehörigen, forscht im Internet, in Landes- und Bundesarchiven. Über den Anruf aus Prag freute er sich besonders, wenn alles klappt, kommt die Großnichte von Frieda Eck und bringt Fotos mit. „Wir haben oft keine Abbildung der Opfer“, sagt Manfred Schulz. So auch nicht von den jüdischen Schwestern Erna und Lucie Laski, die in der Dammstraße ein Fotogeschäft hatten und im August 1939 Doppelselbstmord begangen haben. Die beiden Frauen waren die letzten Toten, die auf dem jüdischen Friedhof von Nauen beigesetzt wurden. Else und Ernst Lebram starben in Auschwitz, Elisabeth Löwenheim in Theresienstadt.

Zu den Personen, über die bisher etwas mehr bekannt ist, gehören Karl Thon und Paul Jerchel. Nach ihnen sind Straßen in Nauen benannt, sie sollen jetzt durch einen Stolperstein geehrt werden. Der Stein wird gewöhnlich am letzten frei gewählten Wohnort des Opfers gesetzt, bei Paul Jerchel ist das nicht möglich. Der Sozialdemokrat war 1944 im Zuchthaus Brandenburg wegen seiner antifaschistischen Gesinnung hingerichtet worden, in Nauen hatte er am Lietzowplatz gewohnt, dort ist heute nur eine Wiese. Deshalb soll vor dem Amtsgericht in der Paul-Jerchel-Straße ein Stolperstein an ihn erinnern. Manfred Schulz hat Kontakt zu seinen Enkeln, hat viel Material über Paul Jerchel gesammelt.

Bei anderen ist die Faktenlage viel dünner. So soll von den Lebrams ein Sohn nach Argentinien ausgewandert sein. Vielleicht kommt eines Tages auch von dort ein Anruf.

Von Marlies Schnaibel

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