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Ackern für den Abi-Ball

Rathenows Abiturienten bereiten Abschied vor Ackern für den Abi-Ball

Dass man fürs Abitur pauken muss, ist wohl jedem klar. Dass die Hochschulreife aber neben viel Hirnschmalz auch finanzielle Opfer verlangt, wird vielen häufig erst dann bewusst, wenn der eigene Nachwuchs Geld für Abi-Feier, Abschlussfahrt und die passende Garderobe braucht. In Rathenow haben die Abiturienten zwei Jahre lang viel für ihren Abschlussball getan.

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Ralf Clausner, Zsofia Gargyan und Antonia Michalek präsentieren ihre Jahrgangs-Shirts.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Antonia Michalek, Zsofia Gargyan und Ralf Clausner wissen genau, wie viel Arbeit es macht, den Abschied von der Schule gebührend zu feiern. Die drei besuchen die Rathenower Bürgelschule und arbeiten seit zwei Jahren auf das große Finale hin. Zsofia organisiert die Abschlussfahrt, die mit rund 550 Euro den größten Posten ausmacht. Nicht jeder will sich das leisten. Knapp die Hälfte der 55 Abiturienten gönnt sich den Spaß und wird sich im Juli gemeinsam eine Woche Urlaub in Bulgarien gönnen, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Mit im Gepäck werden die frisch gebackenen Abiturienten dann sicher auch ihr Jahrgangs-T-Shirt haben. Auch das hat Zsofia organisiert. Für 11,20 Euro das Stück kann sich jeder die Erinnerung zum Anziehen kaufen. Für die Mädchen gibt es das Shirt in weinrot, die Jungen tragen ein dunkles Blau.

Auch die Abiturienten des Jahngymnasiums leisten sich ein Jahrgangs-Shirt. Sie konnten die Macher des Mögeliner Modelabels Sorgenkinder dafür gewinnen, ein individuelles Design zu entwerfen. Dafür kostet das besondere Stück mit 20 Euro auch ein wenig mehr. Für den großen Abschlussball zahlen Rathenows Abiturienten 25 Euro pro Person. Dafür gibt es einen Sektempfang, Essen und ein weiteres Getränk. Wer mit den Eltern und Geschwistern feiern möchte, ist mit 100 Euro dabei.

Dazu kommt natürlich noch das Styling, das besonders bei den Mädchen etwas kostspieliger ausfallen kann. Etwa 250 Euro geben ihre Mitschülerinnen im Durchschnitt für ein Kleid aus, schätzen Antonia und Zsofia. Die meisten kaufen sogar zwei, denn nicht nur zum großen Ball putzt man sich heraus. Auch zur feierlichen Zeugnisausgabe, die separat stattfindet, gehört die passende Garderobe. Dazu kommt der obligatorische Friseurbesuch vor dem großen Auftritt. Etwas einfacher haben es die Jungen. „Ich war schon letzte Woche zum Haare schneiden“, scherzt Ralf. Einen Anzug hat er auch schon, eigentlich sogar mehrere, denn im August wird er eine Lehre bei der Rathenower Volksbank beginnen.

Was kostet was?

Die Abschlussparty:
25 Euro pro Person zahlen Rathenows Abiturienten für das Fest. Freunde können nach 23 Uhr dazukommen, sie zahlen 10 Euro Eintritt.
Das Outfit der Damen:
Die Mädchen veranschlagen im Schnitt 250 Euro für ein Kleid, dazu kommen Schuhe und Accessoires und oft ein zweites Kleid für die Zeugnisübergabe. Für den Friseurbesuch berappen sie nochmal zwischen 50 und 100 Euro.
Das Outfit der Herren:
Jungen kommen im Schnitt mit einem geringeren Budget aus. Einige schlagen ein Schnäppchen und zahlen für einen neuen Anzug 60 Euro, andere investieren etwas mehr und geben bis zu 200 Euro aus.
Die Abi-Kasse:
Um nicht auf einmal einen großen Betrag berappen zu müssen, zahlen Rathenows Abiturienten seit Monaten in eine Abi-Kasse ein. Die Bürgelschüler haben insgesamt 108 Euro – je sechs Euro pro Monat – eingezahlt.
Die Jahrgangskleidung:
Ein T-Shirt, Top oder einen Pullover mit einem individuellen Spruch und den Namen aller Schüler des Jahrgangs gehört für die meisten Abiturienten dazu. Dafür geben die Mädchen und Jungen zwischen 10 und 20 Euro aus.
Die Abschlussfahrt:
Gemeinsame Jahrgangsreisen sind die Ausnahme. Die Abiturienten organisieren die Fahrt privat. Rund die Hälfte der Schüler beteiligt sich und ist bereit noch einmal rund 550Euro zu investieren.
Geschenke:
Für das bestandene Abitur werden die Schüler unterschiedlich belohnt. Die einen bekommen von den Eltern lobende Worte, andere dürfen sich über kleine Aufmerksamkeiten freuen. Größere Geschenke wie Reisen, ein Auto oder die Übernahme der Fahrschulkosten sind eher die Ausnahme.

Sowohl die Bürgelianer als auch die Jahn-Gymnasiasten haben sich entschlossen, die große Abschluss-Sause in der Premnitzer Turnhalle steigen zu lassen. „Natürlich wäre es schön gewesen, hätten wir in Rathenow feiern können, aber es gibt hier einfach keinen passenden Saal“, erzählt Antonia. Sie hat sich in erster Linie um das Programm für den Abschlussball gekümmert, aber auch bei der Suche nach Sponsoren war sie sehr aktiv. Keine leichte Aufgabe, wie sie feststellen musste.

Statt einfach Gelder einzusammeln, mussten sich die Schüler wirklich ins Zeug legen, um das Geld für ihren Abschluss zusammenzukratzen. Die Jahngymnasiasten haben bei Bauern in der Region auf dem Feld geackert, sich beim Motocross als Streckenposten ein paar Taler verdient, auf Stadt- und Sommerfesten waren beide Jahrgänge aktiv, haben beim Aufbau und Verkauf geholfen. Der Kunst-Leistungskurs der Bürgelschule hat eigene Werke versteigert und so allein 550 Euro in die Abi-Kasse gespült.

Große Unterstützung kam auch von Gastronom Manuel Ruschitzka, der die Eintrittsgelder von zwei Abendveranstaltungen komplett den Abiturienten spendierte. Und das Steckelsdorfer Eiscafe spendierte Eis, das die Schüler verkaufen konnten. Den Lohn für ihre Arbeit genießen die Jahn-Schüler morgen. Dann feiern sie ihren Abschlussball. Eine Woche später folgt auch für Antonia, Zsofia und Ralf der große Auftritt.

Von Christin Schmidt

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